Weil das Thema Computerspielsucht immer wieder aufkommt, hier erneut ein paar Thesen zum Thema.
veröffentlicht von Martin Lorber am 05. Mai 2011

Gamecast TV: Interview mit Prof.Dr.-Ing. Robert J. Wierzbicki

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Prof.Dr.-Ing. Robert J. Wierzbicki von der Hochschule Mittweida war so freundlich, mir ein paar Fragen zu dem sehr spannenden Projekt Gamecast TV zu beantworten.

Martin Lorber: Wie würden Sie das Projekt in drei Sätzen beschreiben?

Prof.Dr.-Ing. Robert J. Wierzbick: Mit dem Projekt versuchen wir ein neues, konvergentes Medienformat zu etablieren, welches Games mit dem Fernsehen verknüpft.

Ein Format, das dem Fernsehzuschauer die Möglichkeit geben soll, den Fluss einer Fernsehgeschichte mit Hilfe eines Online-Kanals zu beeinflussen – ein Schritt in Richtung interaktives TV. Die Gefühle eines Spielers werden dabei mit speziellen Schnittstellen erfasst und auf sein Avatar in der virtuellen Umgebung übertragen – der Spieler wird so zum virtuellen Schauspieler.

Warum haben Sie das Projekt ins Leben gerufen?

Das Projekt basiert auf einer kreativen Idee von einem meiner Studenten. Die Idee wurde im Unterricht schriftlich fixiert und später zu einem Forschungsantrag ausgearbeitet. Wir hatten Glück und bekamen die Projektfinanzierung durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK).

Welche Ergebnisse und Erkenntnisse erwarten Sie?

Wir erwarten insbesondere, dass durch die Echtzeitübertragung von Spieleremotionen auf deren Avatare im Spiel, die Emotionskälte aus den virtuellen Umgebungen verbannt werden kann und die künstlichen Welten dadurch menschlicher werden. Wir arbeiten gleichzeitig daran, die Produktionsprozesse im Bereich des Animationsfilms zu virtualisieren und wirtschaftlicher zu gestalten. Mit unserem Animationssystem sind wir in der Lage, den kompletten 3D-Animationsfilm virtuell am Computer zu erstellen. Szenen werden dabei in Echtzeit, virtuell gedreht. Die verwendeten Umgebungen, Charaktere und Assets können schnell und unproblematisch ausgetauscht werden. Das Regieteam sorgt natürlich zu jeder Zeit für eine dramaturgisch sinnvolle Handlung.

Wie stellt die Software sicher, dass in der Menge der auszuwertenden Daten, die spannendsten Handlungen ausgewählt werden?

Wir drehen Szenen virtuell und speichern die „Filmsequenzen“ nicht in Form von fertigen 3D-Animationen sondern in Form von so genannten Logfiles. Die Logfiles beinhalten eine Art Beschreibung welcher Charakter was, wo und wann gemacht hat – alles , was Gamesengines zum Rendern einer Szene brauchen. Die Logfiles können miteinander kombiniert werden. So lassen sich auch diverse Aktionen schnell miteinander verknüpfen und als neue Filmsequenzen rendern. Zur Suche von Szenen verwenden wir effiziente Data Mining Algorithmen, die die abgespeicherten Logfiles nach bestimmten Kriterien durchsuchen können. So sind wir in der Lage, passende Filmsequenzen auszuwählen und daraus folglich Filmszenen zu rendern.

Ich bin besonders stolz auf die Studenten, die das Projekt intern managen und äußerst professionell realisieren. Dem jungen Team ist es gelungen viel kreativer, interdisziplinärer Power an der Hochschule Mittweida zu aktivieren. An dem Projekt arbeiten inzwischen Studenten aus drei Fakultäten – Medien, Informatik und Multimediatechnik. Gebündelte Kreativität und innovative Technologien sind für mich die zwei nötigen Säulen, die Forschungserfolge stützen und sichern können.

Wann können wir mit einer ersten Episode rechnen?

Das Team arbeitet daran, die erste Episode noch in diesem Jahr fertig zu stellen. Wir hoffen natürlich auf die Weiterfinanzierung der Forschung, damit es nicht nur bei einer prototypischen Umsetzung bleibt. Im Endeffekt werden die User entscheiden, ob das neue Format eine Daseinsberechtigung haben kann.

Vielen Dank für das Interview.

Weitere Links zum Thema:

Web: Gamecast TV (gamecast-tv.com)

Web: Hochschule Mittweida (hs-mittweida.de)

Kommentare
  1. Pingback: Highlight
  2. Mara sagt:

    Eine neue Art des fernsehens, wo der Zuschauer aktiv ins Geschehen eingreifen kann, eine interessante Vorstellung, die das fernsehen so wie es ist bestimmt bereichert. Das Fernsehprogramm heutzutage ist ja nun mal nicht der absolute Hit. Da ist die Idee selbst eingreifen zu können in meinen Augen schon ein Meilenstein um das Programm wieder attraktiv zu machen, auch für die jüngere Generation. Die meisten sind doch heutzutage technisch gut auf dem laufenden und so eine Idee könnte in meinen Augen gerade bei jüngeren ein absoluter Renner werden.

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