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veröffentlicht von Martin Lorber am 08. August 2015

eSport: Die Disziplinen

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eSport gewinnt weltweit an Bedeutung. Kein Wunder! Liegt die Freude am Wettkampf in der Natur des Menschen. Von klein auf vergleichen wir uns spielerisch oder im Ernst in den unterschiedlichsten Dingen. Gerade Computer- und Videospiele bieten eine hervorragende Wettkampfplattform. Weltweit messen sich Spieler im Internet mit Gleichgesinnten. Bis zur Professionalisierung des eSports war es daher nur eine Frage der Zeit

 

Wie im "echten Leben"! Die Disziplin Fußball begeistert auch im eSport die Massen.
Wie im „echten Leben“! Die Disziplin Fußball begeistert auch im eSport die Massen.

eSport liegt in den Genen des Computerspiels

Wir alle loben Computerspiele in der öffentlichen Diskussion gerne als narratives Medium und begründen damit ihren Erfolg als Kulturgut. Darüber hinaus vergessen wir manchmal, worauf es bei ComputerSPIELEN ankommt: Den Spaß am Spielen. Einer der Erfolgsfaktoren in der Geschichte der Computerspiele war das kompetitive Spielen mit Freunden oder Fremden. Erinnerungen an das knappe Finish bei „Mario Kart“, das Last-Minute-Tor bei „FIFA“ oder den heldenhaften Kampf Rücken an Rücken bei „Battlefield“ sind persönliche Höhepunkte individueller Spielerkarrieren. Diese kompetitiven Höhepunkte stehen den erzählerischen Höhepunkten in Nichts nach.

Es war nur eine Frage der Zeit

Schon erste Computerspiele wie Pong zogen ihre Faszination aus dem Wettkampf mit den Mitspielern. In den 80ern gingen die Besucher der beliebten Arcade-Hallen auf die Jagd nach Highscores. Den Kampf um die höchste Punktzahl am Automaten bezeichne ich gerne als sehr lokale eSport Wettbewerbe. Diese Wettbewerbe fanden ihre Fortsetzung an den Heimkonsolen und PCs im „Hot-Seat“. Ende der 90er betraten LAN-Partys die Bühne. Und damit die Möglichkeit, Shooter wie „Counter-Strike“ oder Strategiespiele wie „StarCraft“ in großen Teams gemeinsam zu spielen. Die Geburt des eSports.

Internet gibt eSport Schwung

Die zunehmende Verbreitung von Online-Spielen hievte den eSport auf ein neues Level. Spieler suchten sich ihre Kontrahenten auf der ganzen Welt. Da mehr Spieler auch mehr Konkurrenz bedeuteten, steigerte dies die Qualität im eSport beträchtlich. So richtig lösen konnte oder wollte sich der eSport aber nicht von seinen Ursprüngen auf den LAN-Partys. Als logische Konsequenz aus Live-Turnier und Reichweite durch Online entwickelte sich der eSport, wie wir ihn heute kennen: eSport Turniere mit mehr als 17 Mio. Dollar Preisgeld, ausverkaufte, riesige Arenen und mehr als 100 Mio. Zuschauer per Live-Stream im Internet.

Welche Spiele eignen sich für eSport?

Nicht jedes Spiel, das einen Mehrspieler-Modus besitzt, eignet sich für den eSport. Viele Titel wollen das auch gar nicht. Siege müssen von der Leistung der Spieler und nicht von der Wahl der Spielfigur oder des Teams abhängen. Die Entwickler müssen ein fein austariertes und faires Balancing ihres Spiels hinbekommen. Relativ einfach bei Shootern, wo alle Spieler dieselben Voraussetzungen haben. Schwierig bei Strategiespielen und MOBAs, bei denen die Völker oder Helden grundlegend unterschiedliche Stärken und Schwächen besitzen. Gleichzeitig müssen die Spiele auch als Zuschauer-Event funktionieren. Ralf Reichert von der ESL spricht im STERN nur etwa 15 Spielen diese Fähigkeit zu.

