Weil das Thema Computerspielsucht immer wieder aufkommt, hier erneut ein paar Thesen zum Thema.
veröffentlicht von Johnny Haeusler am 01. Januar 2011

Gastbeitrag Johnny Haeusler: Medien-Erziehung im Grundschulalter: Ein Kinderspiel?

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Gastautor Johnny Haeusler: Im Jahr 2003 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Tanja den Blog "Spreeblick". Heute ist das Projekt einer der erfolgreichsten und bekanntesten Blogs in Deutschland.
Gastautor Johnny Haeusler: Im Jahr 2003 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Tanja den Blog „Spreeblick“. Heute ist das Projekt einer der erfolgreichsten und bekanntesten Blogs in Deutschland.

 

Viel wird allerorts diskutiert über Medienerziehung und über elterliche Verantwortung in Bezug auf Kinder am Computer oder an der Spielkonsole. Wie immer sind simple Lösungen für komplexe Herausforderungen genauso schnell getippt wie populär-politische Statements gesprochen, doch mehr als temporäre Einfachheit bieten diese Versuche nicht.

Als Vater zweier Söhne im Grundschul-Alter und als intensiver Nutzer digitaler Medien, der sowohl auf der konsumierenden als auch auf der produzierenden Seite steht, bin ich sicher, dass uns weder Verbote noch Sperren noch staatliche Überwachungen in der Frage weiterbringen können, wie wir unsere Kinder zu einem bewussten Umgang mit den elektronischen Medien erziehen können. Ich halte stattdessen die Konzentration auf drei Säulen der Medienerziehung für einen sinnvollen Ansatz: Wissensvermittlung, Vertrauen und Eigenverantwortung.

Zunächst sollte man erkennen: Für Kinder, die im Lauf der letzten zehn Jahre geboren wurden, gibt es keine „Neuen Medien“. Die digitale Welt, die wir Erwachsene in den letzten Jahrzehnten haben wachsen sehen, die Medien, deren Nutzung wir lernen mussten, sind für unsere Kinder kein Novum, sondern der Status Quo. Nichts ist für sie neu am Internet oder an Mobiltelefonen, und Geräte wie das iPad bedienen selbst Kleinkinder im wahrsten Sinne des Wortes spielend leicht.

Die digitale Welt ist diejenige, in die unsere Kinder hineingeboren wurden, und sie ist für sie so selbstverständlich und allgegenwärtig wie für uns der Fernseher und das Radio. Diese Kinder sind zudem Teil der allerersten Generation, die ausschließlich digital aufwächst – ich selbst habe noch beide Medienwelten, die analoge und die digitale, sowie ihren Übergang erlebt, und ich vergleiche sie daher, setze sie in Relation, analysiere Unterschiede. Das tun meine Kinder nicht, weshalb sie auch die erste Generation bilden, die diese Medien wirklich prägen wird. Nicht nur, wie wir es tun, als Übergangsgeneration oder gar als Entdecker, sondern als erste nativ geborene Einwohner einer neuen Medienwelt.

Dies bedeutet, dass wir unseren Kindern allenfalls Starthilfe geben können für ihre Reise in diese Welt, die noch gar nicht fertig ist – und vermutlich auch nie fertig sein wird. Es bedeutet derzeit aber in erster Linie eine enorme Herausforderung im Bereich „Wissensvermittlung“, denn bei den meisten Eltern und Lehrkörpern ist die nötige Lehr-Kompetenz überhaupt noch nicht vorhanden – wir gehören zur einer Gesellschaft, in der Kinder in gewissen Bereichen über mehr Kompetenzen verfügen als ihre Eltern.

Medien-Erziehung fängt daher bei den Eltern an. Wir sind gefordert, uns mit den elektronischen Medien intensiv zu beschäftigen, ihre Eigenarten kennenzulernen, sie bedienen zu können. Dafür brauchen wir sie nicht wie ein Programmierer oder Systemadministrator beherrschen können – es genügt, wenn wir sie benutzen! Mal ehrlich: Wann haben Sie zuletzt ein Computerspiel gemeinsam mit ihrem Kind gespielt? Wann haben sie sich eine halbe Stunde Zeit genommen, sich die Regeln erklären lassen, die zu steuernden Charaktere, die zu erreichenden Ziele? Wenn Sie es tun, werden Sie überrascht sein, welche Komplexität und Tiefe elektronische Spiele besitzen und mit welcher Geschicklichkeit und Ausdauer ihr Kind schwierige Herausforderungen meistert. Und sie werden vielleicht sogar selbst Spaß daran finden!

Kinder medientechnisch unterstützen zu können, bedeutet in allererster Linie zu wissen, was sie tun. Und wenn sie es nicht wissen: Lassen sie es sich erklären, nämlich von ihren Kindern. Sie werden schnell feststellen, wie viel Spaß es ihrem Nachwuchs bereitet, ihnen etwas beizubringen. Kinder lieben es, Wissen zu teilen, besonders mit Ihnen.

Natürlich wird der Computer oder die Spielkonsole von Kindern auch zur Abgrenzung benutzt, schließlich brauchen auch Kinder ihren Freiraum und da dieser in der „realen“ ‚Welt immer mehr eingeschränkt wird, bieten Rechner und elektronische Medien einen virtuellen, gedanklichen Rückzugsort. Das Handy ist ein Teil unserer Privatsphäre und so wird es digitale Bereiche geben, zu denen Ihnen (ältere) Kinder keinen Zugang geben. Und auch das ist okay.

Denn es ist grundlegend falsch, davon auszugehen, dass alles, was unsere Kindern vor uns verborgen halten, etwas illegales oder schädliches ist. Es gibt viele Gründe, die Eltern nicht an allem teilhaben lassen zu wollen (oder hatten sie als Kind etwa kein Versteck, keine verschlossene Schachtel, keine „geheimen“ Treffen mit Ihren Freunden?) und der Respekt vor der Privatsphäre des Kindes vermittelt das Vertrauen, das auch für Sie wichtig ist, um als Ansprechpartner in Frage zu kommen, falls es doch einmal Probleme gibt. Und es macht einen Handel möglich: Ihr Vertrauen gegen die Eigenverantwortung des Kindes.

Ich halte es trotz nötiger Freiheiten für den vielleicht größten Fehler in der Medienerziehung, unsere Kindern quasi grenzenlos mit den digitalen Medien allein zu lassen. In den meisten mir bekannten Fällen ist der Grund dafür, dass die Eltern keinerlei Verständnis oder gar eigenes Interesse an diesen Medien besitzen und das, was man positiv betrachtet noch als Freiraum bezeichnen könnte, ist in Wahrheit Desinteresse, das zu fehlenden Grenzen führt.

Dabei versteht jedes Kind Einschränkungen. Ein bestimmtes Kontingent an Spielzeiten lässt sich sogar spielerisch und der Familie zuträglich verwalten, wenn sich das Kind elektronische Spielzeit durch Hilfe im Haushalt erarbeiten kann und eine Eieruhr oder ein Wecker, vom Kind selbständig benutzt, um eine Stunde Spielzeit rechtzeitig zu beenden, bereitet auf kommende Herausforderungen im Zeitmanagement vor. Je klarer die Regeln für die Computernutzung sind, desto leichter sind sie einzuhalten und desto besser kann ein Kind sie verstehen – doch sie müssen von den Eltern festgelegt werden, am besten im Gespräch mit den Kindern. Erst die Hausaufgaben, dann das Spiel. Mehr Zeit am Wochenende als an den Wochentagen, ein computerfreier Tag pro Woche, regelmäßig ein gemeinsames Spiel mit den Eltern… dies sind nur einige Beispiele von leichten Regeln für jüngere Kinder.

Und vor allem: Benutzen Sie die Computer- oder Spielzeit am besten nicht als Druck- und Erziehungsmittel. Die süßesten Früchte hängen am höchsten und der Computer wird durch Verbote nur attraktiver. Dabei soll er doch möglichst schnell etwas ganz normales sein und eher als Werkzeug denn als Heiliger Gral angesehen werden.

Wissensvermittlung, Vertrauen und Eigenverantwortung. Klingt alles wie immer viel leichter, als es in der Praxis umzusetzen ist, ich weiß das, denn ich kämpfe regelmäßig damit. Dennoch bleibe ich dabei: Wenn wir selbst keinen Ahnung haben von den Medien, die unsere Kinder nutzen, wenn wir keine Vertrauensbasis aufbauen können, dann haben wir schon verloren.

Gelingt uns aber eine gemeinsame Nutzung, das Gespräch mit unseren Kindern über diese Medien – schließlich reden wir mit ihnen auch über „böse Menschen“, wieso also nicht auch über „böse Internet-Seiten“? -, dann können wir sie so gut wie möglich vorbereiten und stark machen.

Ignoranz und Desinteresse führt zur Isolation auf Seiten der Kinder und das ist das letzte, was wir wollen können.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Spreeblick (www.spreeblick.com)


Kommentare
  1. Martin sagt:

    Lieber Johnny,

    vielen Dank nochmals für Deinen spannenden Beitrag zum Thema Medienerziehung.

    Grüße
    Martin

  2. Ostwestf4le sagt:

    Als Vater eines Sohnes in der zweiten Klasse, der nach dem Nintendo DS die Wii für sich entdeckt hat, sind diese Ausführungen sehr hilfreich.

    Vielen Dank!

  3. Kunar sagt:

    Es ist einer der ganz wenigen Artikel, die weder „Teufelszeug, auf jeden Fall davon fernhalten“ noch „alles egal, einfach machen lassen“ propagieren. Über eine verwandte Thematik gab es vor kurzem bei Spreeblick einen interessanten Artikel.

  4. Katrin sagt:

    Danke für diesen spannenden und vielseitigen Beitrag, der mir aus der Seele spricht!

  5. EvoluSiN sagt:

    Schöner Artikel! Das mit dem computerfreien Tag will mir zwar nicht ganz einleuchten, aber hey; im Hause Haeusler brauch man sich sicherlich keine Sorgen zu machen, dass der Nachwuchs bis in die Pubertät nicht über Holzbauklötze hinaus kommt. Ansonsten könnte, wem dieser Artikel gefallen hat, auch der folgende interessieren: http://evolusin.wordpress.com/2009/11/09/die-schuler-von-morgen-schon-heute/

    [Achtung Eigenwerbung ;)]

  6. Jöran sagt:

    Sehr schön, vielen Dank, Johnny!
    Ich möchte an einem Punkt einhaken, an dem ich selber noch auf der Suche bin: Du schreibst, dass die „Neuen Medien“ für Kinder nicht neu sind. Das stimmt zwar soweit, wie Du es beschreibst. Aber wir haben es dennoch mit einer ganzen Menge „Neuheit“ zu tun, weil die Entwicklung so ein rasantes Tempo hat. Der Gegenstand verändert sich noch während wir darüber sprechen.
    Das gilt für Erwachsene wie für Kinder gleichermaßen: Wir sind alle ständig mit „neuen Medien“ konfrontiert und daher kontinuierlich am Neu-Lernen, Ausprobieren, Verhandeln, Testen, Neu-Erfinden etc.
    Insofern haben wir es nicht nur mit dem „pädagogik-historisch“ ungewohnten Phänomen zu tun, dass die Kinder über den Gegenstand zum Teil mehr wissen als die Erwachsenen, sondern zusätzlich noch mit einem Gegenstand, der sich vielleicht schneller wandelt und weiterentwickelt als wir darüber nachdenken können.
    Was das für die Medienerziehung heißt? Weiß ich noch nicht so richtig.
    Auf jeden Fall bedeutet es, dass die Medienerziehung sehr „grundlegend“ sein muss, so dass die entwickelten Kompetenzen und Werte auch in 5 Jahren noch hilfreich sind.
    Es hilft also überhaupt nicht, Medienkompetenz auf die Bedienung von Facebook zu reduzieren. Stattdessen (bzw. zusätzlich) müssen wir mit Kindern und Jugendlich diskutieren, wie wir als Individuum und als Gesellschaft mit Privatsphäre und Öffentlichkeit umgehen.

  7. Marc sagt:

    Johnny macht jetzt PR für EA? Schade. :(

    1. Martin sagt:

      Hallo,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Von PR für EA ist er meiner Meinung
      nach jedoch weit entfernt. Er bezieht sich auf das Thema Medienkompetenz
      in der Erziehung und steht thematisch in keinem Zusammenhang mit
      Electronic Arts. Können Sie Ihre Gedanken hier etwas näher erläutern?

      Mit freundlichen Grüßen
      Martin Lorber

      1. Marc sagt:

        Ich führe meinen Gedanken gern ein wenig aus. Vorweg möchte ich klarstellen, dass Johnny meiner Ansicht nach nicht PR für EA im Speziellen, sondern für die Computerspiele-Branche im Allgemeinen macht. Ich will ihm auch nicht unterstellen, das bewusst zu tun.

        Formal betrachtet: Johnny Haeusler schreibt einen Beitrag für ein Blog, mit dem EA Öffentlichkeitsarbeit betreibt.

        Inhaltlich ist dieser Beitrag völlig unkritisch und steht wohl in keinerlei Spannungsverhältnis mit den Geschäftsinteressen von EA. Im Gegenteil: Johnny propagiert, als wäre es selbstverständlich, nahezu tägliches Computerspielen für Kinder. Wenn die Eltern dann noch regelmäßig mit ihren Kindern (am Computer) spielen, so hofft er, könnten erstere „vielleicht sogar selbst Spaß daran finden“. Die eigenen Kinder als Werbeträger – da werden Marketing-Träume wahr.

        Nebenbei bemerkt: Es ist schon verblüffend, wenn Johnny ein Erarbeiten von Spielzeit durch Hausarbeit vorschlägt, und gleich im nächsten Absatz dazu ermahnt, Spielzeit nicht als Erziehungsmittel zu benutzen.

        Merkwürdig ist auch das Bild vom Familienleben, das der Artikel vermittelt: Während Computerspiele ganz selbstverständlich zum Alltag gehören, ist Mithilfe im Haushalt ein Mittel, um die Spielzeit zu erweitern. Dabei ist es das aktive Anpacken, das eine Selbstverständlichkeit sein sollte – nicht, weil es mehr Computerspielen ermöglicht, sondern weil es in einer Gemeinschaft einfach dazugehört.

        Es gibt so viel Notwendiges, Sinnvolles, Bildendes, Schönes gemeinsam zu tun; tägliches Computerspielen ist da weder nötig noch förderlich. In der Tat bieten elektronische Medien einen Rückzugsort, und das ist durchaus problematisch. Warum? Johnny sieht das ja als positiv, ja sogar als notwendig an, weil der Freiraum der Kinder „in der ‚realen‘ Welt immer mehr eingeschränkt“ werde. Diese Behauptung bleibt allerdings völlig unbegründet. Wäre sie wahr, dann wäre es tatsächlich angebracht, über einen möglichen Ausgleich zu diskutieren. (Dass dieser ausgerechnet in Computerspielen bestehen sollte, ist allerdings zweifelhaft.) Doch dafür gibt es keine Belege.
        Und hier liegt das Problem: Wo bereits hinreichende Freiräume für Privatsphäre existieren, gleicht ein virtueller Ort außerhalb der Familiengemeinschaft nicht mangelnde Rückzugsmöglichkeiten aus, sondern verdrängt Teile des Gemeinschaftslebens. Die Anziehungskraft (bis hin zu suchtfördernden Aspekten) der virtuellen Angebote verschärft diese Gefahr noch.

