In der Rubrik „Lesenswert“ stelle ich regelmäßig spannende Beiträge, Artikel und Meinungen zum Thema „Spielkultur in Deutschland“ vor.
veröffentlicht von Martin Lorber am 12. Dezember 2014

#gamergate und Serious Games

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In der Rubrik „Lesenswert“ möchte ich Ihnen auch heute wieder spannende Beiträge, Artikel und Meinungen zum Thema „Spielkultur in Deutschland“ vorstellen. Wie immer freue ich mich über alle Hinweise zu weiteren Links und Veröffentlichungen per E-Mail oder über die Kommentarfunktion.

#gamerGate

Kultur- und Medienwissenschaftler Christian Huberts fasst für die Stiftung Digitale Spielkultur das Thema #gamerGate noch einmal sehr lesenswert zusammen. Wer sich noch ausführlicher mit dem Thema befassen möchte und sich auch nicht von einem langen Radiobeitrag abschrecken lässt, kann sich einen sehr interessanten Beitrag von Sebastian Strube auf BR2 anhören – mit Rainer Sigl, Fred Wester, Jochen Koubek und Jana Reinhardt.

Spielend lernen

Ein weiterer informativer Beitrag der österreichischen Tageszeitung Der Standard über die Potentiale von digitalen Spielen im Bildungswesen. Das Spiel kann und soll die Lehrenden nicht ersetzen, kann deren Arbeit aber hervorragend unterstützen. Die Schule der Zukunft ist digital. Zu diesem Schluss kommt auch ein GEO Sonderheft. Dieser lesenswerte Artikel fast das Thema sehr ausführlich zusammen.

Spielend gesund

Die taz über Serious Games in der Medizin bei der Therapie von Krebs und Brandopfern. Passend dazu auch ein Radiobeitrag auf DRadioWissen.

Virtuelle Welten

Die Stuttgarter Zeitung über virtuelle Welten und die zunehmende technische Entwicklung bei der Darstellung in digitalen Spielen.

Wiederentdeckung alter Formate

Wer sich nicht die neuste Ausgabe der WASD zum Thema „Retro“ nicht zulegen möchte, kann (außer sich ganz gehörig zu schämen) den einen oder anderen Artikel manchmal auch in anderen Medien nachlesen. So auch in diesem Text zu Textadventures auf zeit.de. Interessant!

Kommentare
  1. Den Text von Huberts kann ich diesbezüglich einmal mehr nur als überaus einseitig bezeichnen, oder weshalb sollten sich Menschen nicht „persönlich betroffen fühlen“, wenn ihre Sexualität und Fantasien dermaßen offensiv angegriffen werden. Wenn vermeintlich schöne, junge, kräftige, gesunde, erfolgreiche Körper mit ihren „Familien“ und „Beziehungen“ in dieser Form über alle anderen herziehen, meistens die Interessen völlig Fremder denunzieren, sexuell diffamieren, sich angesichts derer auch nur vielleicht bevorzugter Inhalte „übergeben“ wollen (Sarkeesian zum „Manic Pixie Dream Girl“), die nicht immer so leben (können oder wollen), andere welche sie offensichtlich als Bedrohung ihrer selbst, ihrer Seilschaften, Selbstverständnisse als „kritisch-reflexiv-intellektuell“ usw. wahrnehmen.
    Ihnen immer und immer wieder sagen wie schlecht sie eigentlich sind, wie falsch sie (über Frauen oder nicht) denken usw. usf. Weshalb spricht Huberts nicht (auch) von diesen negativen Gefühlen, von deren „Hass“ und jener Aggressivität?

    Aggressivität angesichts dieser ursprünglichen TäterInnen-Opfer-Umkehrungen als sich selbst erfüllende Prophezeiung nennen, wenn unerwünschte Gruppen über unliebsame Inhalte schon dahingehend doch (kollektiv und kommunitaristisch) ausgemacht wurden. Wo war die ganze Gewalt(sprache) da eigentlich, wenn nicht längst vorher festgelegt (bei eben den „Hatern“, deren Hass die „Kritik“ dann in diesen militaristischen Antisemitismen und den scheinbar vielen Morddrohungen bestätigt sah).
    Doch was wurde in den Vorwürfen diesbezüglich nicht schon alles (kriminalisierend) prognostiziert oder (pathologisierend) diagnostiziert? Als Ausgangslage bevor mit entsprechenden Texten und Videos überhaupt an die Öffentlichkeit gegangen wurde?
    Als Mensch mit Behinderung „beweist“ mir Huberts deshalb nur, mit welcher Verachtung da über „problematische Elemente“ – und da fühle ich mich sogar ganz persönlich angesprochen -, eigentlich gedacht wird. Und wie oberflächlich.

