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veröffentlicht von Martin Lorber am 04. April 2013

Deutscher Computerspielpreis 2013: Und der Gewinner ist…das Medium Computerspiel

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Großen, öffentlichen Ärger um den Deutschen Computerspielpreis 2013 gab es in diesem Jahr nicht. Und das auch völlig zu Recht: Denn mit dem Adventure „Chaos auf Deponia“ wählte die Jury einen würdigen Gewinner. Das Spiel der deutschen Adventure-Spezialisten Deadalic bietet anarchischen Humor, ungewöhnliche Charaktere und eine durchaus ernste Hintergrundgeschichte. Für die Jury erfüllte es die Kriterien, dass das Spiel technisch und künstlerisch hochwertig sowie kulturell und pädagogisch wertvoll ist, aber auch Spaß und Unterhaltung bietet.

Ein Blick auf die Reaktionen dazu zeigt, dass sich die Öffentlichkeit mit dem Ergebnis durchaus anfreunden kann. Zwar wurde vereinzelt angedeutet, dass die Wahl von einer vermeintlichen political correctness beeinflusst sein könnte. Schließlich war mit dem Shooter „Spec Ops: The Line“ von Yager Entertainment der Gewinner des Deutschen Entwicklerpreis 2012 ebenfalls nominiert. Der gewalthaltige Titel mit einer Altersfreigabe ab 18 ist unbestritten ein hervorragendes Spiel mit einer packenden Geschichte. Art und Intensität der Erzählung, sowie die moralische Tiefgründigkeit wurden immer wieder mit dem Anti-Kriegs-Film „Apocalypse Now“ verglichen. Der Begriff des Anti-Kriegs-Shooter prägte die Rezensionen. Viele hatten bei der Bekanntgabe der Nominierten erwartet, dass „Spec Ops: The Line“ deshalb auch den Deutschen Computerspielpreis 2013 gewinnen würde, ja müsse. Das nun ein vermeintlich weichgespültes Adventure den Preis einheimst, ist für sie ein Zeichen der Mutlosigkeit und einer falschen Auswahl der Bewertungskriterien. Besonders an dem Kriterium „pädagogisch wertvoll“ scheiden sich die Geister. Doch diese Argumentation ist meines Erachtens wenig stichhaltig.

Mit dem Deutschen Computerspielpreis sollen Spiele gefördert werden, die innovativ, kulturell und pädagogisch wertvoll und darüber hinaus unterhaltsam sind. Es sind also unterschiedliche Aspekte in den Blick zu nehmen. Genau wie bei Buch, Film oder anderen Medien auch, setzen Spiele-Entwickler unterschiedliche Stilmittel ein, um bei den Spielern eine Emotion zu erzeugen. Sei es Freude, Zuneigung, Trauer oder Abneigung. Alle Genres haben ihre Berechtigung, alle Vorlieben werden bedient. „Chaos auf Deponia“ ist ein gutes Spiel mit einer erwachsenen Geschichte, genauso wie „Spec Ops: The Line“. Eine objektive Entscheidung darüber zu treffen, welches Spiel „besser“ ist, kann und möchte ich nicht fällen.

Die Prämisse der Kritiker, dass das Medium Computerspiel und der Preis nur ernst genommen werden kann, wenn ein nominierter gewalthaltiger Ego-Shooter gewinnt, ist gefährlich. Im Prinzip wäre es die gleiche Schere im Kopf, die sie kritisieren, lediglich unter anderen Voraussetzungen. Dazu zeigt mit „Crysis 2“ der Gewinner vom letzten Jahr, dass dieses Genre durchaus berücksichtigt wird. Es muss ja nicht jedes Jahr ein Shooter gewinnen, nur um etwas zu beweisen. Der Vorwurf, man traue sich so etwas nicht, greift hier also nicht.

Insgesamt sollten wir alle doch froh sein, dass die große Bandbreite des Mediums Computerspiel solch einen Wettbewerb der Genres überhaupt zulässt und der Umgang mit Spielen aller Art so unaufgeregt ist. Im letzten Jahr gewann mit „Crysis 2“ ein Shooter, in diesem Jahr mit Chaos auf Deponia ein Adventure. Das waren die Entscheidungen der Jury. Einen Gewinner, der alle zufriedenstellt wird es wohl nie geben.

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