veröffentlicht von Martin Lorber am 11. November 2014

Über die Hochschule in die Games-Branche

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Die Games-Branche in Deutschland übt als Arbeitgeber eine große Anziehungskraft auf junge Berufseinsteiger aus. Hier trifft ein spannendes Hobby auf einen zukunftsträchtigen Wirtschaftszweig. Viele junge Menschen fragen sich, wie sie einen Fuß in die Branche bekommen und welche Ausbildung dafür von Nöten ist. Einen Königsweg dafür gibt es nämlich immer noch nicht. Ob Hochschulabsolventen oder enthusiastische Quereinsteiger – prinzipiell geht alles. Dieses Phänomen hängt nicht zuletzt mit der Tatsache zusammen, dass „Spielentwickler“ ein sehr weit gefächertes Berufsbild sein kann.

Generell lässt sich glaube ich schon sagen, dass Arbeitgeber in der Branche einen besonderen Wert auf praktische Kenntnisse (z.B. eigene Projekte) sowie ein gewisses Maß an Kreativität und Leidenschaft legen. Während Erstere natürlich bestens durch einen passenden Studiengang erlangt werden können, sind Kreativität und Leidenschaft ja nur in einem engen Rahmen formal lernbar. Hier stehen die Hochschulen vor der Herausforderung, den Studenten die formalen Fähigkeiten zu vermitteln und ihnen gleichzeitig Raum zur Entfaltung der eigenen Kreativität und Leidenschaft zu geben, diese sogar zu fördern. Idealerweise können Studenten schon während des Studiums ein eigenes Projekt-Portfolio aufbauen – einerseits im Rahmen von Kursen und andererseits über die „private“ Arbeit am eigenen Projekte während des Studiums.

Ein weiterer Vorteil des „geregelten“ Wegs über eine Hochschule ist die soziale Komponente. Sei es in Form der Kurse, die mit Ihren Milestones dafür sorgen, dass nicht bestimmte Zeiten eingehalten werden müssen, oder aber über das an der Uni aufgebaute Netzwerk. Kommilitonen und Lehrende bieten einen ersten Grundstock zum Austausch und weiteren Vernetzung, der im eigenen Werdegang ungemein hilfreich ist.

Obwohl wir in Deutschland hervorragende Beispiele wie das Gameslab Paderborn oder das Cologne Game Lab haben, die zeigen, wie es gut gemacht wird, möchte ich hier auch einmal ein Beispiel aus England vorstellen, auf das ich kürzlich gestoßen bin: die City University London. Neben der formellen Ausbildung und den informellen Netzwerken, bietet die Universität auch vielfältige Systeme zur Unterstützung und Finanzierung für Studierende und deren Projekte.

Die indirekteste Form der Unterstützung nennt sich “The Hangout” und stellt studentischen Firmengründern Arbeitsraum zur Verfügung um ihre Idee voranzubringen. Jeder Student oder Alumni der City University London kann hier unterkommen. Darüber hinaus haben sich in den Räumlichkeiten auch schon etablierte Start-Ups niedergelassen, mit denen sich die Studenten austauschen können.

Dann gibt es noch den “Cass Entrepreneurship Fund”, ein Finanzierungsprogramm im Stil von Dragon Den, einer Reality-Show, in der junge Unternehmer neue Geschäftsideen vor einer Gruppe von 5 Geldgebern, den 5 Drachen, präsentieren. Hierzulande wahrscheinlich die Sendung „Höhle des Löwen“. Ziel ist es, die Finanzierung der Umsetzung des Projekts abzusichern. Ein Beispiel für ein gamebezogenes Projekt, welches gefördert wurde, gibt das kurze Video am Ende des Beitrags.

Insgesamt ein interessantes Beispiel, wie private oder öffentliche Förderung der Branche oder der (digitalen) Start-Up-Kultur in Deutschland aussehen kann. Außerdem belegt es, zusammen mit den genannten Angeboten in Deutschland, dass sich die Hochschulen zunehmend auf die Bedeutung der Branche einstellen und dabei den notwendigen Spagat zwischen Praxis und Theorie sehr gut meistern.

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