veröffentlicht von Martin Lorber am 06. Juni 2012

Computer- und Videospiele in der Generation 50 Plus

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Alle demografischen Anzeichen sprechen dafür, dass die Gesellschaften weltweit altern. Auch bei uns in Deutschland wird die Bevölkerung der über 65-Jährigen bis 2030 von heute rund 15 Millionen auf 21 Millionen Menschen wachsen. Die Generation „50plus“ ist nicht zuletzt daher eine der am stärksten wachsenden Zielgruppen für Computer- und Videospiele. „Best Ager“, „Woopies“ (Well-Off Older People) oder wie sie sonst noch genannt werden, sorgen so mit Nachdruck dafür, dass die Alterspyramide bei Videospielern entsprechend nach oben korrigiert werden muss. Neben dem Altern unserer Gesellschaft spielt ein weiterer Aspekt eine wesentliche Rolle für den Anstieg älterer Computerspieler. Wer sich als 40-Jähriger für Games interessierte, wird sich auch im Ruhestand damit beschäftigen. Denn viele der heute 60-Jährigen haben den Umgang mit dem Computer im Beruf gelernt, andere interessierten sich bereits für Videospiele, als diese noch in den Kinderschuhen steckten und haben die Entwicklung seit Jahrzehnten mitgemacht.

Für die Zielgruppe der so genannten „Silver Gamer“ steht besonders der soziale Aspekt des Spiels im Vordergrund. Deshalb spielen viele weibliche Spieler im Internet Backgammon, Mah-jongg oder Doppelkopf. Durch diese vertrauten Brett- und Papierspiele fällt bei den „Silver Gamern“ auch die Hemmschwelle gegenüber anderen Computer- und Videospielen, wie beispielsweise dem boomenden Markt der Browsergames. Diese sind meist wenig komplex, setzen keine hochaktuelle PC-Hardware voraus und kosten wenig oder sogar gar nichts.

Wer über diesen Weg erst einmal ans Spielen gekommen ist, der ist häufig auch an anderen Formen digitaler Unterhaltungssoftware interessiert. Nintendo, Sony und Microsoft setzen zunehmend auf Spiele und Konsolen, die vor allem an „Silver Gamer“ gerichtet sind. Mit „Dr. Kawashimas Gehirnjogging“ hat Nintendo eine Rätsel- und Knobelreihe entwickelt, mit dem die Gedächtnisleistung trainiert wird und somit der Altersdemenz vorbeugt.

Doch auch Spiele wie „Die Sims“ erfreuen sich unter Silver Gamern großer Beliebtheit. Einerseits, weil das Spiel die Enkel-Oma/Opa-Generationen vereinigt, andererseits, weil die Älteren über das Spiel von ihren Enkeln lernen, und schließlich, weil das Spiel einfach zu handhaben ist.

Neben dem Sozialen entwickelt sich aber auch zunehmend ein weiterer zukunftsweisender Aspekt der Videospiele für die älteren Spieler: Das therapeutische Spielen. Denn Altern, sagt die neusten Ergebnisse der Altersforschung, ist nichts anderes als Nichttrainiertheit. Spiegel Online hat kürzlich genau hierzu einen spannenden Artikel mit dem Titel „Beweglichkeit: Computerspiele schützen Senioren vor Stürzen“ veröffentlicht:

Knapp jeder Dritte Über-65-Jährige stürzt mindestens einmal im Jahr. Um dem vorzubeugen sollte man Kraft, Ausdauer, Balance und Beweglichkeit trainieren, lautete das Ergebnis einer großen Übersichtsstudie von 2010. Doch Menschen mit Gleichgewichtsstörungen gehen nicht joggen. Und wer Sturzangst hat, traut sich nicht ins Fitnesscenter. Für sie können Computerspiele eine Lösung sein.

Denn neben der Möglichkeit von zu Hause aus zu trainieren, was nicht nur einfacher und häufiger möglich sei, böten Computerspiele eine Besonderheit, die über den reinen Trainingseffekt hinausgeht: Motivationsförderung durch Erfolge im Spiel sowie ein ganze Menge an Spaß! Im eigenen Heim, also in gewohnter und sicherer Umgebung zu trainieren und permanente Erfolgserlebnisse zu bekommen, spiele eine wesentliche Rolle für die Langzeitmotivation und den damit einhergehenden Trainingseffekt. Denn nur wer regelmäßig trainiert schütze sich und mache Fortschritte. Daneben lassen sich Computer- und Videospiele durch das Einstellen von Schwierigkeitsgraden exakt an die Bedürfnisse des Spielers anpassen.

So können Senioren selbstständig motivierende Übungen beispielsweise zur Schlaganfallrehabilitation oder Sturzprävention durchführen, verlorene Fähigkeiten wiedererlangen und das Sturzrisiko senken. Mit Hilfe neuer Bewegungssteuerung entwickeln gleich mehrere Forscher Computer- und Videospiele speziell für therapeutische Zwecke. Darunter auch das Fraunhofer Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik und die Berliner Charité.

Computer- und Videospiele in der Generation 50 Plus – spielen um Spaß zu haben, Spaß haben um gesund zu bleiben. Ein tolles Konzept!

+++Weiterführende Links+++

Blog: http://spielkultur.ea.de/?s=serious+games

Spiegel Online: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/beweglichkeit-im-alter-computerspiele-schuetzen-senioren-vor-stuerzen-a-834550.html

Web: http://summaries.cochrane.org/CD007146/interventions-for-preventing-falls-in-older-people-living-in-the-community

Web: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?term=Video-capture%20virtual%20reality%20system%20for%20patients%20with%20paraplegic%20spinal%20cord%20injury

Web: http://www1.smart-senior.de/Loesungen/solutions

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