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veröffentlicht von Martin Lorber am 03. März 2011

Deutscher Computerspielpreis 2011: Die Serious Games Winterfest und E2010 – Power to Energetika

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Morgen wird zum dritten Mal der Deutsche Computerspielpreis verliehen, bei dem ich auch vor Ort sein werde. Eine der Preiskategorien zeichnet Serious Games aus. Diese Spiele dienen hauptsächlich dem Lernen und Trainieren von verschiedenen Fähigkeiten oder simulieren reale Begebenheiten, mit denen sich der Spieler so vertraut machen kann. Serious Games sind aber nicht nur bezüglich ihres entsprechenden Lernziels hilfreich, sondern auch für die gesamte Branche, indem sie gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen und zeigen, wie facettenreich Computerspiele sein können. Gleichzeitig vernachlässigen die Entwickler nicht, was Spiele im Allgemeinen auszeichnet: Sie rufen durch eine Interaktion Emotionen hervor. Aus diesen Gründen habe auch schon häufiger über das Thema geschrieben, beispielsweise bei der Konferenz „Sportlich spielend lernen“ oder dem kontroversen Serious Game 1378(km).

Heute möchte ich Ihnen zwei der Nominierten des Deutschen Computerspielpreises dieser Kategorie vorstellen: Winterfest und E2010 – Power to Energetika.

Winterfest ist ein Lern-Adventure, das sich speziell an erwachsene Analphabeten richtet und kostenlos heruntergeladen werden kann. Es soll ihnen helfen, sich spielerisch mit geschriebener Sprache zu beschäftigen und dabei ihre Fertigkeiten zu trainieren. Hauptcharakter des Spiels ist der arbeitslose Alex, der zu Beginn versucht einen Job zu bekommen, wegen mangelnder Überzeugungskraft und seines geringen Selbstbewusstseins aber abgelehnt wird. Eine Situation mit der sich, so vermute ich, viele Analphabeten identifizieren können. Nach einem Sturz erwacht er in einer fremden mittelalterlichen Welt – und ist plötzlich sehr gefragt, da er lesen, schreiben und rechnen kann. Der Spieler muss diese Fähigkeiten in kleinen Minispielen entsprechend unter Beweis spielen. Dabei orientieren sich die Aufgaben, obwohl im Mittelalter angesiedelt, an alltäglich zu bewältigenden Aufgaben für Analphabeten. So muss er als Angestellter Rechnungen schreiben, Stoffe ausmessen und ihre Preise berechnen, Fahrkarten kaufen, Rezepttexte zum Kochen vervollständigen oder Namen der Familie eines Torwächters notieren. Das Spiel ist komplett vertont, bei der Auswahl von Dialogantworten können zum Beispiel alle Varianten vorher angehört werden.

Das Spiel wurde vom Fraunhofer IGD entwickelt. Zusätzlich unterstützten der Deutsche Volkshochschul-Verbands, das deutschen Institut für Erwachsenenbildung und der Volkshochschulverband Mecklenburg-Vorpommern die Entwicklung. Gefördert wurde das Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Unterstützung bei der Entwicklung bekam das Fraunhofer IDG von Daedalic Entertainment. Winterfest wurde schon mehrfach ausgezeichnet, zuletzt beim Serious Games Award in Hannover.

E2010 – Power to Energetika ist im Zuge der aktuellen Atomkraft-Debatte besonders relevant: Hier macht sich der Spieler in Form eines Aufbau-Strategiespiels auf die Suche nach der nachhaltigsten Energie-Lösung für das fiktive Land Energetika. Er muss sich sowohl um Forschung und Entwicklung kümmern, die Bevölkerung stets zufrieden stellen und nicht zu hohe Schulden machen. Dabei bekommt der Spieler Hilfe von Experten, die Echtwelt-Fakten rund um Energieverbrauch und –versorgung liefern. Das Spiel endet im Jahr 2050 mit einer Abrechnung: Punkte gibt es in den drei Kategorien: Soziales, Ökonomie und Ökologie. E2010 – Power to Energetika kann kostenlos direkt im Browser gespielt werden.

Das Spiel wurde von der takomat GmbH entwickelt und von Prof. Dr. Dr. h.c. Ortwin Renn und der Dialogik gGmbH in Auftrag gegeben. Mitgearbeitet haben unter anderem Wissenschaftlern und Energie-Experten der Universität Stuttgart, dem Forschungszentrum Jülich (KFA) und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Eine Liste aller nominierten Titel findet sich auf der Homepage des Deutsche Computerspielpreises. Es ist aber nicht nur spannend, welche Spiele an diesem Abend prämiert werden (ein EA-Spiel  ist ja auch in der Kategorie Browser Game nominiert), sondern auch wie sich die gesellschaftliche Debatte über den Stellenwert des Preises entwickeln wird. Im vergangenen Jahr wurde ja heftig darüber gestritten, ob die Jury von der Politik in ihrer Entscheidungsfindung unangemessen beeinflusst wurde und der Preis daher noch weit von der Bedeutung entsprechender Filmpreise entfernt wäre. Bei der Diskussion in diesem Jahr wird auch eine Rolle spielen, dass der Deutsche Computerspielpreis und die LARA-Awards zusammengelegt wurden.

Über die grundsätzliche Bedeutung des Deutschen Computerspielpreises werde ich mich mit dem Kulturstaatsminister Bernd Neumann unterhalten. Dieses Gespräch werde ich am Mittwoch online stellen.

Weitere Links zum Thema:

Web: Deutscher Computerspielpreis 2011 (deutscher-computerspielpreis.de)

Web: Winterfest – Das Lernadventure (winterfest-lernspiel.de)

Web: E2010 – Power to Energetika (energiespiel.de)

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