Wut und Hass online
veröffentlicht von Martin Lorber am 09. September 2014

Es sind nur Spiele! Wut und Hass haben in der digitalen Spielkultur nichts zu suchen!

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Heute möchte ich ein Thema ansprechen, dass mir nun schon seit einigen Tagen auf dem Herzen liegt. Und zwar geht es um die teils erschreckende Anfeindungen, denen Anita Sarkeesian für ihre Kritik an der Darstellung von Frauen in digitalen Spielen ausgesetzt ist. Hintergrund der Geschichte: Die Bloggerin und Kommunikationswissenschaftlerin hat via Kickstarter Geld für eine Serie von Videos gesammelt, die sich objektiv und wissenschaftlich untermauert mit wiederkehrenden Rollenbildern und Stereotypen von Frauen in Videospielen befassen.

Schon während des Kickstarter-Prozesses waren die Reaktionen erschreckend. Sarkeesian wurde beleidigt und aufs übelste beschimpft. Auch von Spielern, die sich von einer Frau, die selber nicht spielt, „IHR“ Hobby doch bitte nicht vermiesen lassen wollen. Schon damals fand ich diese Reaktionen befremdlich. Als überzeugter Spieler sollte man doch genug Vertrauen in das Medium haben, dass dieses einer kritischen Auseinandersetzung mit den eigenen Inhalten gewachsen sei. Viele benehmen sich so, als ob sie persönlich von den Videos beleidigt werden und scheinen eine Debatte um Sexismus in Spielen mit allen Mitteln verhindern zu wollen. Als Anita Sarkeesian kürzlich das jüngste Video der Reihe veröffentlichte, traf sie erneut ein Schwall übler Reaktionen aus den sozialen Medien. In diesem Fall war es wohl noch schlimmer als sonst, so dass sich Frau Sarkeesian aufgrund der Drohungen selbst in ihrem eigenen Heim nicht mehr sicher fühlte. Ein großer Teil der Presse berichtete.

Nun ist es an sich schon schlimm genug, dass jemand aufgrund der eigenen Meinung, die dazu noch niemanden persönlich angreift, Bedrohungen und Beschimpfungen übelster Art ausgesetzt wird. Hinzu kommt der Umstand, dass eine kleine Gruppe unter der Spielerschaft es schafft, ein schlechtes Licht auf digitale Spiele und deren Spieler im Allgemeinen zu werfen. Die Berichterstattung zum Thema stellt erneut den gerade überwundenen Stereotyp des gewaltbereiten und infantilen Spielers in den Vordergrund. Insbesondere ein Zitat aus Spiegel Online ist mir hier ins Auge gefallen. „Einerseits möchte man unter diesen Umständen wirklich keiner Frau empfehlen, sich in die Spieleindustrie zu begeben und sich diesem Hass auszusetzen.“ Die vermeintlichen „Verteidiger“ digitaler Spiele verursachen einen beträchtlichen Schaden am Ruf der Community.

Es ist schade! In den letzten Jahren haben es alle Beteiligten mit großen Anstrengungen geschafft, die öffentliche Diskussion um das Medium immer stärker auf eine sachliche Ebene zu führen. Dass jetzt in dieser durchaus zu Recht von Sarkeesian angestoßenen Debatte von einem kleinen Teil der Spielerschaft mit Wut und sogar Hass an das Thema herangegangen wird, ist erschütternd. Die Videos von Anita Sarkeesian regen zur Diskussion an und leisten damit schon einen Beitrag zur Entwicklung des Mediums. Man kann ja über die Videos und deren Inhalte diskutieren, aber bitte stets sachlich und ohne persönliche Angriffe. Die Art und Weise wie auf die Aussagen von Anita Sarkeesian reagiert wird, ist mehr als unangemessen und schlicht nicht akzeptabel. Wut und Hass dürfen in der digitalen Spielkultur nichts zu suchen haben!

Kommentare
  1. Richard sagt:

    Genau so sieht´s aus. Videospiele sind Unterhaltung und sollten es bleiben. Manche Menschen nutzen Games als Vorwand, damit sie ihren Frust auf andere abladen. Armseliges Verhalten. Danke für den Text!

  2. Chris sagt:

    Tatsache ist, dass Anita vor ihrer Tropes vs Woman in Videogames Serie schon in der Kritik stand, wegen ihrer radikalen feministischen Ansichten gegenüber Filmen. Die ihrer Meinung nach zu einer zu einer Vergewaltigungskultur führen würden. Auch in ihrer Serie Trops vs Woman hat sie untermauerte sexismus Thesen als Wahrheit verkauft, Sachen aus dem Kontext gerissen, nur einseitig Recherche betrieben zu ihrer Meinung, sich nur auf das Negative konzentriert, sich abwertendend geäußert gegenüber dem Medium und Konversationen verhindert, indem sie die Kommentarfunktion unter ihren Videos deaktiviert hat. Anita wahr kein unbeschriebenes Blatt und wurde auch damals schon von einzelnen radikalen Elementen bedroht, so wie es heute noch immer der Fall ist.

