Interview mit BIU-Geschäftsführer Felix Falk: Politische Themen im Fokus der Gamesbranche
veröffentlicht von Martin Lorber am 11. November 2015

Talk@BIU: „Financing the next level“

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Am 11. November veranstaltete der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware BIU mit Talk@BIU seinen ersten Parlamentarischen Abend in Berlin. Es ging um die Frage der Finanzierung der Computer- und Videospielbranche in Deutschland. Mit rund 100 Gästen, darunter Vertreter der Bundesregierung und Abgeordnete des Bundestages und verschiedener Landtage, gelang den Veranstaltern ein erfolgreicher Aufschlag. Der BIU knüpfte mit Talk@BIU in gewisser Weise an die Veranstaltungsreihe „Political Gamers“ in Berlin an.

Talk@BIU zu Finanzierung der Gamesbranche

Maximilian Schenk, Geschäftsführer des Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware, machte gleich zu Beginn von Talk@BIU klar, dass es in Deutschland zwar eine ganze Reihe hervorragender Leuchttürme – seien es Entwicklungsstudios oder auch Publisher – gäbe, der Anteil der in Deutschland entwickelten Spiele am deutschen Gesamtmarkt mit sieben Prozent aber sehr gering sei. „Deutschland ist ein international bedeutender Absatzmarkt, aber kein relevanter Produktionsstandort.“ Er stellte zugleich fest, dass die Branche keine Förderung um ihrer selbst willen möchte, sondern dass es zunächst eine Vision braucht.

Förderung der Gamesbranche mit Vision

Dabei könnten folgende Fragen diskutiert werden: „Wollen wir kulturelle Vielfalt sichern?“ „Wollen wir eine Art Nachteilausgleich, weil der deutsche Heimatmarkt viel kleiner ist als beispielsweise der englischsprachige?“ „Wollen wir deutsche Werte in die Welt tragen?“ Der BIU hat einiges dazu schon seinem Positionspapier Agenda 2020 formuliert und dabei sowohl den Mittelstand als auch große Unternehmen sowie die Indie-Szene im Blick. Wichtig sei dabei aber, dass man eine medienspezifische Diskussion führe und nicht einfach Modelle des Buchhandels, der Presse oder des Films übertrage.

Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Dorothee Bär, beim Talk@BIU in Berlin.
Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Dorothee Bär, beim Talk@BIU in Berlin.

Deutscher Computerspielpreis zentrales Förderinstrument

Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Dorothee Bär, pflichtete Maximilian Schenk darin bei, dass der Anteil an Produktionen aus Deutschland zu gering sei. „Wir wollen besser werden!“ Eher skeptisch war sie bei der Frage, ob wir via Computerspiele deutsche Kultur exportieren können. Das funktioniere schon beim Film nicht besonders gut. Das zentrale Förderinstrument des Bundes sei der Deutsche Computerspielpreis, daneben gäbe es aber auch schon jetzt viele Fördertöpfe in Bund und Ländern, die Entwickler anzapfen könnten. An den BIU richtete sie den Aufruf, zu Veranstaltungen wie dem Talk@BIU auch die für die Verteilung der Gelder verantwortlichen Politiker aus den Haushaltsausschüssen einzuladen.

Deutschland international 3. Liga

Dr. Klemens Kundratitz, Vorstandssprecher des BIU und Geschäftsführer von Koch Media, machte in deutlichen Worten klar, dass Deutschland dabei sei, den internationalen Anschluss zu verlieren. „Wir spielen eigentlich in der 3. Liga.“ Dem pflichtete Benedikt Grindel, Studio Manager von Blue Byte, bei. Er berichtete davon, wie schwierig es immer wieder sei, im Wettbewerb der Standorte Kanada, Großbritannien und Frankreich Projekte nach Deutschland zu holen, weil die Rahmenbedingungen finanziell und auch personell in Deutschland einfach viel schlechter seien. Wenn überhaupt Fördergelder in Frage kämen, wäre es unglaublich kompliziert und aufwändig, die Anträge zu stellen.

Prof. Dr. Linda Breitlauch von der Hochschule Trier betonte die Bedeutung der Förderung von Start-ups und kleineren Indie-Studios, die erst einmal eine Chance bekommen müssten, überhaupt Spiele zu realisieren. Das sei die Voraussetzung, dass man auch hier auf Welterfolge wie Minecraft hoffen dürfe.

Diskussionstunde beim Talk@BIU in Berlin.
Diskussionstunde beim Talk@BIU in Berlin.

Mehr Bewusstsein auf Seiten der Politik vonnöten

Die Bundestagsabgeordneten Thomas Jarzombek (CDU) und auch Dieter Janecek (Bündnis 90/Die Grünen) waren sich mit Lars Klingbeil (SPD) zwar darin einig, dass die Computerspielbranche eminent wichtig und dynamisch sei und Arbeitsplätze und Hochtechnologie schaffe. Wie stark sich der Staat hierbei einmischen und ob man in einen Subventionswettbewerb eintreten solle, sei allerdings zu diskutieren. Lars Klingbeil machte schlussendlich noch einmal deutlich, dass die Aufgabe der Branche darin bestünde, das gewaltige wirtschaftliche Potenzial noch mehr ins Bewusstsein der Politik – vor allem der Haushaltspolitiker — zu rücken. Bisher sei eigentlich nicht klar gewesen, wie dramatisch es um den Produktionsstandort Deutschland im internationalen Wettbewerb bestellt sei. „Das nehmen wir mit.“

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