        Zweifellos ist Unkenntnis über elektronische Medien keine vorteilhafte Basis, um Medienkompetenz zu vermitteln. Doch neben den Kindern auch gleich noch die Eltern zu regelmäßigen Computerspielern zu machen, führt in die Irre.
        Wahre Medienkompetenz besteht in erster Linie nicht etwa in dem Wissen, wie das jeweilige Medium verwendet werden kann, sondern zunächst in der Fähigkeit zur Entscheidung, ob man das Medium zum jeweiligen Zeitpunkt überhaupt verwenden sollte. Dazu gehört die Fähigkeit, diese Frage mit nein zu beantworten. Woher soll diese Fähigkeit kommen, wenn der tägliche Konsum von Computerspielen, so wie in Johnnys Artikel, gar nicht problematisiert, sondern als Normalität vorausgesetzt wird?
        Für EAs Öffentlichkeitsarbeit mag das hilfreich sein, für unsere Gesellschaft aber nicht. Hier ist nämlich nicht nur Medienkompetenz, sondern vor allem Gemeinschaftskompetenz und Lebenskompetenz gefragt.

        1. Martin sagt:

          Hallo,

          ich freue mich sehr, dass Sie Ihre Kritik an dem Gastbeitrag von Johnny Haeusler nun ausführlich begründet haben. Ich gehe gerne auf ein paar Punkte in Ihrem Kommentar ein – wobei meine eigenen Erfahrungen als Vater durchaus mit einfließen.

          Zunächst einmal denke ich, dass Johnny Eltern nicht das Spielen mit ihren Kindern empfiehlt, damit die Eltern selbst auf den Geschmack kommen. Nein, in meinen Augen empfiehlt er es, damit man als Vater oder Mutter besser in der Lage ist, das Tun und die Interessen der eigenen Kinder zu beurteilen; selbstverständlich auch, um steuernd und – wenn nötig – beschränkend einzugreifen. Zu wissen, was gespielt wird, ist einfach besser als es nicht zu wissen.

          Weiter schreiben Sie: „Merkwürdig ist auch das Bild vom Familienleben, das der Artikel vermittelt: Während Computerspiele ganz selbstverständlich zum Alltag gehören, ist Mithilfe im Haushalt ein Mittel, um die Spielzeit zu erweitern.“ Wenn man den ganzen Beitrag liest und nicht nur diese eine Passage, dann zeigt sich im Text von Johnny ein Familienbild, das von gegenseitigem Respekt undInteresse füreinander geprägt ist. Es bietet genügend Platz für Vorlieben und Gefühle, aber auch genügend Rückzugsmöglichkeiten. Außerdem zeigt es Eltern, die ihren Kindern dabei helfen, einen kritischen und selbstbewussten Umgang mit Medien zu erlernen. Das ist aus meiner Sicht nicht merkwürdig, sondern in vielerlei Hinsicht erstrebenswert.

          Und noch eine Bemerkung: Selbstverständlich gibt es neben Computerspielen noch viel anderes „Notwendiges, Sinnvolles, Bildendes, Schönes gemeinsam zu tun“. Das ist doch klar. Computerspiele machen Spaß und faszinieren. Wir sollten dabei aber nicht vergessen, dass sie in erster Linie ein Medienangebot zur Unterhaltung sind, mehr nicht und das ist schon viel. Gönnen wir unseren Kindern doch auch ein bisschen Zeit, in der eben nichts Notwendiges, nichts Sinnvolles und nichts Bildendes zu tun ist. Davon ist der von Leitungsdruck geprägte Alltag in der Schule in der Regel schon mehr als voll. Was ist daran denn so verwerflich, auch einmal Zeit zu verschwenden und etwas nur deshalb zu tun, weil es schlicht Spaß macht (ob die interaktiven virtuellen Welten als schön empfunden werden oder nicht, ist sicherlich sehr subjektiv). Ein gemeinsames Tun ist das Computerspielen ohnehin in der Regel (siehe hier: https://www.uni-hohenheim.de/pressemitteilung.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=7339&cHash=23d8e88dc11a94df4aeacf927642c0fb).

          Ganz und gar einverstanden bin ich mit Ihrem letzten Satz „Hier ist nämlich nicht nur Medienkompetenz, sondern vor allem Gemeinschaftskompetenz und Lebenskompetenz gefragt.“ Allerdings gehört Medienkompetenz eben auch dazu und nur darum geht es hier. Das sind aber aus meiner Sicht keine konkurrierenden Kompetenzen, sondern komplementäre.

