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veröffentlicht von Martin Lorber am 10. Oktober 2011

Deutscher Staatsminister besucht EAs Hauptquartier

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In der vergangenen Woche begrüßte EA den deutschen Staatsminister im Auswärtigen Amt, Dr. Werner Hoyer MdB, in Redwood Shores auf unserem Campus in Kalifornien. Dr. Hoyer und EAs CEO John Riccitiello führten ein umfassendes Gespräch über das politische und regulative Klima rund um Computer- und Videospiele in Deutschland. Sie besprachen ebenso die kulturelle und gesellschaftliche Bewertung von Computerspielen wie auch die Schritte, die zur Stärkung der Entwicklerlandschaft in Deutschland nötig wären.

Dr. Hoyer, seit 1987 Mitglied im Deutschen Bundestag, zeigte ein besonderes Interesse an den besprochenen Themen, nicht nur, weil sich die deutsche Niederlassung von EA in seinem Kölner Wahlkreis befindet.

Riccitiello fasste zu Beginn des Treffens die aktuelle Situation der Spielindustrie kurz zusammen. Im Anschluss diskutierte er zwei Trends, die das Spieleverhalten derzeit fundamental verändern: die riesigen Sprünge bei der Weiterentwicklung digitaler Grafik und die rasante Entwicklung bei mobilen Technologien und mobilen Spielen.

Wie Riccitiello erklärte: „Die Menschen spielen nicht mehr ausschließlich auf Konsolen oder PCs.“  Vor einem Jahrzehnt spielten rund 200 Millionen Menschen; mit der Ausbreitung von Smartphones und browserbasierten Spielen auf PCs spricht man aktuell von mehr als 1,5 Milliarden Nutzern.

Mittlerweile betragen die Umsätze der Industrie weltweit schätzungsweise 55 Milliarden Dollar und sollen bis zum Jahr 2015 auf 82 Milliarden wachsen; Videospiele haben die Einnahmen von Kinofilmen schon seit einiger Zeit übertroffen.

Bezogen auf den Umgang mit Videospielen in Deutschland, wies Riccitiello darauf hin, dass viele Entscheidungsträger eine veraltete Sicht auf die Industrie haben – eine, die sich hauptsächlich auf die Entwicklung von Spielinhalten für Kinder konzentriert. Der Reifungsprozess, den sowohl die Industrie als auch die Videospieler über die Jahre hinweg durchlebt haben, werde dabei nicht berücksichtigt. So läge das Durchschnittsalter der Spieler von EA-Titeln in Nord-Amerika bei 29 Jahren, in Europa bei 30 Jahren und in Deutschland bei 31 Jahren. Ebenso wie die Spielindustrie den Eltern weiterhin Mittel und Lösungen zum Schutz ihrer Kinder anbiete, müssten die (politischen) Entscheidungsträger auch verstehen und anerkennen, dass Videospiele sehr wohl Teil der heutigen Mainstream-Kultur und die Mehrheit der heutigen Konsumenten Erwachsene seien.

Dr. Hoyer gestand zu, dass einige Entscheidungsträger hinsichtlich dieses demographischen Wandels geschult werden müssten. Er betonte aber auch, dass bereits viele junge Regierungsvertreter mit Videospielen aufgewachsen seien und die aktuelle Situation sehr wohl einschätzen könnten. „All das verändert sich schnell“, sagte Hoyer.

Die beiden sprachen ebenfalls über die relativ kleine Anzahl an Entwicklungsstudios in Deutschland.  „Deutschland war in der Vergangenheit bereits wesentlich mehr in die Videospielentwicklung involviert“, stellte Riccitiello fest. „Mittlerweile findet ein Großteil der Entwicklung in Skandinavien und Großbritannien  statt. Ich halte es durchaus für möglich, dass größere Teile der Industrie wieder zurück nach Deutschland finden. Die deutsche Spiele-Branche ist überraschend unterentwickelt, muss es aber nicht notwendigerweise sein.“

Das deutsche Hauptquartier von EA in Köln beschäftigt 140 Mitarbeiter. Und obwohl in der der deutschen Videospielindustrie schätzungsweise nur 10.000 Beschäftigte arbeiten, gibt es über 23 Millionen aktive Computer- und Videospieler im Land; die momentane Marktgröße für Computer- und Videospiele in Deutschland liegt bei über zwei Milliarden Euro pro Jahr.

Weiterhin sprachen sie über weltweite Altersklassifizierungsverfahren von Computer- und Videospielen. Dabei diskutierten sie auch Deutschlands Position als einziges EU-Land, das das gesamteuropäische PEGI-System nicht adaptiert hat. Aus der Sicht von EA verwirren konkurrierende Systeme die Verbraucher. Darüber hinaus verkomplizieren sie die Situation für Entwickler und Publisher.

Spiele, die in den USA eine Erwachsenen-Bewertung („M-rating“) erhalten oder „17+“ im Rest von Europa, droht in Deutschland die Indizierung. Dieses System macht es den potentiellen Käufern enorm schwer, ein Spiel zu erwerben und zu spielen. EA nimmt an, dass die Komplexität der Indizierung Erwachsene in Deutschland dazu drängt, Spiele online in anderen Ländern – zum Beispiel in Österreich und der Schweiz­ – statt lokal zu kaufen.

Hoyer erklärte, dass „die kritische Haltung gegenüber Gewalt[darstellungen in Videospielen] in Deutschland weiterhin Bestand haben werde“, dennoch glaube er an die Videospielindustrie. Er fügte hinzu: „Es ist beunruhigend, dass es innerhalb  der EU Ungerechtigkeiten im Markt gibt“ und brachte seine Absicht zum Ausdruck, die Bewertungsproblematik nach seiner Rückkehr zu prüfen.

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