    Allein wie heteronormativ sich Sarkeesian selbst indirekt äußert. Ist das tatsächlich nicht erkennbar, so unverständlich: man stelle sich nur einmal wenigstens vor ihre Vorwürfe würden sich nicht exklusiv auf das beziehen was wohl sie selbst als weitere patriarchale Grundannahme hegemonial „normal“ ansieht und deshalb als adäquates Ziel ihrer „Kritik“ für „vollwertige“ Darstellungen betrachtet, sei kein heterosexueller Ausdruck der vermeintlich „männliche“ Wesen als Zielgruppe hätte, Frauenfiguren die Männern helfen ablehnend, sondern wäre etwa in irgendeiner Form gerade das nicht. Das Kartenhaus dieser patriarchalen Verlängerung – welche letztlich alles andere als eine „Kritik“ an jenen Machtverhältnissen bedeutet, sondern ausschließlich pädagogische Vorwürfe einer „Desorientierung“ Jugendlicher und Erwachsener über Videospielinhalte artikuliert (also ganz im Sinne jener gesellschaftlichen Verhältnisse) – würde sofort in sich zusammenbrechen, wenn die Zuschreibungen nicht mehr zusammenpassen.
    Diese negativen Gefühle sichtbar werden. Viele ihrer Beiträge würden dann wahrscheinlich kaum feindseliger wahrgenommen werden, oder es wird versuchsweise jede Rede über ein bestimmtes „Frauenbild“ in diesen Artikulationen mal durch ein anderes ersetzt. Eine andere Bestimmung über Menschen als Darstellungen von Frauen.
    Nur bei kompletter Ausblendung von all dessen, kann diese Mehrheitslogik – eben „Frauenbilder kritisieren“ zu sollen – überhaupt funktionieren. Ganz zu schweigen darüber von welchen vordefinierten „Männern“ und „Frauen“ da ganz grundsätzlich ausgegangen werden soll, wen etwa Sarkeesian damit ausgrenzt, nicht meint usw. Wer eben gerade nicht „inkludiert“ werden soll.
    Denn mit dieser wohl dosierten Mischung aus Idealismen und Realismen wird all das jedoch wohlweislich übertüncht und verdreht. Die Interessen einer vermeintlich aufgeschlossenen, im Grunde aber zutiefst bürgerlich-verzopft auf lediglich Gesundheit und Sicherheit bedachten Mehrheit geben perfider Weise noch vor ihre schützende Hand über Minoritäten zu legen, spielen also m/paternalistisch eine gönnende Rolle, aber nur dann wenn diese offensichtlich mindestens ähnlich denken und leben wie sie (selbst), denn nur dann zeigen sie sich solidarisch, während alle anderen „problematischen Elemente“ schonmal begrifflich entmenschlicht werden: „den modernen Feminismus“ kann es so darüber hinaus sicherlich auch nicht geben, sondern nur viele Feminismen die sich mit diesen einseitigen Vorstellungen von Leben und Welt ebenfalls keineswegs decken brauchen, da ich mir etwa durch die sprachliche Gewalt des Herrn Huberts meinen (Feminismus) schonmal sicherlich nicht nehmen lasse. Und jener Prominenz unzähliger Texte, die allesamt in dieselbe Richtung wie Huberts oder Sigl gehen, das heißt welcher Gleichklang wird da schonmal überhaupt als „Kritik“ verkauft?
    Aber wenn ich das schreibe ist das bei der Dominanz von Statistik in diesem allenthalben vorherrschenden, naturalistischen Weltbild zweifellos zu wenig. Eine einzige Gegenstimme nicht einmal ein Ärgernis das ignoriert wird. Die kann wunderbar ausgegrenzt werden, solange es nicht mehr werden – ob journalistisch oder wissenschaftlich. Bleibt nur noch die Frage wie – biologisch oder nicht – so überhaupt über Geschlechterkonstruktionen geurteilt werden soll, abgesehen von „Reife“ und Sozialität.
    Und wenn Sigl als Journalist, Huberts als Wissenschafter, und die vielen vielen anderen Co-AutorInnen diesbezüglich ständig unter sich bleiben, offenbar keineswegs an Widerspruch in der Sache interessiert sind, bei Sarkeesian keine Kommentarfunktion mehr zugelassen wird und Unliebsames anderswo gleich löschen, jedenfalls nicht veröffentlicht stehen gelassen wird, sondern diesen Widerspruch reflexartig als reaktionären Hass und eben nicht konstruktiver „Kritik“ zu schubladisieren suchen, mit allen möglichen Militarismen und Antisemitismen in Zusammenhang zu bringen, ansonsten womöglich nur Unverständnis über Einwände zum Ausdruck gebracht wird, dann ist das so als wären in der „Killerspiel“-Debatte auch nur Pfeiffer oder Spitzer je irgendwohin eingeladen worden und hätten mit ihren Ideen über videospielende Menschen und deren Inhalte ein politisches Klima bestimmt.

