veröffentlicht von Martin Lorber am 11. November 2013

Festival der Autorenspiele „SPIELSALON“ geht in die 2. Runde

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Computer- und Videospiele haben sich längst als kreative Ausdrucksform etabliert. Dabei verschwimmt die Grenze zwischen Künstler und Spieleentwickler zunehmend. So gibt es Künstler, die sich des Mediums Spiel oder zumindest einiger seiner Elemente bedienen um ihre Ideen zu verwirklichen, aber auch Spieleentwickler, die mit unkonventionellen Ideen sehr kunstvolle Spiele umsetzen. Ein schönes Beispiel für Ersteres ist die Künstlerin Evelyn Hribersek, die in ihrem Projekt „O.R.pheus – Eine musikalisch-theatrale Rauminstallation“ Elemente des Musiktheaters, Film und Computerspiel zu einem hybriden Gesamtkunstwerk verschmilzt. Wer Beispiele für Zweiteres sucht, sollte vielleicht einen Besuch des 2. Festivals der Autorenspiele in Betracht ziehen.

Nach seiner Premiere 2011, wird das Festival „SPIELSALON“ nun schon zum 2. Mal von der Kunsthochschule Kassel veranstaltet. Hier können interessierte Besucher sich ausgiebig mit dem Thema Autorenspiel auseinandersetzen. Diesen Namen geben die Veranstalter Spielen, auf deren Herstellung Autoren oder Gestalter den entscheidenden Einfluss ausüben, weswegen sie sich vor allem durch eine persönliche Handschrift auszeichnen. Die persönliche Einstellung der Autoren fließt in die Entwicklung mit ein und gibt den Spielen einen gewissen Wiedererkennungswert. Das Alleinstellungsmerkmal des Mediums Spiel, die Interaktivität, wird vor allem künstlerisch dazu genutzt, um in eine intelligente Kommunikation mit dem Spieler zu treten. Der künstlerische Aspekt steht somit im Vordergrund.

Die Veranstaltung ist in zwei Ebenen aufgeteilt. Zum einen eine Ausstellung von Spielen, die der Definition Autorenspiel entsprechen. Hier können die Besucher die Spiele nicht nur anschauen, sondern auch selber Hand anlegen. Parallel dazu gibt es eine Reihe von Vorträgen internationaler Experten zu philosophischen, soziologischen, künstlerischen, technischen und wirtschaftlichen Aspekten des Mediums. Die Vorträge können als Grundlage für einen fruchtbaren Austausch zwischen Studierenden, Künstlern, professionellen Entwicklern und dem Publikum genutzt werden. Es geht also um das Spielen und das „Darüber-Reden“.

Zu den ausgestellten Spielen in diesem Jahr gehört das, dank einer Berichterstattung in großen Medien, inzwischen recht bekannte „Papers, Please“, in dem der Spieler die Rolle eines Grenzbeamten eines totalitären Staates einnimmt. Das Spiel stellt den Gamer bewusst vor die unmögliche Aufgabe eine Balance zwischen dem eigenen Mitleid gegenüber den Ein- und Ausreisewilligen sowie der Not die eigene Familie zu ernähren zu finden. Bezahlt wird nämlich pro Vorgang und der einfache Weg muss nicht unbedingt der humanitärste Weg sein.

Ein weiteres Spiel, dessen Idee sich sehr interessant anhört nennt sich „Viscera Cleanup“. Dies nimmt gängige Actionspiel-Klischees aufs Korn und befasst sich mit einer Situation, die immer erst dann auftritt, wenn das eigentliche Spiel schon vorbei ist. Hat sich jemand schon einmal Gedanken gemacht, wer hinter den Protagonisten aufräumt, nachdem diese sich der Bedrohung angenommen haben. Denn wenn Duke Nukem oder Isaac von Dead Space fertig sind, bleibt sicherlich einiges zu tun. Als Hausmeister einer Raumstation nach einem Alienangriff muss man hier für Ordnung und blanke Fußböden sorgen.

Eine sehr schöne Veranstaltung, die ihren Besuchern sicherlich spannende und unbekannte Spiele näher bringen wird. Gekoppelt mit den angekündigten Vorträgen bietet das Programm ein solides Fundament zum gemeinsamen Austausch über das tolle Medium Spiel. Stattfinden wird die Veranstaltung vom 27.11. – 1.12 im Kassler Kunstverein. Weitere Informationen dazu finden Sie hier: www.spielsalonkassel.com

Weitere Links zum Thema:

Blog: O.R.pheus – Computerspiel trifft auf Musiktheater

Web: Website des SPIELSALON Kassel

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