BU: Softwaresammlung des Computerspielemuseums Berlin
veröffentlicht von Martin Lorber am 11. November 2016

Weltweit größte Sammlung von Computerspielen bald in Deutschland

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Steht die weltweit größte Sammlung von digitalen Spielen demnächst in Deutschland? So wie es aussieht ja, denn der Deutsche Bundestag hat beschlossen zu diesem Zweck Mittel zur Verfügung zu stellen. Durch die Zusammenlegung der Bestände des Computerspielemuseums, der USK, der Computerspielesammlungen des Zentrums für Computerspielforschung der Universität Potsdam (DIGAREC) und der Zentral- und Landesbibliothek Berlin soll eine Sammlung mit mehr als 50.000 Computer- und Videospielen entstehen.

Archivierung von digitalen Spielen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Eine tolle Neuigkeit, da die Archivierung von digitalen Spielen eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Schließlich muss das Kulturgut “digitales Spiel” für die Nachwelt erhalten und erfahrbar bleiben. Die Tage fand in Köln die „Clash of Realities – International Conference on the Art, Technology and Theory of Digital Games“ statt. Hier befassten sich Experten mit Fragen und speziellen Anforderungen der Erhaltung, Restaurierung, Archivierung und musealen Bewahrung von digitalen Spielen. Der passende Summit (Save the Game – Games Preservation) lag mir persönlich besonders am Herzen.

Weltweit einzigartiger Bestand

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat die Realisierung der weltweit größten Sammlung für Computer- und Videospiele beschlossen und dafür Mittel ab 2017 zur Verfügung gestellt. Durch den weltweit einzigartigen Katalog und die Expertise der Initiatoren wird die Computerspielesammlung sicherlich zu einem international beachteten Leuchtturm für das Kulturgut Computerspiele. Die Unterstützung des Deutschen Bundestages untermauert die große Bedeutung der Bewahrung dieses kulturellen Erbes mit Blick auf den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Deutschland.

Die zwei Phasen des Projekts

In der ersten Phase 2017 schaffen die Beteiligten eine gemeinsame öffentlich zugängliche digitale Datenbank. Die zweite Phase bündelt die Sammlungen dann physisch an einem Standort zur öffentlichen Nutzung. Initiiert wurde das Projekt von Computerspielemuseum-Direktor Andreas Lange, USK- und bald BIU-Chef Felix Falk, Michael Liebe (DIGAREC, Games Week Berlin) und Peter Tscherne, dem Geschäftsführer der Stiftung Digitale Spielekultur, welche das Projekt koordiniert und organisiert.

Synergieeffekte bieten einmalige Möglichkeit für die Archivierung digitaler Spiele

Bereits für sich selbst genommen sind die bestehenden Archive der Projektpartner beachtlich. Das Computerspielemuseum Berlin verwaltet einen Bestand von 25.000 Datenträgern, 120 Konsolen und Computersystemen sowie über 12.000 Zeitschriften. Es gehört wie auch die Dänische Nationalbibliothek zu den Mitgliedern des EFGAMP, der „European Federation of Game-Archives, Museums and Preservation Projects“. Das Archiv der USK umfasst zusätzlich mehr als 20.000 Spiele seit 1994. Die Zusammenführung der Computerspielebestände und die Bündelung des Fachwissens bieten folglich eindeutig neue Möglichkeiten für deren Erschließung und Erhalt.

Wichtiges Zentrum für die globale Öffentlichkeit

Ein wissenschaftlich fundiertes Konzept zur Langzeiterhaltung trägt zur effektiven und adäquaten Erschließung bei. Mit der geplanten Sammlung für Computer- und Videospiele entsteht ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt für die nationale Bewahrungsstrategie des kulturellen Erbes, der – und auch das ist ein entscheidender Punkt – für die globale Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Auch dank anderen internationalen und nationalen Sammlungen wie bspw. dem Video Game Pioneers Archive in Washington, D.C. oder dem „Haus der Computerspiele“ in Leipzig, wird so der Geschichte digitaler Spiele, ihrem Erbe sowie der digitalen Spielkultur weltweit immer mehr Anerkennung zuteil.

So darf man gespannt sein, welche Exponate in Zukunft ihren Platz in den Museen dieser Welt einnehmen werden. Die Transformation der Spieleindustrie und ihrer Geschäftsmodelle ist weiterhin spannend zu beobachten und bietet definitiv großes Potential für neue bahnbrechende Technologien und Innovationen, die es zukünftig ebenfalls zu dokumentieren gilt.

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