    Bei Edmund Stoiber sprach Mathias Mertens dabei mal in Anlehnung an eines dessen Zitate von „ohne Auseinandersetzungsbereitschaft“. Wieso gilt das Zitat nicht auch für Huberts und Sigl? Weshalb gibt es da keine „Kritik“? Welche Nähe bestimmt dort Ahnung?
    Und ist das alles zusammen dann wirklich auch Ihr politisches Interesse Herr Lorber? Oder wo zeigen Huberts/Sigl und Co. auch nur im Ansatz eine Bereitschaft sich mit den Anliegen von Gamergate jenseits verleumderischer Oberflächen auseinander zu setzen? Oder wie sollen Menschen einfach dazu kommen, nur weil sie eine Hashtag-Konstrution aus „Gamer“ und „Watergate“ verwendet haben, in ein Boot mit misogynen Antisemiten geworfen zu werden? Was soll damit eigentlich (alles) verhindert, zementiert werden?
    An welche Massen von videospielenden „Hasspredigern“ glauben diese AutorInnen demnach eigentlich, welche sich da hinter einer solchen Konstruktion verbergen? Verschwörungstheoretisch?

    Oder wollen Sie gesellschaftliche Anerkennung für Videospiele auch nur dadurch erreichen indem sich diese an jene vorhandenen Normen anpassen? Sich mit Stephen Colbert und Anita Sarkeesian über die Sexualität von Menschen wie mir lustig machen? Weil Sie Menschen wie mich für entbehrlich halten?
    Die restlichen vorgestellten Artikel passen da mit ihrem größtenteils ins Auge stechenden Utilitarismusaspekt nämlich schon ins Bild, denn in welche „Ghettos“ (um bei der Sexismus-„Debatte“ mal zu bleiben) hat es die Industrie geschafft ernsthafte Inhalte in Videospielen über diesen unsäglichen „Serious Games“-Begriff bereits zu verbannen. Wobei Sexuelles wie es Sarkeesian für gewöhnlich „anprangert“ natürlich auch nicht in diese industrielle Situation passt, weil es nicht die richtigen „Werte“ vermittelt und nicht dementsprechend produktiv ist. Als ideologisches Déjà vu aus dem klassistischen 19. Jahrhundert.
    Auf den Konsolenmarktplätzen gibt es praktisch überhaupt kein Angebot diesbezüglich. Selbst das auf Steam ist breitwirksam überaus rar gesät. In antikommerzieller Abgrenzung produziert wird praktisch nur für den mehr oder weniger geschlossenen Dienstleistungssektor – egal ob für den Bildungsbereich oder eben in der Medizin. Weit mehr als zynisch in dieser Situation noch Vielfalt zu beschreiben.

    1. Hallo Herr Mayer,

      vielen Dank für den sehr ausführlichen Kommentar zu dem Beitrag von Christian Huberts. In der ganzen Diskussion und Aufregung um das Thema #gamergate kann ich nicht für die von Ihnen kritisierten Autoren sprechen. Ihre Frage nach meinem Interesse jedoch kann ich recht klar beantworten. Generell sollte das Thema (wie auch alle anderen Themen rund um die digitale Spielkultur und darüber hinaus) im Rahmen einer offenen Diskussionskultur ganz ohne Beleidigungen und Gewaltandrohungen eingebettet werden. Konstruktive Kritik an dem Medium aber auch an dessen Kritikern sollte immer erlaubt sein. Festgemacht am Beispiel Sarkeesian heißt das für mich, man kann ihr recht geben, man kann ihre Thesen schlicht für Quatsch halten, man kann sie unnötig finden oder als unqualifiziert abtun. Was jedoch unter keinen Umständen zu tolerieren ist, sind Drohungen und übelste Beschimpfungen. So einfach ist das. Auch wenn das sicherlich nur ein kleiner Teil der Kritiker ist, sollte man das auch nicht relativieren. Das gilt auch für die weiteren Aspekte, die unter dem Oberthema gamergate angesprochen sind.

      Ihren Hinweis zu meiner Konzentration auf den Utilitarismusaspekt würde ich gerne entgegenhalten, dass der Anteil von Artikeln in meinen Lesenswert-Beiträgen gar nicht übermäßig groß ist. Sicherlich kommt er sehr regelmäßig vor, jedoch ist es halt auch ein Aspekt der digitalen Spielkultur, der behandelt werden sollte. Das es in diesem Lesenswert tatsächlich sehr prominent vertreten ist, liegt an der Nachrichtenlage in den vorangegangenen Wochen.

      Abschließend möchte ich noch einmal dazu aufrufen, das ganze Thema mit etwas weniger Aufregung zu sehen.

      Gruß
      Martin Lorber

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