veröffentlicht von Martin Lorber am 06. Juni 2012

Serious Games: E2010 – Power to Energetika

Teilen auf:

Dem Thema Serious Games habe ich mich schon mehrfach gewidmet, unter anderem in der Vorstellung des Titels 1378(km) und dem neun Monate später folgenden Interview mit dem Erfinder Jens M. Stober. Auch auf der diesjährigen Clash of Realities wurde das Thema Serious Games erneut zum Mittelpunkt der Diskussion. In vielen Gesprächen fiel in diesem Zusammenhang der Name Takomat. Heute möchte ich die Gelegenheit nutzen und anhand dieses schönen Beispiels, auch thematischen Quereinsteigern ein Bild davon zu verschaffen, welche didaktischen Möglichkeiten sich durch das Medium der Computer- und Videospiele ergeben – und wie sie bereits erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden.

 

E2010 – Power to Energetika

In dem Strategiespiel E2010 – Power to Energetika muss der Spieler die Stromversorgung des fiktiven Landes Energetika 40 Jahre lang nachhaltig steuern. Dazu stehen ihm die bekannten Energiequellen Atomkraft, Solarkraft, Wasserkraft und Windkraft zur Verfügung. Es müssen also Kraftwerke gebaut, Speicheranlagen geplant und neue Technologien entwickelt werden, um eine nachhaltige Energieversorgung zu garantieren – und die Bevölkerung gleichzeitig mit einer ausreichenden Menge Strom zu versorgen. Doch an der Stelle hört die Energiesimulation nicht auf: Es gilt ebenso Bürger zufriedenzustellen, die Wirtschaft des fiktiven Landes zu stärken und trotzdem die Umwelt zu schonen.

Der Erfolg des Spielers wird an Messwerten bestimmt, die er durch seine Energiepolitik selbst beeinflusst. Wie viel radioaktiver Abfall wird jährlich eingelagert? An wie vielen Tagen litten die Bewohner an einer Strom-Unterversorgung? Wie groß ist die Menge an ausgestoßenem Kohlendioxid? Um vor allem jugendliche Spieler dabei nicht zu überfordern, geben sieben virtuelle Berater aus den Bereichen Naturwissenschaft, Zukunftsforschung, Wirtschaft, Geologie, Energietechnik, Soziologie und Materialwissenschaft Tipps und Hinweise – und vermitteln dabei spielerisch ein Grundverständnis dafür, dass Energiepolitik all diese Bereiche massiv beeinflusst.

Die erfundene Wirtschaftswissenschaftlerin Rahel Mercier rät zum Spielbeginn beispielsweise:

„Wie teuer Strom ist, liegt in Deiner Hand, denn Du  entscheidest, auf welche Technologien Du setzen möchtest – und das bestimmt die  laufenden Kosten für den Strom. Auf diese laufenden Kosten kannst Du im Finanzmenü einen Aufschlag erheben. Je höher der Aufschlag ist, desto mehr Gewinn erzielst Du. Allerdings belastet ein zu hoher Strompreis sowohl die Wirtschaft als auch die privaten Haushalte.“

Informationen für den Nachwuchs

Neben dem Spiel verdient auch die Website einen Lob, denn dort bieten die Betreiber weiterführende Informationen rund um das Thema Nachhaltige Energienutzung an: einen Blog, Alltagstipps für nachhaltiges Verhalten, Buch- und Filmtipps, Ausbildungstipps im Energiebereich und mehr. Vor allem diese Darstellung der vielfältigen Berufsperspektiven hat mich beeindruckt, denn sie schlägt die Brücke in die Realität von Jugendlichen, die sich bereits Gedanken über ihre Zukunft machen.

Die Macher

Die Firma Takomat ist eine europäische Forschungs- und Entwicklungsfirma, die mit einem interdisziplinären Team an Pädagogen, Psychologen, Kognitions- und Neurowissenschaftlern, Designern und Spieleentwicklern eine wissenschaftliche Evaluation an 922 europäischen Schülerinnen und Schülern durchführte. Die Studie belegte, dass man beim Lernen mit Computerspielen tatsächlich eine verbesserte Lerneffizienz erreicht. Um diese Erkenntnis zu nutzen, entwickelte Takomat eine interdisziplinäre Design-Methodologie für die neue Disziplin des „Learning Game Designs“. Darin verschmelzen didaktisches Design und Spieldesign, um über Computerspiele erfolgreich Wissen zu vermitteln.

 

Ein Fazit

In meinen Augen gilt E2010 – Power to Energetika als fabelhaftes Beispiel dafür, was Serious Games leisten können: Seine wissenschaftliche Grundlage schafft den nötigen Realitätsbezug, während die kompetente Umsetzung in eine Spielmechanik den Lerneffekt fördert. Darüber geraten Jugendliche Spieler durch das Spielprinzip sehr zielbezogen mit einem wichtigen Problemfeld in Kontakt – und können im Rahmen des Spiels an einer Lösung mitarbeiten. Der Gratis-Titel steht auch heute noch online bereit und kann auf http://www.wir-ernten-was-wir-saeen.de/energiespiel/ als Browserspiel oder Offline-Variante (ca. 120 Mbyte) gespielt werden.

Weitere Links zum Thema:

Web: Webseite des Serious Game E2010 – Power to Energetika (wir-ernten-was-wir-saeen.de)

Download: E2010 – Power to Energetika als Offline-Spiel (wir-ernten-was-wir-saeen.de)

Web: Takomat

Web: Transmedial: Sieben Einblicke, wie sich die Zukunft des Storytellings entwickeln wird“ (ibusiness.de)

Video: Preisverleihung: Deutscher Computerspielpreis 2011 und LARA – Der Deutsche Games Award 2011 (youtube.com)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *