veröffentlicht von Martin Lorber am 06. Juni 2015

Lets’s Plays und Computerspiele: Spaß ohne Spielen

Teilen auf:

Computerspiele faszinieren. Einmal selbst in die Haut großer Helden schlüpfen und durch eigene Aktionen die Handlung spannender Geschichten vorantreiben. Diese Interaktivität macht Computerspiele aus. So ist es schon ein wenig verwunderlich, dass sich in den letzten Jahren eine Entwicklung ergab, Spiele passiv zu konsumieren – Zuschauen statt spielen sozusagen. Let‘s Plays und ihre Stars begeistern Millionen und sind aus der Gamesbranche nicht mehr wegzudenken. Mit der Online-Plattform Twitch, die Computerspiele quasi als Live-Event erlebbar macht, klopft schon die Erweiterung dieses Trends an die Tür.

Computerspiele als kollektives Erlebnis

Computer- und Videospiele besaßen schon immer eine starke soziale Komponente. Gemeinsam mit Freunden spannende Geschichten zu erleben verstärkt das Spielerlebnis noch einmal. Zu den Erfahrungen einer ganzen Generation von Spielern gehört die Erinnerung, mit dem besten Freund vor dem PC oder der Konsole zu sitzen und zum Beispiel  an den Rätseln von Monkey Island und Co. zu knobeln – so lange bis die Eltern ins Zimmer kamen und einen wahlweise ins Bett oder an die frische Luft scheuchten.

Mit der Zeit erweiterten sich die Möglichkeiten, Spiele sozial und mit anderen Spielern zu erleben. Fortschritte in der Technik und der Verbreitung des Internets erleichterten das Zusammenspiel. Auf LAN-Partys und via Internet konnte nun eine große Zahl von Spielern gleichzeitig miteinander spielen. Zeiten, wo man dem anderen beim Spielen zuschauen muss sind eigentlich vorbei. Multiplayer Modi gehören heutzutage bei Computerspielen zum Standard. Um das gemeinsame Spielen bildeten sich im E-Sport weltweit sportliche Wettkämpfe heraus.

Neue Stars in der Welt der Computerspiele

Trotzdem fasziniert die „ursprüngliche“ Form des Gemeinsamen so stark wie nie. Let‘s Play Videos erfreuen sich einer immensen Beliebtheit. Dabei zeigen die Videos im Grunde nur eine oder mehrere Personen beim Spielen eines Computerspiels. Eine spannende, lustige oder informative Kommentierung des Geschehens machen die Videos jedoch besonders. Es wird sich über Bugs und Fehler in der Story lustig gemacht oder über die Grafikpracht ausgelassen. Ganz so wie man es selbst früher mit dem Freund oder der Freundin tat.

Viele der Kommentatoren entwickelten sich zu regelrechten Stars mit großen Fangemeinden. Einer der bekanntesten Let’s Player ist sicherlich PietSmiet. Im bürgerlichen Leben Peter Smits. PietSmiets YouTube-Kanal hat fast zwei Millionen Abonnenten und über 1.168.000.000 Aufrufe. Vom Seilbahn Simulator bis hin zu Blockbustern wie Battlefield 4 ist die ganze Bandbreite an Spielen vertreten. Der große Erfolg erlaubt es ihm und seinen fünf Mitstreitern ihr Hobby zum Beruf zu machen.

Urheberrechtsverletzung durch Let‘s Plays?

Da Let‘s Player für ihre Videos Material aus Computerspielen nutzen, kommt gelegentlich die Frage nach dem Urheberrecht auf. Verletzt die Verwendung von Spielszenen das Urheberrecht? Die Antwort: Jein! Eine konkrete Rechtsprechung gibt es zu Let’s Plays noch nicht. Strenggenommen bedarf es der Zustimmung der Urheber oder Publisher, bevor Szenen aus dem Spiel Verwendung finden. Praktisch beschweren sich viele Rechteinhaber nicht, weil es für sie eine schöne Werbung ist. Entwickler bekommen durch Let’s Plays unmittelbares Feedback zu ihren Spielen.

Wir bei Electronic Arts haben uns zum Beispiel für eine, wie wir glauben, praktikable Lösung ganz im Sinne der Let‘s Player entschieden. Wir bieten für Let’s Player ein Onlineformular für „Duldungserklärungen“ an. In diesen erklären wir, dass wir grundsätzlich keine Einwände gegen die Verbreitung von Videomaterial von unseren Spielen haben. Let’s Player müssen sie einfach ausfüllen und sind damit auf der sicheren Seite.

Let’s Plays entsprechen dem jungen Mediennutzungsverhalten

Als Vater zweier Kinder sehe ich es jeden Tag. Das Mediennutzungsverhalten der Jugend unterscheidet sich inzwischen sehr stark von alten Mustern. YouTube spielt eine große Rolle. Es ersetzt klassische lineare TV-Aufzeichnungen. Twitch bietet eine Alternative zum Live Programm im TV. Was aber macht die Faszination von Lets‘ Play Formaten aus? Die Akteure wirken authentisch und lassen ihre Zuschauer ganz nah an sich heran. Wenn auch nur im Video. Das Phänomen der parasozialen Beziehung, wird hier sicherlich ebenfalls mit rein spielen.

Die Let´s-Play-Szene zeigt, dass das Medium Computer- und Videospiel auch abseits des eigenen Spielens unterhalten kann. Mit der richtigen Kommentierung von den richtigen Kommentatoren macht es sogar Spaß anderen beim Spielen zuzuschauen. Passive Rezeption, statt aktive Nutzung. Es ist spannend zu sehen, wie sehr Computerspiele auf andere Unterhaltungsformen abstrahlen. Let´s-Play-Videos nehmen den Spielen ihr einzigartiges Attribut der Interaktivität und schaffen es trotzdem zu unterhalten.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *