veröffentlicht von Martin Lorber am 06. Juni 2014

eSport an Unis!

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Der eSport hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Es gibt organisierte Institutionen und Verbände wie die International eSport Federation und Spieler aus der ganzen Welt  messen ihre Fähigkeiten in Turnieren mit durchaus ansehnlichen Preisgeldern. In Ländern wie Südkorea haben bereits ein Fünftel der Menschen in irgendeiner Weise mit dem eSport zu tun und auch in Deutschland und dem Rest der Welt sind die Zahlen steigend.

Während das Spektakel in Deutschland meist lediglich über das Internet verfolgt werden kann, gehören Videospiele und E-Sports-Turniere zum gängigen Nachrichtenthema in TV und Zeitungen. Digitale Spielkultur hat sich in Korea professionalisiert und wird als eine ernstzunehmende Sportart wahrgenommen.

Aktuell scheint sich auch in den USA eine weitere Entwicklung hin zu einer größeren Akzeptanz von eSport als anerkannte Sportart abzuzeichnen. Die Robert Morris University hat nun ein Campusteam für das Spiel League of Legends gegründet und bietet interessierten Spielern deutliche Ermäßigungen bei den Studiengebühren und den Kosten für Verpflegung und Unterkunft. Bei Sportarten wie Basketball oder Football ist diese Praxis schon lange gang und gäbe Die jeweiligen Ligen haben fast den gleichen Stellenwert wie die NBA oder die NFL. Ein eSport-College-Team ist jedoch neu.

Nun kann man sich sicherlich trefflich über den Sinn und Unsinn solch eines Projektes streiten. Aber egal ob es ein Marketing-Gag oder das ernsthafte Bestreben ist, den eSport weiter zu etablieren, verfolgen sollte man die Entwicklung allemal.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Der virtuelle Sportplatz – Korea: Partnerland der Gamescom

Kommentare
  1. Jörg Müller-Lietzkow sagt:

    Lieber Martin, liebe Leser,

    Ambivalenz, dass ist das Gefühl, welches mich beschleicht. Obschon ich schon 2006 eSport zum Sport erklärt habe, tendiere ich dazu dieses Modell des „Sparens“ von Studiengebühren mit äußerster Skepsis zu beobachten. Gleich mehrere Faktoren stellen den Sinn in Frage. Erstens: Wenn die „Studierenden“ im eSport erfolgreich sein wollen, wissen wir, welche erheblichen Zeitressourcen dies in Anspruch nimmt. Dies gilt zwar auch für andere Sportarten, aber dies lässt sich nach meiner Kenntnis einfacher in den Alltag integrieren und vor allem die Differenz zwischen physischer Leistung und eSport ist nicht zu verachten. Dennoch kann man hier noch einen gewissen Sinn drin sehen. Schwieriger, weit schwieriger wird die Lage, schaut man auf die Frage der Wahl eines Spiels. Ich sehe noch nicht, dass sich dies ähnlich etablierter Sportarten einfach auf eSport übertragen wird, dass wir kontinuierlich ein Spiel haben werden. Drittens: Wer ist Nutznießer der Leistung? Mir ist nicht klar, in welche Richtung die Hochschulen in den USA zielen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass diese rein altruistisch handeln, sprich die Preis- und Werbegelder fließen im Zweifel zurück an die US-Hochschule. Dann wird es aber zum Nullsummenspiel. Viertens: Man stelle sich die Frage, ob das Bundesinnenministerium in der Sportförderkompanie eSportler aufnehmen würde? Daran glaube ich in den nächsten 10 Jahren ernstlich nicht, denn allein die Anerkennung als „Sport“ bleibt ja durch das zuständige Ministerium verweigert. Sechstens: Wer bildet wen wie wann wo mit welchen Methoden aus? Diese Frage ist eine subsummierende, die aber das Dilemma offenlegt. Haben wir schon vor 8 Jahren konstatiert, dass es an strukturiertem Training, Ausbildung von Trainern und Strukturen fehlt, wurde der Missstand bis heute kaum abgebaut. Auch wenn ich die US-eSportszene nicht gut kenne, gehe ich davon aus, dass auch dort kaum Strukturen vorherrschen geschweige denn die Hochschulen in die Schaffung dieser ernstlich investieren. Folge davon ist weiterhin Wildwuchs. Ich hielt und halte dies für mittelfristig wenig zielführend. Quintessenz einer Liste, die ich durchaus verlängern könnte: So sehr ich mir vor einigen Jahren vorstellen konnte, dass der eSport als Sport in Deutschland anerkannt wird und man hier geeignete Strukturen schafft, so wenig sehe ich die Weiterentwicklung. Das Signal aus den USA ist daher für mich eher als ein bedenkliches Zeichen denn als Weckruf zu verstehen. Jenseits der kulturellen Differenzen fehlt mir einfach Substanz und Nachhaltigkeit im eSport bis heute. Damit stelle ich keineswegs die Leistungen der nationalen Anbieter von eSport in Frage, im Gegenteil ich habe Respekt vor deren Leistung, aber mir fehlt bis heute ein Ordnungsrahmen. Und eine Schlussfrage erlaube ich mir dann schon: Was ist eigentlich, wenn diese „Studierenden“ scheitern? Die „Downside of the Deal“ kennen wir ja leider nicht, aber es wäre interessant zu sehen, was passiert, wenn die US-Hochschule ihren Startplatz bei League of Legende verliert.

    1. Lieber Jörg,

      erst einmal vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar. Da hatte ich wohl recht mit der Aussage, dass sich trefflich über diese Entwicklung streiten lässt. :-) Du schreibst, dass du in den vergangenen Jahren in Sachen eSport in Deutschland wenig Weiterentwicklung siehst, und du daher das Signal aus den USA eher als ein bedenkliches Zeichen denn als Weckruf verstehst. Ich kann mich noch gut an die Aufbruchstimmung Mitte der 2000er-Jahre erinnern, beispielsweise bei dem eSports-Forum 2005 in Düsseldorf. Vielleicht sollte uns die Stagnation der vergangenen Jahre als Weckruf dienen, die eSports-Sache wieder mit mehr Verve anzugehen!

      Herzliche Grüße

      Martin

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