veröffentlicht von Martin Lorber am 09. September 2011

Fairplay im eSports

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Genau wie im realen Leben ist es auch im elektronischen Sport unabdingbar sich mit dem Thema Fairness zu befassen. Denn ohne Regeln, Strafen und einer Kontrollinstanz würde keine Sportart der Welt problemlos über die Bühne gehen. Nur weil die Wettkämpfe im eSport in der digitalen Welt ausgetragen werden, kann man hier nicht auf diese Strukturen verzichten. Genau wie in jeder Sportart muss auch hier kontrolliert werden, dass sich die Akteure keinen unerlaubten Vorteil verschaffen und sich an die Vorgaben halten, die durch die jeweilige Software und die Veranstalter definiert werden. Wir sehen, dass sich die Grundidee von digitalen Wettkämpfen nicht von denen einer anderen Sportart unterscheidet. Dies gilt in allen Bereichen.

Quelle: ESL - Electronic Sports League
Quelle: ESL – Electronic Sports League

Cheaten – das Doping für eSportler
Jeder der sich für Sport interessiert, wird auch schon mal etwas zum Thema Doping gehört haben. Hier wird versucht mit den unterschiedlichsten Methoden die eigene Leistungsfähigkeit auf unnatürliche Art und Weise zu steigern. Beispiele dafür gibt es unter anderem aus der Welt der Leichtathletik, des Radrennsports oder auch bei Kraftsportarten. Nicht anders verhält es sich im Bereich des elektronischen Sports. Hier versuchen Spieler ihre Leistungsfähigkeit mit Hilfe von technischen Hilfsmitteln, sogenannten Cheats, zu steigern. Je nach Disziplin gibt es dabei unterschiedliche Methoden, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Im Bereich der Shooter zum Beispiel sind vor allem Hilfsmittel beliebt, die den Spieler schneller und präziser machen. Trifft man im privaten Bereich auf einem Server einen Cheater, ist dies ärgerlich aber nicht weiter tragisch, da man entweder den Falschspieler vom Server entfernen oder sich einfach einen neuen Server suchen kann.

Sponsoring, Marketing und Preisgelder
Im professionellen Bereich sieht dies aber ganz anders aus. Hier geht es nicht nur um hohe Preisgelder, sondern auch um wirtschaftliche Interessen der Unternehmen die in diesem Bereich tätig sind. Schließlich lassen sich Produkte in Verbindung mit einem erfolgreichen Spieler oder Team besser verkaufen und steigern in der wichtigen Zielgruppe den Bekanntheitsgrad der Firma. Zudem finanzieren sich viele Pro-Gamer ihren Lebensunterhalt mit eSport und je erfolgreicher man wird, umso eher hat man die Chance von einem großen Unternehmen gesponsert zu werden. Da ist es nicht weiter verwunderlich, wenn Spieler sich ab und an mit dem Gedanken beschäftigen, nicht immer fair zu spielen. Jedoch sollte man sich auch die drastischen Folgen vor Augen halten, wenn man diesen Weg einschlägt.

Strafmaß und die Konsequenzen
Wird man in offiziellen Wettkämpfen als Cheater erwischt, muss man mit erheblichen Sanktionen rechnen. Spieler können auf schwarze Listen gesetzt und von Turnieren ausgeschlossen werden. Auch eine Bestrafung des gesamten Teams ist möglich. Die ESL (Electronic Sports League) verhängt überführte Spieler mit einer zweijährigen Sperre, was im eSport einem Karriereende gleichkommt. Sicherlich werden nach so einem Vorfall auch die Sponsoren und die beteiligten Unternehmen ihre Konsequenzen ziehen. Zudem ist man in der Szene als Cheater gebrandmarkt und wird es in Zukunft schwer haben, als Pro-Gamer wieder Fuß zu fassen.

Fairness vs. Geld
Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass sobald Geld mit im Spiel ist, die Fairness öfters auf der Strecke bleibt. Sicherlich spielt dies eine nicht minder wichtige Rolle aber wie bereits erwähnt, trifft man auch im nicht-professionellen Bereich immer wieder auf Spieler die verbotene Hilfsmittel einsetzen. Hier spielt der Faktor Geld zwar keine Rolle aber das eigene Ego. Der Unmut darüber, dass andere Spieler einfach besser sind, treibt viele dazu auf die Fairness zu verzichten und sich auf diesem Wege Anerkennung zu verschaffen. Zwar wird als Grund immer wieder angeführt, dass man nur deshalb cheatet, weil der Gegner unfair spielt aber selbst wenn diese Behauptung zutreffen sollte, spiegelt es nur die eigenen Schwächen wider, die man nicht akzeptieren möchte. Letztlich zwingt einen niemand unfair zu spielen und somit liegt die Verantwortung immer bei einem selbst.

Kontrollen und die Zukunft des Fairplay
Um auf Turnieren einen gerechten Wettkampf zu gewährleisten setzen die Veranstalter entsprechende Software ein, die den Einsatz von technischen Hilfsmitteln verhindern soll. Sicher wird man auch in Zukunft an Programmen, wie ESL Wire Anti-Cheat nicht umher kommen, die diese Kontrollen durchführen aber man wird auch jede Menge Aufklärungsarbeit betreiben müssen, um Fairness im eSport auch weiterhin zu gewährleisten.

