Weil das Thema Computerspielsucht immer wieder aufkommt, hier erneut ein paar Thesen zum Thema.
veröffentlicht von Martin Lorber am 11. November 2010

1378(km): Ein Serious Game aus Deutschland

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Das nach seiner Ankündigung stark diskutierte Computerspiel 1378(km) feiert am 10. Dezember  seine ursprünglich für Oktober geplante Premiere. Der Titel wird von seinem Erfinder Jens M. Stober als 3D-Simulation beschrieben, die eine interaktive Zeitreise zur innerdeutschen Grenze des Jahres 1976 ermöglicht. Der Spieler kann einen DDR-Grenzsoldaten oder einen Republikflüchtling steuern. Als Grenzsoldat lässt sich das Spiel offenbar nur gewinnen, wenn man nicht schießt.

Um die heiße Diskussion um das Spiel zu versachlichen, wurde die Premiere des Titels um zwei Monate verschoben. Medien und Opferverbände kritisieren das Spiel bereits vor seiner Veröffentlichung stark, wie Zeit Online und Stern.de berichteten. 1378(km) wird nun an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG) der Öffentlichkeit erstmalig vorgestellt – eine Podiumsdiskussion begleitet die Veranstaltung.

1378(km) ist für mich laut Definition ein Vertreter der immer wichtiger werdenden Spielsparte der Serious Games, mit denen sich im März in Hannover auch die Serious Games Conference beschäftigt. Die Diskussion über solche Titel ist ein wichtiger Schritt. Ich habe 1378(km) zwar noch nicht persönlich gespielt und möchte mir aus diesem Grund zu diesem Zeitpunkt noch kein Urteil erlauben. Generell begrüße ich jedoch jeden Versuch, Geschichte erlebbarer zu machen und denke, dass Spiele dort eine wichtige Rolle einnehmen können. Im Gegensatz zu anderen Medien erlauben sie einen hohen Grad an Interaktion. Dadurch können Effekte wie Gruppendynamiken, Angst oder Machtgefühl erlebbarer gemacht werden und zur Aufklärung beitragen.

Deutschland hat eine sehr intensive Vergangenheit aufzuarbeiten. Ein immer größerer Teil der Bevölkerung ist zu jung, um sich an die Zweiteilung unseres Landes oder an den zweiten Weltkrieg zu erinnern. Gerade in der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit wird Geschehenes teilweise beschönigt und heruntergespielt. Spiele wie 1378(km) tragen in meinen Augen dazu bei, dass Menschen sich auch stärker mit den menschenverachtenden Aspekten des Lebens in der früheren DDR beschäftigen. Wie bewerten Sie diese mögliche Intention des Spiels?

Weitere Links zum Thema:

Web: Grenzflucht ist kein Spiel (zeit.de)

Web: Ballerspiel mit Mauerschützen (stern.de)

Web: Homepage von 1378(km) (1378km.de)

Web: Serious Games Conference in Hannover (nordmedia.de)

Web: Artikel über Ostalgie (wikipedia.de)

Kommentare
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