veröffentlicht von Martin Lorber am 10. Oktober 2010

Die Sims und der Sensenmann

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Vor ein paar Tagen erreichte mich eine E-Mail einer besorgten Mutter, die schilderte, dass ihre Kinder (neun und zwölf Jahre) beim Spielen von Sims 2 sich über die Darstellung des Todes als Sensenmann erschreckten. Die Mutter wunderte sich darüber, dass das Spiel ohne Altersbeschränkung auf den Markt gekommen ist.

Eine Beerdigung in "Sims 3"
Eine Beerdigung in „Sims 3“

Tatsächlich umfasst das Spiel Die Sims 2 (und auch Sims 3) die Simulation der gesamten Lebensspanne von der Geburt bis zum Tod, das heißt, das Sterben gehört auch dazu. Der Tod wird in der Tat durch den „Sensenmann“ symbolisiert. Dabei gibt es nicht nur natürliche Arten des Sterbens durch Altern und Krankheit, sondern auch beispielsweise durch Unfälle. Auch ist es wichtig, die Sims immer mit den notwendigen Dingen des Lebens zu versorgen, damit sie überleben können. Das ist eines der Grundprinzipien des Spiels.

Ich persönlich bin der Meinung, dass von einem solchen Spiel, das in vielen Bereichen ja durchaus auch kindlichen Rollenspielen entspricht, in der Regel keine Entwicklungsbeeinträchtigung ausgeht. Auch die Darstellung des Todes als Sensenmann ist ja eine seit dem Mittelalter bekannte Allegorie, die außerordentlich weit verbreitet ist und in vielen Zusammenhängen Verwendung findet, so dass meiner Ansicht nach nicht von einem überraschenden, bestürzenden oder gar Angst einflößenden Element auszugehen ist. Die Darstellung des Todes als Sensenmann steht auch nicht im Widerspruch zu der üblichen Beschreibung des Todes im familiären Alltag, vielmehr ist der Sensenmann ja eine aus vielen Bereichen – auch der Volkskunst und der traditionellen Märchen, etwa der Gebrüder Grimm – eine geläufige Darstellung.

Ich halte es für angemessen, dass die Kinder im Spiel auf den Tod der Sims-Mutter emotional reagieren, trauern und – wie es die (reale) Mutter mir beschrieb – „laut weinten und völlig verzweifelt waren“. Eine solche natürliche und emotionale Reaktion auf das Spiel zu zeigen, ist meiner Ansicht nach sogar wichtig – viel erschreckender wäre doch, wenn die Kinder auf den Tod der virtuellen Mutter gar nicht reagieren würden.

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