    Das Problem ist, dass wir Videospieler immer angegriffen wurden von außen, ja von außen, den Anita hat schon klar gemacht das sie eine Gelegenheitsspielerin ist. Wir wurden von der Gesellschaft angegriffen, von anderen Medien, von Frauen bevor es cool wurde zu spielen, ja sogar von unseren eigenen Müttern hagelte es Kritik. Durch diese entwicklungen haben viele Spieler einen gesunden Drang entwickelt das Medium zu verteidigen. Dieser Drang, schlägt aber bei den Leuten die nicht richtig Argumentieren können, ins negative. Unter dem Deckmantel der Anonymität, begehen diese Taten die nicht akzeptabel sind.

    Ich stelle die These auf, Anita weiss wie sie provozieren kann, mit kleinen Fehlern, Tatsachen verdrehen, einseitigen Berichten, abwertenden Äußerungen, und indem sie Unwissenheit über das Thema durchblicken lässt. Auch dadurch das sie nicht einmal versucht ihren eigenen unlatenten sexismus zu verdecken. Nun ist es aber so, dass Anita den Hass der gegen sie gewendet wird, benutzt um Ihre falschen sexismus Vorwürfe zu etablieren, als Faken und Wahrheit, egal wie fern diese von der Realität entfernt sind.

    Es ist auch schwer zu unterscheiden wo die normale Sexualisierung eines Mediums für Erwachsene aufhört und wo Sexismus beginnt. Sexualisiertheit ist nicht gleich sexistisch. Sonst wären Frauen Liebesromane, ausnahmslos hoch sexistisch, unterdrückend und extrem misandrisch gegen Männer. Die Realität darstellen sollte auch nicht verboten sein und es gibt Sexarbeiter und es gab schon immer Sexarbeiter. Was Frau Sarkeesian will ist Zensur in Form der Selbstzensur und das ist schlicht nicht akzeptabel.

    1. Vielen Dank für Ihren Kommentar. Wie ich schon in dem Beitrag schrieb, ist es völlig in Ordnung, Inhalt, Handwerk und vielleicht auch Ziel der Videos von Anita Sarkeesian zu kritisieren. Sie selbst führen dazu ja einige durchaus nachvollziehbare Punkte auf. Kritik und Diskurs sind immer erlaubt, ja sogar erwünscht. Davon lebt und dadurch entwickelt sich die Kultur ebenso, wie die Politik und die Wissenschaft.

      Was allerdings niemals erlaubt sein sollte, sind Drohungen, Beleidigungen und Anfeindungen. Da kann man von Anita Sarkeesian, ihrem Verhalten oder ihrer Arbeit halten, was man will. So geht das einfach nicht. Diejenigen, die sich dieser Mittel bedienten, haben es geschafft, nicht nur Sarkeesians Kritiker, sondern auch digitale Spiele und deren Spieler im Allgemeinen in ein sehr schlechtes Licht zu rücken und die Fronten der Diskussion zu verhärten. Die Schuld liegt in meinen Augen ausschließlich bei denjenigen, die aggressiv reagiert haben.

  3. Dennis sagt:

    Was mein Vorredner Chris schlidert ist korrekt.
    Zudem finde ich es es sehr befremdlich wie sie eine ganze Spielekultur mit Lügen, Unterstellungen und Falschdarstellungen diffamiert, sich jeglicher kritischer Diskussion entzieht und dann die zurecht verärgerte Spielergemeinde als diffamierend und nicht kritikfähig hinstellt.
    Und die empörte Spielergemeinde dann auch noch als Ausrede benutzt sich der berechtigten Kritik nicht stellen zu müssen da nun eine angebliche Hasskampagne gegen sie läuft. Welche zudem die Existenz der von Feministen propagierten Männerverschwörung (das Patriachat) beweisen soll.

    Schon ziemlich perfide das Ganze.
    Noch perfider wird es, als sie ihre „wissenschaftlichen Quellen“ angibt: Wikipedia und 4Chan. Beides weder Quellen noch wissenschaftlich. Ein Hohn.

    Das alleine ist schon übel genug aber durchaus noch zu verkraften. Richtig ernst ist es für viele erst daduch geworden, das ihre Frauen und Männer diffamierenden Videos bereits regelmässig in amerikanischen und kanadischen Schulen vorgeführt werden und sie von Spieleentwicklern ausgezeichnet wurde.
    Ihrem Ziel den Feminismus (=Bevorzugung der Frau verkleidet als Gleichberechtigung) in die Spielekultur zu bringen steht die Mehrzahl an Spielern ablehnend gegenüber da sie (miteinander) Spielen wollen und keinen unsinnigen Geschlechterkampf führen.

    Wenn ihr also einmal einer (geliebten oder nicht) Frau in Not helfen wollt und ein Mann seid, geht lieber nach Hause und überlasst sie ihrem Schicksal -sonst seit ihr laut Anita Sarkeesian, sexistisch, objektiviert und unterdrückt die Frau. Kurz gesagt: Männlicher Abschaum. Seid ihr aber eine Frau, seid ihr heldenhaft und ein Vorbild. Aber nein -das ist doch keine Doppelmoral, das ist Feminismus!

    Dieser Mario ist schon ein fieser Sexist und Unterdrücker der nur seinen Besitz zurückhaben will. Arrgh!

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