veröffentlicht von Martin Lorber am 02. Februar 2015

#sosehengameraus

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Heutzutage ist es mit dem öffentlichen Bild von Computer- und Videospielern bei weitem nicht mehr so schlecht bestellt, wie vor einigen Jahren. Einen Beitrag wie ihn damals RTL zur gamescom gewagt hatte (war damals schon unsäglich) würde heutzutage ja kein Programmverantwortlicher mehr durchwinken. Trotzdem scheint es immer noch bestimmte Klischees zu geben, die in einigen Kreisen digitalen Spielen und vor allem deren Spielern zugeschrieben werden.

Dem wollte Game-Design-Professorin Linda Breitlauch auf Twitter und Facebook entgegentreten. Unter dem Hashtag #SoSehenGamerAus forderte sie Spieler und Spielerinnen in ganz Deutschland auf, Bilder von sich unter diesem Hashtag zu posten. Ziel der Aktion: Die Vielfalt zu zeigen, welche heutzutage in der Spielergemeinschaft vorherrscht. Gleichzeitig hofft Breitlauch darauf aufmerksam zu machen, dass Spiele leider immer noch nicht anderen Medien gleichgesetzt werden. Denn sobald sie sich außerhalb der „Blase“ der Spielergemeinschaft bewegt, erfährt sie nach eigener Aussage immer noch viele Vorurteile.

Die Aktion ist inzwischen sehr gut angenommen worden und viele prominente und weniger prominente Gesichter haben daran teilgenommen. Allerdings gab es dazu nicht nur positive Reaktionen. Einige Stimmen wurden zu Beginn der Aktion laut, dass dieser Hashtag nun unprovoziert und ohne konkreten Anlass dem (an sich nicht mehr existierenden) Klischee Vorschub leistet und es wieder auf die Agenda der Öffentlichkeit setzt. Außerdem wird kritisiert, dass der Begriff „Gamer“, u.a. dank der „Gamergate“-Problematik, verbrannt ist und als Begriff eher der Abgrenzung dient und somit nicht mehr zeitgemäß ist und der Realität entspricht. Die ganze Aktion erinnere zudem unangenehm an Slacktivism, bei dem vermeintlich Einsatz zu einem gesellschaftspolitischen Thema gezeigt ohne das tatsächlich etwas geleistet wird, das dem hehren Ansinnen in der Realität weiterhilft.

Ich persönlich finde die Idee von Linda Breitlauch gut und interessant. Sicherlich kann man darüber diskutieren, ja sogar streiten, dass es nicht der richtige Weg ist, um die richtigen Leute zu erreichen. Allerdings sollte man hier vor allem sehen, dass es der Öffentlichkeit und auch der (so nenne ich Sie einfach mal) „Community“ einen schönen Anlass gab über das Medium und seine Rezipienten zu diskutieren. Ganz im Gegensatz zu den oftmals eher schlechten Anlässen, die in der Vergangenheit meist herangezogen wurden. Die Verwendung des Begriffes Gamer sehe ich eher unproblematisch und würde sogar behaupten, dass man diesen trotz oder gerade wegen der Diskussion im letzten Jahr nicht den Chaoten überlassen darf.

Insgesamt kann man sich bei Linda Breitlauch für diese Aktion bedanken. Wer sich dafür interessiert, sollte sich die Diskussion zwischen ihr und Marcus Dittmar (eine oben erwähnte kritische Stimme) im InsertMoin Podcast einmal anhören. Beide Parteien haben nachvollziehbare Argumente und gehen das Thema unaufgeregt und wenig plakativ an. Wenn doch nur alle Diskussionen so ablaufen würden. :-)

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