Weitere Links zum Thema:

Web: ESL (Electronic Sports League)
Web: WCG (World Cyber Games)
Web: ESB (Deutscher eSport Bund)
Web: Lesenswert #3

Kommentare
  1. Hendrik sagt:

    Sehr geehrter Herr Lorber,

    ich finde es lobenswert, dass Sie das bisher wenig beachtete Thema des eDopings in den Fokus rücken. Seit der Entwicklung des eSports zu einem ernstzunehmenden Unterfangen mit allerlei divergierenden und damit: konfligierenden Interessen (wirtschaftlicher wie auch anderer Art), ist es notwendig geworden, auch hier normative Maßstäbe zu etablieren – was freilich einer vorherigen Diskussion bedarf.
    Dabei ist es von Nutzen, zwei Begriffe von einander zu trennen, um klar zu machen, worum es geht: Fairness und Gerechtigkeit. Sie sprechen von „Fairplay“ als die Größe im (e)Sport und haben Recht: Fairness bedeutet ja nichts anderes, als sich an die Regeln (des Spiels) zu halten und diese als Maßstäbe zu achten. Gerechtigkeit hingegen zielt eher auf die Konzeption dieser Regeln ab, sodass Fairness bisweilen ungerecht sein kann – wenn denn die Regeln ungerecht sind.
    Über die Regeln selbst ist nicht zu diskutieren, die sind von Spiel zu spiel unterschiedlich, sicherlich gibts sogar Spieltypen, die Cheaten erlauben (gemäß dem Motto: Möge derjenige siegen, der am klügsten das Spiel manipulieren kann), aber um diese geht es nicht. Es geht um die Spiele, die klare, gleichmachende Vorgaben haben. Sie weisen zurecht darauf hin, dass Cheaterei mit zunehmender Bedeutung des Sports immer verlockender wird und es eines Strafkatalogs bedarf, um diesen Herr zu werden.
    Allerdings lassen Sie außer Acht, dass es auch nicht-software bezogene ‚Cheat’möglichkeiten gibt, wie zum Beispiel sog. human enhancement. Diese werden bereits in akademischen Kreisen als „Hirndoping“ missbraucht und verstoßen zugleich gegen das Gebot der Gleichheit. Da eSport in erster Linie Hirnsport ist und auf die Konzentrations- und Reflexfähigkeit der Teilnehmer abzielt, ist auch diese Art des Cheatens eine relevant Größe in der „Moral des eSports“.

    Ich möchte Sie ermuntern, intensiver mit diesem Thema zu arbeiten, nachdem Sie nun auf dieses durchaus wichtige Thema aufmerksam gemacht haben. Am Ende könnte ein Strafkatalog stehen, der nach Abwägungen von Betrugsgraden das Strafmaß bemessen lässt o.ä.
    Ich freue mich auf alles weitere.

    H.Kempt

    1. Ibrahim sagt:

      Hallo Herr Kempt,

      Ihr Kommentar liest sich sehr erhellend, Ihre Ausführungen zum nicht-software basierten Cheaten (Hirndoping, Enhancement) nehme ich als Vertreter einer bedeutenden eSport-Liga (ESL) mit großem Interesse wahr. Wir haben in unseren Regelwerken den Gebrauch von Drogen und Substanzen zur „unnatürlichen“ Leistungssteigerung untersagt.
      Der Aspekt des Hirndopings umfasst aber eine globalere moralische Dimension und ist gesamtgesellschaftlich zu bewerten, das betrifft nicht nur den klassischen und elektronischen Sport, sondern alle Teilbereiche, in denen Menschen konkurrieren, sei es in der Schule, Universität, am Arbeitsplatz oder in der Politik.
      Da eröffnen sich viele Probleme mit dem Cheaten jenseits der Software, Fragen nach Gerechtigkeit und Chancengleichheit stellen sich.
      Glücklicherweise ist das Erfolgsgeheimnis erfolgreicher Sportler und Teams (auch im eSport) neben der individuellen Spitzenleistung das Vermögen, sich im Team einzuordnen und in der Kooperation mit anderen Menschen herausragende Leistungen zu vollbringen.
      Unabhängig davon werden wir solche Entwicklungen weiter beobachten und unser Regelwerk entsprechend anpassen.

      Viele Grüße
      Ibrahim Mazari

  2. Martin sagt:

    Hallo,

    danke für Ihren sehr ausführlichen Kommentar zu diesem Thema. Interessant fand ich in diesem Zusammenhang Ihren Hinweis auf das sogenannte Hirndoping. Sicherlich kann man diese Art der Leistungssteigerung ebenfalls als Cheat-Möglichkeit ansehen, wobei die Nutzung von Medikamenten für diesen Zweck sehr kritisch gesehen werden muss. Hier spielen nicht nur moralische, sondern in erster Linie auch gesundheitliche und ethische Gesichtspunkte eine Rolle. Gerade vor diesem Hintergrund muss auch im digitalen Sport weiterhin sehr viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Martin Lorber

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