2014 besuchten rund 335.000 Menschen aller Altersklassen die gamescom. Für den Jugendschutz sorgt die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Quelle: gamescom
veröffentlicht von Martin Lorber am 06. Juni 2014

20 Jahre USK

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Kürzlich fanden in Berlin die Festivitäten zum 20. Jahrestag des Bestehens der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) statt. Im folgenden Artikel möchte ich einen kurzen Einblick in die Geschichte der USK, ihrer Aufgaben und ihrer Leistung für die digitale Spielkultur bieten.

Geschichte

Manch einer wird sich sicherlich über den Zeitpunkt wundern, zu dem die USK ins Leben gerufen wurde. Denn 1994 war das digitale Spiel schon relativ etabliert und die gesamte Branche schon durch Höhen und Tiefen gegangen. Trotzdem war die Öffentlichkeit, gelinde gesagt, noch skeptisch und unwissend gegenüber diesem noch jungen Medium. Kaum vorhandene Regulierung und die Angst vor der vermeintlich überhand nehmenden Gewalt in Spielen sorgte dafür, dass der Ruf der Branche zu diesem Zeitpunkt eher bescheiden war. Eines der Gründungsmitglieder der USK spricht heute davon, dass Vertreter der Branche in etwa auf einem Niveau mit Zuhältern gesehen wurden. Versuche, eine heute selbstverständliche einheitliche Alterskennzeichnung für Spiele zu etablieren scheiterten regelmäßig an unklaren Zuständigkeiten und Verwirrungen, wie das Medium Spiel einzuordnen sei.

Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) lehnte Prüfungen damals angeblich gerne mal ab oder berücksichtige bei ihren Handlungsvorschlägen nicht die Besonderheiten des Mediums. Deshalb entschied man sich 1994 zur Bildung einer Selbstkontrolleinrichtung ähnlich der FSK, um Jugendliche vor nicht altersgerechten Inhalten zu schützen. Träger der USK war damals noch der Förderverein für Jugend und Sozialarbeit e. V. und eine Prüfung durch die USK war komplett freiwillig und die vergebenen Siegel hatten eine rein aufklärende Bedeutung.

Erst 2003 wurde das Siegel gesetzlich verbindlich vorgeschrieben und muss nun prominent auf der Vorderseite der Verpackung angebracht sein, damit einem Spiel der freie Vertrieb in Deutschland gewährt wird. Hintergrund war eine Novellierung des deutschen Jugendschutzgesetzes. Diese Verschärfung des Gesetzes kann als Reaktion auf den Amoklauf 2002 in Erfurt und dessen fragwürdige Verknüpfung mit gewalthaltigen Computer- und Videospielen durch in der medialen Debatte um so genannte „Killerspiele“ verstanden werden. Um die bislang freiwillige Selbstkontrolle auf eine gesetzliche Grundlage zu stellen, werden seitdem die Urteile der Gutachter von den Ständigen Vertretern der Obersten Landesjugendbehörden verifiziert und erhalten erst dadurch ihre Gültigkeit.

Als angesehene Institution mit Expertise sowohl aus der Welt der der digitalen Spiele, als auch der Politik, konnte die USK als Mediator zwischen den Institutionen und den Spielern fungieren. Sicherlich ist es auch ihrem Einsatz zu verdanken, dass in den folgenden Jahren die Wogen einigermaßen geglättet und die Debatten versachlicht werden konnten.

Im Zuge einer fortschreitenden Professionalisierung und zur Herstellung einer größeren Transparenz, wechselte 2008 die Trägerschaft für die USK vom Förderverein für Jugend und Sozialarbeit zu den beiden Branchenverbänden BIU und GAME.

Seit Oktober 2011 ist die USK zusätzlich zum Bereich für Trägermedien auch für Online-Spiele anerkannt. Inzwischen haben sich viele große europäische Onlineplattformen der USK als Mitglied angeschlossen. Man kann sagen, dass die USK nun als einheitlicher Ansprechpartner bei allen Fragen des Jugendschutzes anzusehen ist.

Aufgaben

Sichter der USK bei der Arbeit. Quelle: USK
Sichter der USK bei der Arbeit. Quelle: USK

Bevor ein Computer- oder Videospiel in Deutschland erscheinen und gegebenenfalls auch an Minderjährige verkauft werden kann, muss es sich einer kritischen Prüfung durch die USK stellen. Diese versieht den Titel mit einer Alterskennzeichnung, die für den Handel rechtlich bindend ist. Jedes Spiel darf der Öffentlichkeit nur gemäß der Altersfreigabe zugänglich gemacht werden. Wird dagegen verstoßen, drohen hohe Bußgelder. Gleichzeitig hilft das Label Eltern bei der Entscheidung, welche Spiele ihre Kinder zuhause spielen dürfen. Schließlich sind sie die letzte Instanz im Jugendmedienschutz. Das Alterskennzeichen zeigt, welche Spiele aus Sicht des Jugendschutzes für welche Altersgruppe unbedenklich sind.

