Das Logo des Deutschen Computerspielpreis DCP
veröffentlicht von Martin Lorber am 12. Dezember 2014

Deutscher Computerspielpreis wird reformiert

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Reform beim Deutschen Computerspielpreis! „Endlich“, sagen nun sicherlich Viele. Die Vergabe des Deutschen Computerspielpreis (DCP) hat in den letzten Jahren ja immer mal wieder zu kleineren oder größeren Querelen geführt. Auf Seiten der Politik oder der Jury. Kritik gab es dabei mal für die Vergabe an vermeintlich zu gewalthaltigen Spielen und mal für die Vergabekriterien an sich. Es war Zeit, den DCP gründlich zu überarbeiten und ihm einer Reform zu unterziehen. Eine Aufgabe, zu der sich die aktuelle Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag explizit bekannte.

Ein erster Schritt dazu wurde Anfang des Jahres durch den Wechsel der Zuständigkeit für den DCP gemacht. Diese wanderte weg von der Kulturstaatsministerin hin zum Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Obwohl vielfach diskutiert, zeigt sich nun, dass mit Staatsministerin Dorothee Bär eine echte Expertin und Befürworterin des Mediums für das Thema verantwortlich ist. Jetzt haben alle Beteiligten bekannt gegeben, dass der Deutsche Computerspielpreis 2015 mit einigen Änderungen aufwarten kann.

Deutscher Computerspielpreis: Die wichtigsten Änderungen

Für Ungeduldige das Wichtigste gleich vorweg: Die Kategorien sind überarbeitet und bilden die Vielfalt von digitalen Spielen besser ab, die Rolle von Fachjurys ist gestärkt, mehr Preisgeld ist zu verteilen und die Benachteiligung von Spielen mit einer Altersfreigabe ab 18 scheint abgeschafft.

Die Kategorien bilden in Zukunft die Vielfalt des Mediums stärker ab. Statt sieben, gibt es nun mit 14 Kategorien doppelt so viele Möglichkeiten einen Preis einzuheimsen. Besonders hervorheben, möchte ich den neuen Publikumspreis und drei internationale Kategorien. Die Kriterien zur Bewertung der Spiele sind nun konkreter festgelegt und ausgeglichener als vorher. Neben den früher eher dominierenden „pädagogisch und kulturell Wertvoll“ finden jetzt die Innovationskraft und Spielspaß eines Spiels gleichberechtigt Berücksichtigung. Ein expliziter Vorbehalt gegenüber Spielen mit einer Altersfreigabe „ab 18“ ist nirgendwo zu lesen. Die Rolle der Fachjurys ist gestärkt. Sie können Empfehlungen gegenüber der 30-köpfigen Hauptjury aussprechen und entsenden in diese jeweils zwei Juroren. Die Entscheidungen müssen mit einer 2/3-Merheit fallen. Die Möglichkeit eines kleinen Teils der Hauptjury bestimmte Spiele zu blockieren, scheint (hoffentlich) ebenfalls passé zu sein. Die Bundesregierung erhöht die Finanzierung von aktuell 250.000 Euro bis 2017 auf 450.000 Euro. Geld, das vor allem als Förderung der heimischen Industrie zugutekommt.

Insgesamt lesen sich die Änderungen sehr positiv. Viele seltsame Einschränkungen der Vergangenheit, die Computer- und Videospiele als Kulturgut zweiter Klasse wirken ließen, sind Geschichte. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse, die wir alle dann Mitte 2015 sehen. Vielleicht verstummen nach und nach die Kritiker der Veranstaltung und der Deutsche Computerspielpreis bekommt eine Bedeutung, die dem Medium „digitales Spiel“ angemessen ist.

Kommentare
  1. Rey Alp sagt:

    Ob die Sperrminorität abgeschafft worden ist, erscheint mir noch nicht sicher: Bei den Kategorien taucht ein ominöser „Sonderpreis der Jury“ auf, der nach golem nicht jedes Jahr vergeben werden müsse. Dabei könnte es sich imho um diese Regelegung handeln.

    1. Ich höre mich dazu einmal um und versuche Näheres herauszufinden.

  2. Peter sagt:

    Hallo Rey, die Sperrminorität-Regelung gehört der Vergangenheit an. Es gibt auch keine weiteren Regelungen, die nicht veröffentlicht worden sind. Es können alle Spiele, auch 18er, problemlos ausgezeichnet. werden. Der Sonderpreis kann (aber muss nicht, darüber entscheidet die Jury) für Spiele, Institutionen oder Personen vergeben werden, die sich um die Spielekultur verdient gemacht haben. Beste Grüße, Peter Tscherne (von der Stiftung, wir leiten auch das Awardbüro und haben die Reform gemeinsam mit den Verbänden und dem BMVI erarbeitet).

  3. Rey Alp sagt:

    @Peter
    Vielen Dank. Koennen mittlerweile eigentlich auch fuer alle Kategorien Spiele direkt nominiert werden? In der Vergangenheit war es ja mal so, dass fuer das beste deutsche Spiel keine nominierungen moeglich waren und nur fuer andere Kategorien nominierte Titel ausgezeichnet werden konnten. Da es aber an der Kategorie bestes Erwachsenenspiel fehlte, konnte der Preistraeger – verkuerzt – nur ein Jugend- oder Seriousgame sein.

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