veröffentlicht von Martin Lorber am 09. September 2015

eSport: Spieler, Teams und Organisationen

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In den letzten 10 Jahren schauten wir beim Thema eSport staunend nach Südkorea. Dort feierten die Zuschauer die eSportler als Stars, die ihr Hobby dank hoher Preisgelder als Profis betreiben konnten. In Deutschland zu diesem Zeitpunkt fast undenkbar. Inzwischen muss niemand mehr zwingend nach Südkorea schauen. eSport entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem globalen Phänomen. Die Top-Spieler kommen aus aller Herren Länder und wichtige Turniere finden auf der ganzen Welt verstreut statt. Im folgenden Beitrag möchte ich einen kleinen Ausschnitt deutscher Topspieler sowie die wichtigsten Institutionen und Veranstaltungen vorstellen. Natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

„League of Legends“ mit vielen Stars

Als eine der beliebtesten Spiele bringt „League of Legends“ (LoL) eine Menge bekannter Spieler hervor. Ein Urgestein ist sicherlich Kevin Rubiszewski (kev1n). Der 22-jährige nahm schon an der ersten Weltmeisterschaft 2011 teil. Während seiner Karriere spielte er für viele großen Teams, wie SK Gaming, Alternate, NiP, Millenium und zuletzt Elements. Aktuell positioniert er sich verstärkt als deutscher Streamer und YouTuber.

 

Kevin Rubis­zew­ski gamesports.net
Kevin Rubis­zew­ski gamesports.net

Ocelote: Millionär dank eSport

Eine spannende Karriere legte auch der Spanier Ocelote hin. Vor seiner LoL-Karriere war Ocelote professioneller „World of Warcraft“ (WoW) Spieler. Als LoL-Spieler war er jahrelang das Gesicht des deutschen Teams SK Gaming und insbesondere für seine Emotionen und Leidenschaft bekannt. Nach seinem Ausstieg bei SK Gaming gründete Ocelote mit Gamer 2 sein eigenes Team. Anfang 2015 entschied er sich für eine Karriere vor der Kamera. Als Streamer erkannte er wahrscheinlich als einer der ersten den Wert guter Eigenvermarktung. Mittlerweile besitzt er sein eigenes Team sowie eine eigene Firma und kann ohne Zweifel als Selfmade-Millionär bezeichnet werden.

Aushängeschild der „FIFA“-Szene

Wie beim „echten“ Sport gibt es immer wieder Athleten, die über Jahre das Bild der Sportart prägen. Bei dem in Deutschland so beliebten „FIFA“ sind es ganz eindeutig die „FIFA“-Twins. Die Zwillinge Daniel und Dennis Schellhase gelten zu Recht als die erfolgreichsten „FIFA“-Spieler der Welt. Unvergessen ist zum Beispiel, wie sie 2003 zu Beginn ihrer Karriere im Finale der World Cyber Games on Seoul aufeinandertrafen und Deutschland somit Silber und Gold sicherten. Die Schellhase Brüder gehörten zu den ersten eSportlern in Deutschland für die sich die Medien interessierten. Berichte und Auftritte im TV, Print sowie Radio und ihre Beteiligung an einigen Werbekampagnen machten sie deutschlandweit bekannt. 2010 beendeten sie mit 27 ihre Karriere, die sie zum Großteil bei SK Gaming verbrachten.

Turtle Entertainment und die ESL

Viel mehr noch als einzelne Spieler haben jedoch bestimmte Institutionen, Teams und Unternehmen dem eSport ihren Stempel aufgedrückt. Eine der wichtigsten Institutionen des globalen eSports hat ihren Sitz in Deutschland. Genauer gesagt in Köln. Das 2000 gegründete Unternehmen Turtle Entertainment betreibt von Köln aus mit der Electronic Sports League (ESL) wahrscheinlich DIE eSports Hauptanlaufstelle. Mit der ESL etablierte Turtle Entertainment erstmals ein internationales Ladder- und Ligasystem, über das sich die Spieler vergleichen können. Aktuell arbeiten ca. 250 Leute für die ESL. In fast allen Disziplinen gehören die Turniere der ESL zu den prestigeträchtigsten. Mehr als 300 Kanäle übertragen auf Twitch Spiele der ESL. Eine tolle Erfolgsgeschichte.

Über das Jahr verteilt finden auf der ganzen Welt eine Vielzahl von Turnieren statt, meist eingebettet in ganze Turnierserien. Hier kommt man um die ESL nicht herum. Über 5 Mio. registrierte Spieler und über 1 Mio. registrierte Teams messen sich regelmäßig in über 50 Spiele. Zuletzt spielten in der Kölner Lanxess Arena bei der ESL One die besten „Counter-Strike“-Spieler um 250.000 Dollar Preisgeld. Die hier zum ersten Mal durchgeführten Dopingtests fielen übrigens allesamt negativ aus.

SK Gaming: eSport Team der ersten Stunde

Dabei fing alles so bescheiden an. Gegründet wurde Turtle Entertainment von Ralf Reichert, der zu dem Zeitpunkt der Gründung kein unbeschriebenes Blatt im eSport war. Gemeinsam mit seinen beiden Brüdern und einigen Freunden rief er drei Jahre zuvor eines der bis heute erfolgreichsten Teams ins Leben: Das Schröt Kommando. Inzwischen besser bekannt als SK Gaming. SK Gaming trieb schon früh die Professionalisierung des eSport durch feste Gehälter voran. Inzwischen hat das Team mehr als 50 der Top-Spieler, verteilt auf fast alle wichtigen Spiele, unter Vertrag und ist bei den meisten großen Turnieren recht erfolgreich vertreten.

Riot Games und League of Legends

Ein weiterer wichtiger Mitspieler im eSport ist Riot Games. Gestartet als Entwickler des außerordentlich erfolgreichen „League of Legends“ nimmt Riot inzwischen eine Vielzahl von Rollen ein. Unter anderem organisiert Riot eine eigene Liga/Turnierserie für LoL. Die League Championship Series (LCS) hat bei LoL die ESL in Punkto Spielniveau inzwischen überflügelt. Riot erkannte sehr früh, wie wichtig die Spieler für sie sind. Damit diese sich komplett auf den eSport konzentrieren können, bezahlt Riot allen Teilnehmern der Turnierserie ein fixes jährliches Gehalt. Unabhängig von dem Gehalt, das sie von ihren Teams beziehen. Sie sind einzigartig in der Branche und der Erfolg gibt ihnen Recht.

Die genannten Spieler, Institutionen, Teams und Turniere machen natürlich nur einen kleinen Anteil der eSport-Szene aus. In Zukunft plane ich, mich auch immer wieder etwas intensiver mit einzelnen Spielern, Teams und Turnieren auseinanderzusetzen. Hier bin ich natürlich offen für alle Hinweise auf interessante Gesprächspartner oder Geschichten.

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