Dabei findet die Alterseinstufung natürlich nicht leichtfertig statt. Ein penibel vorbereiteter Prüfvorgang sorgt dafür, dass alle Facetten berücksichtigt werden. So genannte Sichter spielen die Spiele komplett durch, erstellen Spielstände und bereiten eine ausführliche Präsentation sowie einen neutralen Bericht vor, die einem fünfköpfigen Prüfgremium vorgelegt werden. Das Prüfgremium besteht aus vier Jugendschutzsachverständigen sowie einem Ständigen Vertreter der Obersten Landesjugendbehörde und ist somit unabhängig von der USK. Weder USK noch die Industrie stellt einen eigenen Sachverständigen. Diesen Prozess haben seit 1993 schon über 30.000 Titel durchgemacht.

Bewertung

Ein Problem des USK-Prozesses ist allerdings, dass das Verfahren insgesamt aufwändig und kompliziert ist und daher nur im Bereich der herkömmlichen Spiele auf Datenträger praktikable, aber wohl nicht mehr in der Welt der reinen Online-Spiele und Apps. Einen differenzierteren Überblick zu den Abläufen des Prüfverfahrens biete ich an anderer Stelle in diesem Blog. Der ältere Beitrag enthält auch eine schöne Übersichtsgrafik, die den Prozess illustriert und dessen Komplexität aufzeigt. Ein Lösungsansatz hierzu ist die Einführung eines Selbstklassifizierungssystems, bei dem die Publisher einen Fragebogen ausfüllen, dessen Fragen sich an den rechtlichen Rahmenbedingungen des jeweiligen Landes orientieren und dazu noch konkrete Fragen zum Spiel enthält. Ein Pilotprojekt der USK hat gezeigt, dass sich der überwiegende Anteil der Spiele über einen eigenen Kriterienkatalog korrekt einstufen lässt. In vielen Ländern wird solch ein System bereits erfolgreich angewendet. Auch die Pan European Game Information (PEGI) nutzt die Vorteile der Selbstklassifizierung.

Ausblick

Das Modell USK demonstriert überzeugend, wie vernünftige Selbstregulierung funktioniert. Ihre Arbeit bietet dort Orientierung, wo es im Sinne eines gesicherten Jugendmedienschutzes notwendig ist. In Vergangenheit, Gegenwart und sicherlich auch Zukunft war, ist und wird die USK ein glaubwürdiger und unabhängiger Ansprechpartner für die Politik sein.

Nichtsdestotrotz steht auch die USK vor der Herausforderung, sich auf stets verändernde Umstände einzustellen und den Jugendmedienschutz zukunftssicher aufzustellen. Die traditionellen Mechanismen des Jugendschutzes greifen in der Online-Spielewelt vielfach nicht mehr: Ein nicht haltbarer Zustand in 2014. Hierbei braucht die USK politische Unterstützung und einen mutigen Schritt nach vorne, was bei der Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) berücksichtigt werden sollte. Ein zukunftsfähiges System sollte auch alle Weichen für eine internationale Zusammenarbeit und Vergleichbarkeit der Kriterien stellen. Die USK hat sich hierzu mit Jugendschutzeinrichtungen in den USA, Europa und Deutschland zur International Age Rating Coalition (IARC) zusammengeschlossen.

Man kann nur hoffen, dass die gute Arbeit in Zukunft erfolgreich fortgesetzt werden kann. Hier sollten alle Beteiligten ihr Augenmerk drauf legen und wenn möglich Hand in Hand auf dieses Ziel hinarbeiten.

Übrigens: Wer schon immer mal wissen wollte welche Köpfe hinter den Alterskennzeichnungen auf den Verpackungen von Spielen in Deutschland stecken, kann sich am 13.06.2014 in Berlin ein Bild davon machen. Die USK öffnet ihre Pforten und veranstaltet einen Tag der offenen Tür. Sicherlich eine interessante Veranstaltung.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Jugendmedienschutzes: Ein Interview mit Felix Falk, Geschäftsführer der USK

Blog: Gastbeitrag Dr. Murad Erdemir: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ – Kunstvorbehalt und Altersfreigabe durch die USK

Blog: USK nimmt Kunstaspekt von Spielen in ihre offiziellen Leitlinien auf

Blog: Neuer USK-Bericht zur Klassifizierung von Spielen

Blog: Inhaltsklassifizierung aus europäischer Sicht

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