veröffentlicht von Martin Lorber am 11. November 2011

Drei Studien belegen positive Einflüsse von Computerspielen

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In der vergangenen Woche haben sich Nachrichten dazu gehäuft, die von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen im Bereich der Computer- und Videospielforschung berichten.

Die zum Teil überraschenden Ergebnisse halte ich für sehr aufschlussreich – und greife sie in diesem Beitrag gern auf:

1. Studie: Moderate Vielspieler besitzen mehr Hirnmasse

Dr. Simone Kühn (30) ist Neurowissenschaftlerin an der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im Berliner St. Hedwig-Krankenhaus. Im Rahmen einer Untersuchungsreihe fand sie heraus, dass moderate Vielspieler mehr lokales Hirnvolumen sowie mehr Hirnrinde (Kortex) besitzen.

Die Deutung der Ergebnisse zitiere ich aus dem Beitrag der Berliner Morgenpost vom 12. November 2011, der die Zusammenhänge mit den verschiedenen Gehirnbereichen passend zusammenfasst:

„[Die Analyse] ergab: Auch die für strategisches Planen, Aufmerksamkeit oder Arbeitsgedächtnis zuständigen Bereiche im frontalen Kortex – quasi Teile der sogenannten grauen Zellen – waren bei Vielspielern deutlich größer. Normalerweise ist die Hirnrinde in diesen Bereichen zirka 2,5 Millimeter breit.

Bei manchen jugendlichen Vielspielern wurde im Rahmen der Studie teilweise mehr als 3,5 Millimeter Dicke gemessen – auch das kommt einer Sensation gleich.“

Die Erhebung basiert auf Tests bei 154 Heranwachsenden aus verschiedenen Bezirken Berlins mit unterschiedlichem Bildungshintergrund, um damit einen demografischen Schnitt durch die Gesellschaft abzubilden. Im Durchschnitt spielten die Untersuchten neun Stunden pro Woche. Man wolle ganz normale Jugendliche untersuchen. Auf dieser Grundlage wurde die Grundgesamtheit der Ergebung in zwei Gruppen geteilt.

Um die Henne-Ei-Problematik bei dem Thema ihrer bisherigen Untersuchung anzugehen, will Dr. Kühn Langzeit-Tests an jungen Erwachsenen zwischen 18 und 35 Jahren durchführen. Darin will sie klären, ob Vielspieler mehr lokales Hirnvolumen besitzen – oder Menschen mit großem lokalen Hirnvolumen viel spielen. Sobald es weitere Ergebnisse hierzu gibt, werde ich diese ebenso an dieser Stelle aufgreifen.

2. Studie: „Intelligenter durch Computerspiele“

Am 14. November 2011 veröffentlichte die Julius-Maximilians-Universität in Würzburg die Forschungsergebnisse einer Studie über die förderliche Wirkung von Computerspielen im schulischen Bereich. Dr. Wolfgang Lenhard vom Würzburger Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie und Alexandra Lenhard von der Firma Psychometrica kamen darin zu dem Ergebnis, dass Kinder ihr logisches Denkvermögen durch den Einsatz von Computerspiel-Software enorm steigern können. In der Meldung der Universität heißt es dazu:

„,Für unsere Untersuchungen haben wir Kinder aus drei bayerischen Förderklassen in zwei Gruppen eingeteilt‘, erklärt Lenhard: Eine Gruppe erhielt über einen Zeitraum von sechs Wochen hinweg systematische Förderung mit den Denkspielen mit Elfe und Mathis, die andere Gruppe nahm im selben Zeitraum am normalen Schulunterricht teil. Jeweils vor und nach dem Förderzeitraum maßen die Psychologen die Leistung im logischen Denken mit standardisierten Intelligenztests.“

Das Ergebnis zeigte eine „bedeutsame Verbesserung des logischen Denkens“, die das Team quantifizieren konnte: Durch die Förderung mit der Software stieg das logische Denkvermögen der geförderten Gruppe von durchschnittlich 90 IQ-Punkten vor dem Training auf 101 Punkte danach. Als Grundlage für die Entwicklung des Spiels diente ein wissenschaftlich anerkanntes Training zur Steigerung des logischen Denkvermögens.

Den Effekt der Förderung durch das Spiel bewertet Lenhart als „sehr groß“, zumal aus anderen Untersuchungen bekannt sei, dass Intelligenz eine stabile Eigenschaft sei, die nur langsam verändert werden könne.

Als Erklärung für den starken Effekt sehen die Forscher die folgenden Eigenschaften, die sich auch in regulären Computerspielen wiederfinden:

  1. In dem Computerspiel der Forscher müssen Kinder den „blauen Diamanten der Weisheit“ finden und auf dem Weg zum Ziel 120 Aufgaben lösen. Das in eine Handlung eingewobene Spielziel motiviert die Spieler demnach, sich länger damit zu beschäftigen.
  2. Als zweite Eigenschaft benennen die Wissenschaftler die stetige Rückmeldung über den aktuellen Leistungsstand.

3. Studie: „Intelligenter durch Computerspiele“

Darüber hinaus habe ich die folgende Studie vom 2. November 2011 entdeckt, bei der die Forscher der US-amerikanischen Michigan State University positive Nebeneffekte des Spielens auf die Kreativität der Spieler untersucht haben. Dabei befragten die Forscher 491 12-jährige Schüler und testeten ihre Kreativität mit dem Test des Psychologen Ellis Paul Torrance.

Als Ergebnis zeigte die Studie, dass computer- und videospielende Kinder besser darin abschnitten, Bilder zu zeichnen und Geschichten zu schreiben. Die Nutzung von Handys, das Surfen im Netz und anderer Computernutzung beeinflusste die Kreativität hingegen nicht.

Ein Fazit

Dass drei voneinander unabhängige Studien Wirkungen von Videospielen auf Menschen erforschen finde ich großartig. Es zeigt auf sehr erfreuliche Weise, dass Wissenschaftler das Medium „Games“ und seine Möglichkeiten immer mehr auch als Forschungsgebiet entdecken – und damit wichtige Grundlagen dafür schaffen, die Spielentwicklung weiter voran zu treiben.

Weitere Links zum Thema:

Artikel: „Das Märchen von den verblödeten Computer-Spielern“ (welt.de)

Artikel: „Computer-Spieler haben mehr Gehirn“ (morgenpost.de)

Artikel: „Intelligenter durch Computerspiele“ (uni-wuerzburg.de)

Artikel: „Computerbasierte Intelligenzförderung“ (psychologie-aktuell.com)

Artikel: „ Information technology use and creativity: Findings from the Children

and Technology Project„ (msu.edu.com)

Link: Psychometrica – Institut für psychologische Diagnostik (psychometrica.de)

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