          Beste Grüße

          Martin Lorber

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  11. Johnny sagt:

    @EvoluSiN Nee, keine Sorge, natürlich kommen die digitalen Medien keineswegs zu kurz. :) So ein „Screen-freier“ Tag tut unseren Jungs ganz gut, aber alles ist ja immer sehr individuell.

    @Jöran Ich suche tatsächlich noch an vielen Stellen und auch dieser Artikel ist eher ein lautes Denken als eine Anleitung, die zu schreiben mir eh nicht zusteht. Es geht sicher einfach erst einmal um die Gemeinsamkeit. Ich stelle bei vielen Eltern eine Art Resignation fest eben wegen der dauernden Veränderungen, und auch wenn ich es nachvollziehen kann, dass man ohnehin schon so viel um die Ohren hat, bin ich mir sehr sicher, dass man die Heranwachsenden nicht allein lassen darf. Im Fall der „Neuen Medien“ funktioniert zwar die alte Lehrmethode nicht mehr (ich weiß was, was du noch nicht weißt), aber dann muss es eben gemeinsam gehen.

  12. Bernd sagt:

    Bernd Sommerfeld: Programmieren oder programmiert werden?

    Mehr Leser entdecken ihre lokale Buchhandlung als Alternative – “Location-based offerings” haben Zukunft. “Gegen Information hilft nur Bildung” war immer unser Twitter-Motto. In diese Richtung geht  auch unser neuestes Projekt: Wir bringen Kindern das Programmieren bei.

    Wer als Buchhändler in einer Informatik-Abteilung arbeitet, wird erfreulicherweise ständig mit neuen Ideen konfrontiert. Die Geschichte, wie wir 1992 die Möglichkeiten des Internets entdeckten, hatte ich bereits auf Facebook als Notice erzählt. Viele Leser fühlten sich lebhaft an unsere Pionier-Zeiten erinnert. Leider sind unsere Vorstellungen von einer demokratischeren, offeneren Welt durch das Web,  wie von vielen erhofft, nicht  eingetroffen. Das Sagen im weltweiten Netz haben heute mehr denn je Google, Apple, Amazon, Facebook & Co.

    Erfreulich immerhin, dass wieder mehr Leser ihre lokale Buchhandlung als Alternative wahrnehmen. “Location-based offerings” haben Zukunft. “Gegen Information hilft nur Bildung” war immer unser Twitter-Motto. In diese Richtung geht  auch unser neuestes Projekt:

    Die einen programmieren – die anderen werden programmiert

    Nicholas Negroponte sagte sehr richtig: “Computer zu programmieren ist ein sehr wirkungsvoller Weg für Kinder, um das Lernen zu lernen … Kinder, die sich mit Programmieren beschäftigen, übertragen diese Art zu lernen auch auf andere Dinge.”

    Seit einiger Zeit beobachte ich in der Buchhandlung, wie Kinder von ihren Eltern an Computer & Internet herangeführt werden. Schon 9-Jährige benutzen ganz souverän ihr Ubuntu und beginnen spielerisch mit dem Programmieren. Es gibt auch einige Bücher (MITP-Verlag) speziell für diese Zielgruppe. Das hat mich zu unserem neuen Projekt gebracht.

    Unter unseren Kunden gibt es einige, die bereit sind,  einer Gruppe von Kindern über 10 Jahren das Programmieren beizubringen. Einmal in der Woche werden in der Buchhandlung junge Menschen an die Programmiersprachen herangeführt, lernen Schleifen, Verzweigungen, Datentypen, Funktionen kennen – und später wird es auch einen Wettbewerb geben. Mathematik-Aufgaben per Pythons zu lösen ist ein wunderbares Erfolgserlebnis. Wir beginnen unseren Kurs also mit Python und dem Buch “Python für KIDs”.

    Mit Python kann man coole Sachen machen, beispielsweise Spiele programmieren. Das Projekt hat sich sehr schnell via Twitter & Facebook verbreitet und der erste Kurs kann beginnen. Interessierte werden später unsere Videos bei Youtube anschauen können. Die Buchhandlung ist mitten im Geschehen und bietet einen Ort der Begegnung und des Lernens. Natürlich kenne ich auch Moodle. Aber das wir eine andere Geschichte

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