veröffentlicht von Martin Lorber am 03. März 2011

Deutscher Computerspielpreis 2011: Eindrücke von der Veranstaltung

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Eben ist die offizielle Eröffnung des Deutschen Computerspielpreises in München vorbei, jetzt folgt die Preisverleihung. Leider hat der Ministerpräsident Seehofer kurzfristig abgesagt. Das ist bedauerlich, und man scheint in Bayern an oberster Stelle doch nicht die Meinung von Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring zu teilen, der heute Morgen noch gesagt hat, dass man dem Bereich Computerspiele höchste Priorität einräumen solle, auch was die Förderung angeht. Schließlich hat Seehofer vor zwei Jahren auch schon kurzfristig eine Teilnahme an der Preisverleihung abgesagt. Prof. Rings Eröffnungsrede des parallel stattfindenden Munich Gaming finden Sie als Download am Ende dieses Beitrags. Seehofer ließ sich von dem neuen bayerischen Staatsminister Dr. Marcel Huber vertreten, der im Gespräch mit mir immerhin ebenfalls den Nachholbedarf in Deutschland beklagte: „Deutsche Unternehmen spielen zudem in der Entwicklung und Produktion, bis auf wenige Ausnahmen, international nur eine untergeordnete Rolle. In dieser hochtechnologischen und kreativen Branche stecken aber viele Chancen“.

Im Rahmen des Computerspielpreises äußerte sich auch Dorothee Bär in einem Beitrag für diesen Blog. Außerdem hatte ich die Gelegenheit, ein kurzes Interview mit dem Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) zu führen:

Martin Lorber: Welche Bedeutung messen Sie dem Deutschen Computerspielpreis bei (kulturell und wirtschaftspolitisch)?

Bernd Neumann: Computerspiele sind beides: Kultur- und Wirtschaftsgüter. Sie schaffen neue Erzähl- und Erlebniswelten und sie begründen auch neue Märkte. Der Deutsche Computerspielpreis soll die kulturelle und pädagogisch wertvollen Spiele fördern und die Position deutscher Entwickler und Publisher im Markt verbessern. Der Preis ist damit ein wichtiges kultur- und auch ein wirtschaftspolitisches Instrument.

Wie beurteilen Sie die Lage der Spieleindustrie im Wirtschaftstandort Deutschland?

Die Marktstellung deutscher Spieleentwickler und -hersteller hat sich in den letzten Jahren erfreulich verbessert. Aus meiner Sicht schöpfen die deutschen Entwickler und Hersteller ihr Potential aber bei weitem noch nicht aus. Lassen Sie mich nur ein Beispiel nennen: Es spricht viel dafür, dass der Einsatz innovativer Spieletechnologien in neuen digitalen Erlebniswelten – etwa in den Bereichen Wissenschaft, Bildung oder Kultur – gerade den deutschen Spieleentwicklern und Herstellern neue Betätigungsfelder erschließen könnte.

Welche Gründe sehen Sie für die oftmals vorherrschenden Vorurteile und undifferenzierten Betrachtung des Themas Computerspiele?

Hier spielt sicherlich eine entscheidende Rolle, dass das Medium noch jung ist und die meisten Menschen, die damit nicht aufgewachsen sind, bislang oft nur wenig darüber wissen. Insofern teilen Computerspiele das Schicksal vieler Innovationen, die ihren Ausgangspunkt in der Jugendkultur hatten. Ich denke, dass wir der gesellschaftlichen Debatte ein wenig Zeit geben und die weitere Entwicklung mit einer gewissen Gelassenheit abwarten müssen.

Allerdings darf man die Augen nicht davor verschließen, dass manche Spieleangebote auch Risiken mit sich bringen. Auch darüber muss sachlich und differenziert gesprochen werden. Hysterie ist hier kein guter Ratgeber. Richtig ist, dass sich die Diskussion in letzter Zeit deutlich versachlicht hat. Dazu hat der Deutsche Computerspielpreis sicher beigetragen.

Wie stehen Sie zu der unterschiedlichen Behandlung von Filmen und Spielen, beispielsweise in der Beurteilung der Thematik von Gewalt?

Unterschiedliche Einschätzungen begründen sich wohl vor allem aus der unterschiedlichen Wirkung von Spielen und Filmen auf Einstellungen und Handlungsmuster von Kindern und Jugendlichen. Für beide Bereiche gilt aber: Kinder und Jugendliche müssen vor entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalten geschützt werden! Die vom Grundgesetz her geltenden Wertmaßstäbe sind deshalb für die Beurteilung von Filmen und Spielen gleich.

Filme wie Inglourious Basterds werden mit mehreren Millionen Euro gefördert, während vergleichbare Videospiele eher indiziert werden. Ist die Arbeit eines Quentin Tarantino kulturell wertvoller, als die eines Videospielentwicklers? Gibt es aus ihrer Sicht „kulturell abgesegnete“ Gewalt?

Nach meiner Einschätzung hängt die Beurteilung eines Mediums allein von seinem Inhalt und seiner Qualität ab. Für mich gibt es daher keinen prinzipiellen Vorrang des Films gegenüber dem Computerspiel. Es kommt allein auf das jeweilige Werk an. Das gilt auch für die Bewertung von Gewaltdarstellungen. Gewaltdarstellungen, die mit den Wertmaßstäben unseres Grundgesetzes nicht vereinbar sind, sind nie akzeptabel und können deshalb auch nicht – wenn ich Ihre Formulierung einmal aufgreifen darf – „kulturell abgesegnet“ werden.

Die Gewinner des Deutsche Computerspielpreises 2011 werden auf der Homepage der Veranstaltung genannt.

Weitere Links zum Thema:

Web: Deutscher Computerspielpreis 2011 (deutscher-computerspielpreis.de)

Web: Gastbeitrag Dorothee Bär (Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Familie, Senioren, Frauen und Jugend): Deutscher Computerspielpreis 2011 (spielkultur.ea.de)

Web: Deutscher Computerspielpreis 2011: Die Serious Games Winterfest und E2010 – Power to Energetika (spielkultur.ea.de)

Web: Pressemitteilung von Tabea Rößner (Bündnis 90/Die GRÜNEN) zum Deutschen Computerspielepreis (gruene-bundestag.de)

Download: Grußwort von Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring zur Eröffnung der „Munich Gaming“ am 30. März 2011

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