Beliebteste Genres im eSport

Mit der Zeit kristallisierten sich einige Genres heraus, die sich besonders gut für den eSport eigneten. Die Bandbreite reicht von altehrwürdigen Genres wie Sport- (Fußball) und Strategiespiele bis hin zum recht jungen Genre Multiplayer Online Battle Arena (MOBA). Im Folgenden stelle ich die Genres kurz vor.

eSport: Multiplayer Online Battle Arena (MOBA)

Wenn heutzutage neue Rekordzahlen im eSport auftauchen, stammen diese mit großer Wahrscheinlichkeit von Spielen aus dem MOBA-Genre. Als Untergenre der Echtzeit-Strategie steuern hier die Spieler keine großen Truppenverbände, sondern einzelne Helden. Basenbau und die Steuerung des Fußvolks (Creeps) entfällt. Normalerweise spielen hier zwei Teams bestehend aus fünf Mitspielern gegeneinander. Das Ziel der Spielrunde: Die Zerstörung der gegnerischen Basis. Die Arenen besitzen vorgegebene Bahnen (Lanes) zu den gegnerischen Basen und sind quasi gespiegelt. Bis auf die unterschiedlichen Fähigkeiten der Helden sind die Voraussetzungen für beide Teams gleich.

MOBAs sorgen für Rekorde

Die beiden berühmtesten Vertreter des Genres MOBA sorgen regelmäßig für neue Rekordzahlen. „League of Legends“ (LoL) ist mit mehr als 70 Mio. aktiven Spielern pro Monat aktuell das meistgespielte Spiel der Welt. „Defense of the Ancients 2“ (DotA2) nimmt aus gleich zwei Gründen eine Sonderrolle ein. Einerseits begründete der Vorgänger DotA, entstanden als Modifikation (Mod) zu Warcraft III, das Genre. Zweitens bietet das größte DotA-Turnier „The International“ mit über 18 Mio Dollar das höchste Preisgeld im eSport. Gesammelt wird es durch die Community des Spiels indem ein Teil des Erlöses bestimmter Gegenstände in den Preispool einfließt.

eSport: Ego-Shooter

In der Vergangenheit zogen Kritiker Ego-Shooter gerne als Beleg für verrohende Wirkungen von Computerspielen heran. Dabei sehen Spieler in ihnen nur ein digitales Räuber und Gendarm, dass sich noch dazu hervorragend als eSport-Disziplin eignet. Hier treten kleine Teams im 5-gegen-5-Modus gegeneinander an. Die schnellsten Reflexe und das beste Teamspiel gewinnen. Das wichtigste Spiel in diesem Genre ist eindeutig „Counter-Strike“. Die verschiedenen Varianten 1.6, Source und Global Offensive zogen über die Jahre viele Spieler in ihren Bann. Wie DotA handelte es sich ursprünglich um eine Mod, in diesem Fall des Klassikers „Half-Life“. Doch auch andere Shooter wie die „Battlefield“-Reihe finden sich im eSport wieder.

eSport: Echtzeit-Strategie (RTS)

Echtzeit-Strategie gehören zu den eSport-fähigen Spielen der ersten Stunde. Ihre Popularität in Korea legte den Grundstein für eSport, wie wir ihn heute kennen. Gerade „StarCraft“ und der aktuelle Nachfolger „StarCraft II“ erfreuen sich in Korea einer Beliebtheit, wie man es in Deutschland vom Fußball kennt. Die Spiele sind hochkomplex. Während des Spiels bewältigen die Spieler zahlreiche kleine Prozesse parallel. Schnelle Reflexe und eine ausgezeichnete Fähigkeit zum Multi-Tasking sind hier elementar.

eSport: Fußball

Deutschland, Land des Fußballs. Das gilt nicht nur in der „echten“ Welt, sondern auch in der Welt des eSports. Sportspiele und gerade Fußballspiele erfreuen sich insbesondere in Deutschland einer immensen Beliebtheit. Die wichtigsten Vertreter des Genres sind die FIFA-Reihe und Pro Evolution Soccer (PES). Richtiger und digitaler Fußball finden hier übrigens immer mehr zusammen. Der VfL Wolfsburg nahm kürzlich zwei eSportler unter Vertrag.

In einem weiteren Beitrag befasse ich mich demnächst mit den Stars der Szene und den wichtigsten Institutionen im eSport.