Gemeinsam mit Prof. Dr. Gary Bente versammelte die ICA an der Universität zu Köln Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen, um mit der Wirtschaft über den menschlichen Aspekt bei Computerspielen zu sprechen.
veröffentlicht von Martin Lorber am 04. April 2015

Computerspiele und Gesundheit

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Die International Communication Association (ICA) führt regelmäßig unterschiedliche Disziplinen zur Erforschung kommunikationswissenschaftlicher Gegenstände zusammen. So geschehen letzte Woche in Köln. Gemeinsam mit Prof. Dr. Gary Bente versammelte sie an der Universität zu Köln Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen, um mit der Wirtschaft über den menschlichen Aspekt bei Spielen zu sprechen. Unter dem Titel: „The Healing Game: Positive Aspects of Game Design and Play“ entwickelte sich eine spannende von Prof. Dr. Gary Bente moderierte Gesprächsrunde.

Gesprächsrunde in entspannter Atmosphäre

Schon im Vorfeld der Gesprächsrunde wurde in entspannter Atmosphäre nicht nur über wissenschaftliche Themen, sondern auch über Fußball munter diskutiert. Nach einer kurzen Einführung des Vertreters der ehrwürdigen ICA und Prof. Bente, die gemeinsam auf einer Tagung in Seattle die Idee für diese Veranstaltung hatten, ging es dann zum offiziellen Teil über. Zunächst stellten die Vertreter aus der Wissenschaft in kurzen Vorträgen ihre Projekte vor und verknüpften diese mit dem Veranstaltungsthema. Im Folgenden werde ich kurz auf die wichtigsten Punkte der Vorträge eingehen.

Computerspiele gegen die eigene Sucht

Sich das Rauchen abzugewöhnen ist nicht leicht. Dr. Julia Kneer, Psychologin an der Rotterdam University sieht die meisten Projekte, die Rauchern helfen sollen, eher kritisch. Viele nutzen die Sorge um die eigene Gesundheit als Hebel, aber wer fängt schon mit dem Rauchen an, um sich bewusst die eigene Gesundheit zu ruinieren? Dr. Kneer setzt lieber bei den tatsächlichen Gründen fürs Rauchen an und das sind oft Stress und gesellschaftliche Bedürfnisse, wie zum Beispiel Anerkennung. Gemeinsam mit dem Serious Games Anbieter Ranj entwickelt sie dazu das Spiel Fogland. Hier gewinnt, wer seiner Spielfigur das Rauchen abgewöhnt. Fogland konfrontiert die Raucher mit positiven und negativen Faktoren, die die Disposition zum Rauchen beeinflussen. Idealerwiese bezieht der Spieler die Informationen auf sich und erkennt dank des Computerspiels Lösungsstrategien gegen die eigene Sucht.

Gemeinsam mit Prof. Dr. Gary Bente versammelte die ICA an der Universität zu Köln Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen, um mit der Wirtschaft über den menschlichen Aspekt bei Computerspielen zu sprechen.
Gemeinsam mit Prof. Dr. Gary Bente versammelte die ICA an der Universität zu Köln Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen, um mit der Wirtschaft über den menschlichen Aspekt bei Computerspielen zu sprechen.

Stärkt Immersion Lerneffekte durch Computerspiele?

Computerspiele fördern wichtige Fähigkeiten. Laut Mathematiker und Informatiker Prof. Dr. Marc Erich Latoschik vom Lehrstuhl Human-Computer Interaction an der Uni Würzburg eine Tatsache. Unmengen an Studien zeigen, welche Genres welche Eigenschaften verbessern. Welche Mechaniken von Computerspielen sind konkret nützlich? Aktuell prüfen Latoschik und sein Team sehr vielversprechend, ob eine stärkere Immersion, also das Eintauchen in das Geschehen, den Lerneffekt erhöht. Die Immersion stärkt Emotionen und führt zu einer intensiveren Wahrnehmung der Aufgaben.

Virtual Reality nicht nur bei Computerspielen die Zukunft

Latoschik ist sich jedenfalls sicher: Virtual Reality und Immersive Gaming sind in der Nahen Zukunft DAS Top-Thema – nicht nur in der Gaming-Branche. Im Gegensatz zu dem Hype in den 80er und 90er Jahren, ist Virtual Reality in naher Zukunft tatsächlich realisierbar. Nur die Mängel der aktuellen Technik verhindern bisher das Hauptproblem der Latenz in den Griff zu kriegen. Latenz verursacht bei vielen Nutzern von Virtual Reality Brillen Übelkeit, die so genannte „Motion Sickness“. Ein sehr schönes Beispiel, wie Computerspiele den Körper beeinflussen – im Guten wie im Schlechten.

Computerspielsucht besser verstehen

Prof. Dr. Thorsten Quandt, Kommunikationswissenschaftler an der Uni Münster stellte seine Studie „The social fabric of virtual life“ vor. Ein von der EU mit 1,84 Mio. Euro gefördertes Projekt. Die Forschungsfrage von Quandt: Können Spiele zu viel Spaß machen? Die Antwort: Eher nicht! Die öffentliche Debatte zum Thema „Computerspielsucht“ stellt die Problematik stark vereinfacht dar und tendiert mit Blick auf die Spiele sehr einseitig zum Negativen. Vor allem die Medien ziehen bei Studien die reine Spielzeit als Anzeichen für eine Computerspielsucht heran. Das greift genauso zu kurz, wie die monokausalen Begründungen für problematische Mediennutzung. Computerspielsucht wird weniger durch die Anwesenheit des Spiels verursacht, als durch die Abwesenheit anderer positiver Reize im Alltag. Die Spiele sind also eher Symptom als Ursache für die dysfunktionale Mediennutzung.

Wirtschaft und Wissenschaft befruchten sich

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass Computer- und Videospiele in den meisten Lebensbereichen eine wichtige Rolle spielen können. Digitale Spiele haben inzwischen ein solch großes technisches, kulturelles und gesellschaftliches Potential entwickelt, dass sich viele wissenschaftliche Fachbereiche ausgiebig mit Spielen befassen können. Was Andere mit den Produkten/Kunstwerken unserer Branche machen fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Die anwesenden Vertreter der Wirtschaft, Maximilian Schenk, Geschäftsführer des Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU), und Odile Limpach, Ubisoft Blue Byte Studio Strategic Consultant, haben sich ebenfalls über den wertvollen Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft sehr gefreut.

Das war Prof. Dr. Quandt zur Folge nicht immer so. Viele Medien und Kollegen haben früher harsche Kritik geübt, wenn sich Wissenschaft und Wirtschaft angenähert haben. Doch das, so Quandt, fand er schon damals absurd. Die Zeiten sind zum Glück vorbei, so der Professor. Insgesamt war es ein sehr spannender Abend mit interessanten Gesprächsteilnehmern. Ich würde mich freuen, wenn Wirtschaft und Wissenschaft diesen Dialog weiter vertiefen und weitere gute Veranstaltungen wie diese zusammen meistern. In diesem Sinne, möchte ich meinen Dank an den ICA und Herrn Prof. Dr. Bente richten. Es war eine gelungene Veranstaltung.

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