veröffentlicht von Martin Lorber am 10. Oktober 2014

Neues crossmediales Angebot von ARD und ZDF geplant – Eine Chance für die digitale Spielkultur

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Das Mediennutzungsverhalten bei Jugendlichen hat sich schon lange von den altbekannten Strukturen gelöst. Feste Zeiten oder die strikte Trennung zwischen den einzelnen Medien, wie TV, Radio und Online, sind passé. Der Medienkonsum ist zunehmend non-linear, das heißt, immer weniger an feste Programmschemata und Uhrzeiten gebunden. Zuschauer wollen Inhalte dann konsumieren, wenn sie es möchten – gerne auch parallel und alles auf einmal.

Diesem Trend entsprechend ist ein neues öffentlich-rechtliches Angebot in Planung, das sich an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 29 Jahren richtet. Crossmedial auf Smartphone, Tablet und PC, im klassischen TV abrufbar und eng mit den jungen Radiosendern wie 1Live verknüpft. Inhalte sollen einerseits über eine online Plattform 24 Stunden am Tag immer und überall abrufbar und andererseits auf einem regulären TV-Kanal in eine feste Programmstruktur eingebunden sein. Somit wird allen Nutzertypen ein interessantes Angebot gemacht und eine Brücke zwischen dem KIKA und dem „regulären“ Programm der Öffentlich-Rechtlichen geschlagen.

Die Schaffung solch eines Programms würde auch viele Vorteile für die die digitale Spielkultur in Deutschland haben. Als wichtiger Teil der (Jugend)Kultur sollten und werden sicherlich auch digitale Spiele einen nicht unerheblichen Anteil am Programm einnehmen. Hier wird dem Thema „Games“ ein Raum geboten, in dem sich junge (natürlich auch ältere) Redakteure, die sich tatsächlich in dem Medium auskennen mit dem Thema befassen. Eine vorurteilsfreie Berichterstattung ohne Stigmatisierung und eine sachliche Diskussion über Gaming und Gamer wäre das Ergebnis.

Das öffentlich-rechtliche Angebot kann damit Verständnis zwischen Generationen bzw. Gamern und Nicht-Gamern befördern und somit noch einmal einen weiteren positiven Schub in der öffentlichen Anerkennung des Mediums bedeuten. Hier könnten viele Themen einen schönen Platz in einem hochwertigen Umfeld bekommen, die in meinen Augen schon länger deutlich öfter behandelt werden müssten. Sei es die aufwendige kollektive Kreativleistung aller Beteiligten bei der Entstehung eines Computerspiels, die Berichterstattung über innovative Einsatzmöglichkeiten von digitalen Spielen in der Bildung oder aber die die Würdigung der erbrachten Leistungen im eSport.

Wir dürfen gespannt sein ob der öffentlich-rechtliche Bildungsauftrag mit TV speziell für die Jugend einhergehen kann. Ich denke aber, dass dies ganz gut klappen wird. Die beliebten Radiosender wie 1Live oder TV-Sender wie ZDFneo schaffen es schon lange Anspruch und Unterhaltung zu verbinden. Reload oder das leider inzwischen abgesetzte Pixelmacher sind hier hervorragende Beispiele wie das Medium digitales Spiel behandelt werden kann und sollte. Intelligent, lustig und gut. Hier bietet sich eine gute Gelegenheit, über ein Kulturgut, welches in dieser Altersstufe höchste Akzeptanz hat, bei der jungen Generation ein Kulturverständnis zu erzeugen, das dieser oftmals abgesprochen wird.

Die Genehmigung durch die Ministerpräsidentenkonferenz zu diesem neuen Format steht jedoch noch auf der Kippe, da sich einige wenige Entscheidungsträger (Ministerpräsidenten) scheinbar sträuben ihre Zustimmung zu geben. Ich hoffe allerdings, dass dieses Konzept, welches sich durchaus schlüssig und interessant anhört nicht an der Skepsis einiger weniger scheitert. Auf der Ministerpräsidentenkonferenz am 16./17. Oktober soll darüber entschieden werden. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis…

Update am 17.10.2014:

ARD und ZDF dürfen ihre Pläne für einen eigenständigen Jugendkanal verwirklichen. Leider nur in deutlich abgespeckter Variante: beschränkt nur auf den Onlinekanal. Schade! Das trimediale Angebot aus TV-Kanal, Radio und Online klang spannend und gut durchdacht. Der Rückschlag soll die Initiatoren aber natürlich nicht daran hindern, die digitale Spielkultur im Rahmen ihres Angebots ausführlich zu thematisieren.

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