veröffentlicht von Martin Lorber am 01. Januar 2015

Jahresrückblick 2014

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Viel ist im letzten Jahr passiert in der Welt der digitalen Spielkultur. Wer liegengebliebene Artikel noch einmal durchstöbern und das vergangene Jahr Revue passieren möchte, dem sei der folgende Jahresrückblick 2014 ans Herz gelegt. Hier sind die spannendsten und meist diskutierten Beiträge noch einmal kurz zusammengefasst.

Jugendmedienschutz

Als Jugendschutzbeauftragter von Electronic Arts und Vater zweier Kinder ist der Jugendmedienschutz natürlich immer ganz oben auf meiner persönlichen Agenda. Dieser steht in meinen Augen auf drei wichtigen Säulen: (1) Der gemeinsamen Aufgabe von Eltern, Schulen, Erziehern und Medienanbietern zur Steigerung der Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen, (2) den technischen Hilfsmitteln wie Jugendschutzprogramme, sowie (3) der Politik zur Sicherung und Regulierung von Inhalten. Auch im letzten Jahr habe ich natürlich wieder die aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich verfolgt.

  • Bevor ein Computer- oder Videospiel in Deutschland auch an Minderjährige verkauft werden kann, muss es sich einer kritischen Prüfung durch die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) stellen. Damit ist die USK unbestritten eine der wichtigsten Institutionen des Jugendmedienschutzes in Deutschland. In diesem Jahr feierte die USK den 20. Jahrestag ihres Bestehens. Grund genug mich in einem Artikel mit der Geschichte der Institution zu befassen und ein Interview mit ihrem aktuellen Geschäftsführer Felix Falk zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Jugendmedienschutzes zu führen.
  • Auch in die Diskussion um einen neuen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV)kam 2014 neue Bewegung. Nachdem 2010 der letzte Entwurf für einen neuen JMStV nicht zuletzt daran scheiterte, dass weder die ‘Netzgemeinschaft’ noch die Medienpädagogik in den Entwicklungsprozess mit eingebunden wurde, wurde dieser Punkt nun explizit von den zuständigen Akteuren eingefordert. Zu diesem Zweck gab es eine rege Online-Diskussion, deren Positionen in Arbeitspapiere zu der Gesetzesnovelle eingeflossen sind. Ich bin guter Dinge, dass hier ein zukunftssicherer, gesetzlicher Rahmen für den Jugendmedienschutz geschaffen wird.

Die Diskussion um den neuen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag ist eröffnet

Wie geht’s weiter mit dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag?

Diskussion um einen neuen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag geht in die zweite Runde

JMStV: Stellungnahmen von BIU, USK und JusProg

Hintergrundbeiträge

Computer- und Videospiele sind heute ein wesentlicher Teil der Unterhaltungsindustrie. Neben den etablierten Angeboten ist dieses noch relativ junge Medium innerhalb weniger Jahre zum festen Bestandteil unserer Gesellschaft und Kultur geworden. Dabei ist es ein dynamisches und innovatives Medium, dass sich den aktuellen Entwicklungen stets anzupassen wusste. Welche Entwicklungen im letzten Jahr zu beobachten waren und welche Einflüsse es auf verschiedenste gesellschaftliche Bereiche nimmt, wurde in diesen Beiträgen thematisiert:

  • Spielerische Elemente oder die Technik hinter den Spielen sind inzwischen in fast allen Bereichen des Lebens integriert. Auch die Kunstszene bedient sich bei der Entwicklung neuer Werke zunehmend beim ursprünglichen Unterhaltungsmedium digitales Spiel. Ein schönes Beispiel dafür ist die Arbeit der Theatergruppe machina eX, die in ihren Stücken den Zuschauern aus Videospielen bekannte Interaktionsmöglichkeiten bieten und durch deren aktive Einbindung eine moderne, interaktive Dramaturgie schaffen.
  • Einer der Gründe für diese Entwicklung ist sicherlich die zunehmende Demokratisierung der Produktionsmittel bei digitalen Spielen. Waren diese früher hauptsächlich großen Konzernen vorbehalten, zeigt sich zunehmend, dass auch kleine Teams die faszinierendsten Dinge entwickeln können.
  • Eines der Highlights in diesem Jahr war natürlich wieder die gamescom in Köln.

Die Spiele, die aus der Kälte kommen – Nordic Region ist Partner der gamescom 2014

Lesenswertes zur gamescom

  • Ein weiteres bestimmendes Thema in diesem Jahr war die so genannte #gamergate-Affäre. Ohne im Detail auszuführen worum es geht (die hier vorgestellten Artikel fassen das ganze sehr gut zusammen) sei nur kurz gesagt, dass es in diesem Zusammenhang zu einer Reihe sehr unschöner Vorfälle und Äußerungen gekommen ist. Beteiligte Personen, wie Anita Sarkeesian wurden aufs übelste beschimpft und massiv bedroht. Und das alles, obwohl es doch eigentlich nur um Spiele geht.
  • Andreas Lange (Direktor des Computerspielemuseum in Berlin) in einem Interview über seine Sicht von digitalen Spielen in unserer Gesellschaft.
  • Computer- und Videospiele sind reine Unterhaltung! Sicherlich ist diese Sichtweise mit Blick auf die Vergangenheit in vielen Fällen zutreffend, sie kann jedoch gerade in den letzten Jahren einer genauen Betrachtung nicht mehr standhalten. Das Medium hat seine Adoleszenz verlassen und ist erwachsen geworden. Immer mehr Geschichten befassen sich nicht mehr nur mit heroischen Epen, sondern berühren die Spieler auch mit unangenehmen Themen und Entscheidungen.

Das Schuldgefühl als ästhetisches Mittel in Computer- und Videospielen

Can a computer make you cry?

Wissenschaft, Forschung, Politik

Neuste Erkenntnisse zum Medium digitales Spiel und die wichtigsten Debatten des Jahres:

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