veröffentlicht von Martin Lorber am 03. März 2013

Buchvorstellung: Ego-Shooter Spielkultur

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Computer- und Videospiele erzeugten in der Vergangenheit immer wieder aufgeregte Diskussionen. Dabei stand häufig die Kritik an der expliziten Gewaltdarstellung im Vordergrund. Was Filmen und Büchern zugestanden wurde, ist bei Games eher als anrüchig wahrgenommen worden. Ein Schicksal, was im Laufe der Geschichte vielen neuen Medien zuteilwurde. Inzwischen sind diese Geburtswehen weitestgehend überwunden. Die öffentliche Diskussion wird immer weniger plakativ und vermehrt mit Fachwissen geführt. Dies ist der Arbeit vieler verschiedener Akteure aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen zu verdanken. Ein schönes Beispiel hierfür bietet der Autor des Buchs „Ego-Shooter Spielkultur“, Christoph Bareither, der mit seiner Arbeit einen weiteren Beitrag zur Aufklärung und Sensibilisierung über die Community von Computerspielen leistet.

In seinem Projekt studiert Bareither auf 133 Seiten die Alltagspraktiken in und um Online-Computerspiele. Der 30-jährige hat sich für seine Arbeit selbst in die Community des Spiels Counterstrike integriert, um ihren Eigenheiten auf den Grund zu gehen. Herausgekommen ist eine ethnografische Studie zu Videospielen, wie sie es so ausführlich und intensiv noch nicht gab. In Gesprächen, Interviews und LAN-Partys lernte Bareither die Kultur, die hinter Spielen wie Counterstrike steht intensiv kennen.

Zunächst erklärt Bareither die Basis des Spiels, also die Mechanik, Steuerung und das Ziel von Counterstrike. Berichtet wird meist im Fachjargon der Community, was zunächst gewöhnungsbedürftig erscheint, aber einem wesentlichen Beitrag zur Authentizität leistet. Mit Einschätzungen der von ihm befragten Spielern, Zitaten und Fallbeispielen gibt der Autor einen sehr realistischen Einblick in diese vermeintliche Subkultur. Bareither möchte allerdings nicht als „Anwalt“ die Computerspieler verteidigen, sondern die einzigartige Gruppendynamik von Online-Communities beleuchten. Gamer-Communities folgen häufig anderen Paradigmen, haben alternative Umgangsformen und nutzen Sprachen, die für Außenstehende oder ältere Menschen nur schwer verständlich sind. Hier versucht das Buch so gut wie möglich auch nicht Internet-Affinen diesen Kosmos und die speziellen Umgangsformen untereinander zu erklären.

Christoph Bareither möchte die Menschen mit seinem Buch sensibilisieren, eine einheitliche Grundlage für weitere Diskussionen über Videospiele legen und mit gängigen Vorurteilen aufräumen.

Das Buch schlägt sich weder auf die Seite der Spieler noch verurteilt es ihre Kritiker. Es schafft eine Basis, auf der zukünftige Debatten aufbauen sollten. Das Werk kostet 13 Euro und wird über den Tübinger Verlag für Volkskunde e.V. vertrieben.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Lesenswert 43: Gewaltdebatte

Blog: Killerspieldebatte zum Computerspielepreis 2012

Blog: Computerspiele als Quelle für soziale Interaktion

Web: Christoph Bareithers Vita

Web: Counterstrike auf Wikipedia

Web: Buchrezension: Ego-Shooter Spielkultur

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