veröffentlicht von Martin Lorber am 08. August 2013

Ein Porträt: Frankreich – Partnerland der gamescom 2013

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Was haben Shigeru Miyamoto , Michel Ancel und Frédérick Raynal gemeinsam? Sie alle sind Spieleentwickler. Ihre Spiele erreichten Millionen und haben ganze Genres, sowie die Branche an sich mit geprägt. Gleichzeitig sind sie auch alle Träger eines französischen Ritterordens. Und zwar genau aufgrund ihrer Leistungen im Bereich Computer- und Videospiele. Der „Ordre des Arts et des Lettres“ (Orden der Künste und der Literatur) wird vom französischen Kulturministerium verwaltet und ehrt Personen, die sich durch ihr Schaffen im künstlerischen oder literarischen Bereich oder durch ihren Beitrag zur Ausstrahlung der Künste und der Literatur in Frankreich und in der Welt ausgezeichnet haben.

Ein Szenario, wie man es sich in Deutschland irgendwie nicht wirklich vorstellen kann. Trotz aller Fortschritte auf Seiten von Politik und Öffentlichkeit bei der Anerkennung von Computer- und Videospielen als Kulturgut ist eine Auszeichnung a la Bundesverdienstkreuz für die Macher von Crysis oder Gothic noch keine Realität.

Frankreich kann also getrost als einer der Vorreiter bei der Etablierung von Computer- und Videospielen als Kulturgut bezeichnet werden. Doch nicht nur hier. Frankreich hat auch schon früh die Bedeutung der Spielbranche für die gesamte Wirtschaftsentwicklung des Landes erkannt und den Wirtschaftszweig staatlich gefördert. Bereits seit 2003 gab es erste Ansätze zur Förderung der Industrie in Form von Steuergutschriften. Somit soll der französische Standort seine Attraktivität für Spielentwickler langfristig steigern und gegenüber anderen Ländern wie beispielsweise den USA, Kanada, Südkorea und Japan aufholen.

Mit „Le Game“ wurde im vergangenen Jahr sogar eine eigene Marke für Frankreichs Computer- und Videospielindustrie eingeführt. Über „Le Game“ möchte die Industrie einen weltweiten Kommunikationsplan umsetzen, der die Kreativität und Diversität der Branche in Frankreich betonen soll. Damit soll auf die Herausforderungen des weltweiten Wettbewerbs in der Computer- und Videospielindustrie eingegangen und Aufmerksamkeit für französische Entwickler und Publisher geschaffen werden.

Und die Branche in Frankreich hat es durchaus in sich. Laut dem französischen Branchenverband Syndicat National du Jeu Vidéo (SNJV) gab es 2012 rund 28 Mio. aktive Spieler, die einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro erwirtschafteten. Viele Anbieter aus dem traditionellen Gamesbereich sind in Frankreich beheimatet oder haben hier ihren Ursprung. Neben Ubisoft zum Beispiel Quantic Dream, die Macher von Heavy Rain, Cyanide, Blood Bowl und Inhaber der Game of Thrones Lizenz, sowie die Arkane Studios, die erst kürzlich mit Dishonored auf sich aufmerksam machten.

So wundert es auch nicht, dass Frankreich in diesem Jahr als Partnerland der gamescom ausgewählt wurde. Vom 21.-25. August präsentiert sich die französische Spieleindustrie auf dem Gelände der Kölnmesse den gamescom-Besuchern aus 84 Ländern. Ein Besuch wird sich sicherlich lohnen. Und wer weiß… vielleicht können wir hier in Deutschland uns das Eine oder Andere von ihnen abschauen. Die Konkurrenz schläft nicht.

Weitere Links zum Thema:

Blog: „Le Game“: Eine eigene Marke für Frankreichs Computer- und Videospielindustrie

Blog: Britische Regierung empfiehlt Förderung der Kreativindustrie

Blog: Interview mit Prof. Dr. Müller-Lietzkow über die Gründung eines Kompetenzzentrums für Game Studies und der Positionierung der Industrie.

Blog: Der virtuelle Sportplatz – Korea: Partnerland der Gamescom

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