veröffentlicht von Martin Lorber am 09. September 2010

Medal of Honor in den Medien

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Wie alle Medien greifen auch Computer- und Videospiele immer wieder Themen der realen Welt auf. Dazu gehören auch die unschönen Aspekte unseres Alltags, beispielsweise Aggression, Gewalt und Krieg. Mit diesem Bereich befasst sich auch der kommende Teil der Medal-of-Honor-Reihe, der am 14. Oktober erscheint.

Heute möchte ich Ihnen einen Überblick über die aktuelle Presseberichterstattung zu diesem Spiel geben. Denn die virtuelle Schlacht in Afghanistan sorgt bereits im Vorfeld für kritische Schlagzeilen, können Spieler im Multiplayer-Modus doch auch aufseiten der Taliban kämpfen. Im Mittelpunkt der sich daraus ergebenden Debatte steht immer wieder die Frage, wie sie beispielsweise Florian Flade in seinem Artikel auf Welt Online stellt:

„[…] Dürfen Computerspiele-Fans aktuelle Kriege nachspielen, gar auf Seiten des Feindes?Anzeige

Gerade aus Richtung der Politik und des Militärs kommen kritische Antworten. Welt Online zitiert den britischen Verteidigungsminister Liam Fox:

„Es ist schockierend, dass jemand denken könnte, es sei akzeptabel, Handlungen der Taliban nachzumachen“

Auch der Focus greift das Thema und die Reaktion von Bundeswehrverbandssprecher Wilfried Stolze in seiner Ausgabe Nr. 34, 2010 sowie online auf.

Einen weiteren, nicht weniger interessanten Aspekt in der Diskussion möchte ich Ihnen aber auch nicht vorenthalten. Denn an anderer Stelle hinterfragt die Zeit wiederum genau diese Reaktionen von Politik und Militär in ihrer Intensität:

„[…] Allerdings kann man sich fragen, ob Bundeswehr und Verteidigungsminister mit ihren Einmischungen nicht übers Ziel hinaus schießen. Vergleichbare Kommentare der Bundeswehr zu Kinofilmen sind schwer vorstellbar. Dass man die Gegenseite nicht nur zeigt wie in einem rein narrativen Medium, sondern sie auch aktiv spielen kann, mag ein Unterschied sein. Er reicht aber nicht aus, um daraus Zensurwünsche abzuleiten.“

In dem Artikel wird geschlussfolgert, dass Computerspiele und die darin transportierten Inhalte selten so ernst wie angenommen empfunden werden, vor allem nicht von den Spielern selbst. Diese wollen nur spielen – und wissen dabei stets, dass sie sich nur in einem Computerprogramm befinden:

„[…] Es lässt sich zumindest festhalten: So ernst wird ein Computerspiel eher selten genommen. Übrigens. Und das ist womöglich das größte Missverständnis der Kritiker. Bei Kriegsspielen stehen die Plots komplett im Hintergrund. Es geht um ein gutes Gameplay, der Rest ist schmückendes Beiwerk. Wer sich für die Seite der Taliban entscheidet, gibt damit noch lange kein politisches Statement ab. Er will einfach nur spielen.“

Auch auf internationalen Presseseiten bin ich fündig geworden. Die New York Times beispielsweise greift die politische Diskussion und Reaktion ebenso auf wie der englische Guardian.

Dabei gehen die Briten noch einen Schritt weiter und beleuchten auf ironische Art und Weise die neuesten Äußerungen ihres Verteidigungsministers:

„If Liam Fox can rant over a videogame it’s no wonder we’re losing the war – Forget the desire to flog burglars – this week the defence secretary surpassed even his own high standards of idiocy…”

Links zum Thema:

Web: „Als Taliban kann der Spieler Nato-Soldaten töten“ (welt.de)

Web: „Schluss mit einfachen Feindbildern“ (zeit.de)

Web: „Die Freizeit-Taliban“ (focus.de)

Web: „Whose Side Are You On? It Might Be the Taliban’s“ (nytimes.com)

Web: “If Liam Fox can rant over a videogame[…]” (guardian.co.uk)

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