Künstliche Intelligenz (KI)
veröffentlicht von Martin Lorber am 04. April 2016

Künstliche Intelligenz in Videospielen

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Die Filmkultur beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit künstlicher Intelligenz (KI): Meist mit einem Blick auf ihre möglicherweise negativen Folgen. Man denke nur an 2001: Odyssee im Weltraum (1968), Blade Runner (1982), Matrix (1999) oder Ex Machina (2015). Dabei sollte man die positiven Folgen der Entwicklung künstlicher Intelligenz wirklich nicht unter den Tisch kehren: Schon heute erleichtern uns eine Menge kluger Maschinen den Alltag. Unternehmen, die Haushalts-, Pflegeroboter für Senioren oder intelligente medizinische Werkzeuge entwickeln, winkt eine rosige Zukunft.

Und ja auch das: Künstliche Intelligenz ist einer der wichtigsten Multiplikatoren für Spaß in Videospielen. Und das nicht nur, weil bspw. in System Shock oder Portal „lebendige“ KIs zu den Gegnern zählen.

Eine gute KI untermauert eine lebhafte Spielerfahrung

Die ersten Videospiele in den 1970er Jahren ließen sich noch ausschließlich zu zweit spielen. Auch später waren selbst bei Einzelspieler-Titeln die Wege und Reaktionen der Gegner zunächst fest vorgegeben. Heutzutage ist künstliche Intelligenz aus Videospielen allerdings nicht mehr wegzudenken.

Abseits von Schach- oder Wirtschaftssimulationen spielte künstliche Intelligenz für ein größeres Publikum ab Ende der 1990er Jahre insbesondere bei  Ego-Shootern wie Half-Life eine Rolle. Gerade im Zuge der neuartigen Multiplayer-Shooter wie Battlefield, Counter-Strike oder Quake wurden sogenannte Bots programmiert, gegen die man offline trainieren konnte. Das Gefühl gegen echte Gegner zu kämpfen, ihre Reaktionen nicht endgültig abschätzen zu können und gar von ihnen überrascht zu werden, ist bis heute eine der wichtigsten Komponenten um ein Spiel glaubwürdig, atmosphärisch und damit „echt“ wirken zu lassen. Alan Kertz, Lead Gameplay Designer bei EAs DICE Studio, bringt dies auf den Punkt:

„Good AI (Artificial Intelligence) pulls the player into the game and improves the experience.”

Lerneffekt durch einschätzbare Umwelt

Wurde früher in Strategiespielen wie Command & Conquer oft noch durch den Computergegner gecheatet – beispielsweise um an eigentlich unzugängliche Ressourcen zu kommen – ist dies aufgrund der Weiterentwicklung von künstlicher Intelligenz nicht mehr in diesem Maße notwendig. Um menschlicher zu wirken, muss sie natürlich auch Fehler machen dürfen. Dasselbe gilt für Rennspiele wie Need For Speed, Sportsimulationen wie FIFA oder Open-World-Spiele wie Assasin‘s Creed oder GTA V. Die Spielwelt wirkt durch die von einer guten künstlichen Intelligenz gesteuerten Handlungen und Reaktionen von Gegnern oder NPCs wesentlich glaubwürdiger.

„We use AI systems to provide gameplay to players in the form of actors that can respond to the game world in ways that appear intelligent to the player. That might mean cars that can navigate a track in a racing game like Need for Speed, or soldiers who can navigate a level in Battlefield. AI in videogames is quite different from what you may think. These are intelligent and believable systems: The player can learn and predict behavior in order to create a situation the player can conquer.”

Die Mischung macht’s

Allerdings – so Kertz – sollte die künstliche Intelligenz in Spielen weder zu gut noch zu schlecht sein; eine große Herausforderung für die Entwickler:

“AI is easily one of the most critical parts of any video game that requires such a technology. If the AI is too smart or too good, it loses its fun factor, and if the AI is not well designed or implemented it can often end up looking like not enough of a challenge, or failing to react to the game world at all. In our experience users react the best to AI that balances these two, which provide challenging and immersive experiences which can be defeated through the player’s own skill, without the feeling that the game is unbeatable.”

Eine gute KI trägt enorm zur Dynamik der Spielwelt bei

Natürlich muss gerade in Actionspielen die künstliche Intelligenz auch mit einer wirklichkeitsgetreuen visuellen Darstellung einhergehen. Bewegungen sollten beispielsweise flüssig und zur jeweiligen Situation passend dargestellt werden. Eine Aufgabe, die mit neuen Spiele-Engines wie EA’s Frostbite jedoch immer dynamischer gemeistert werden kann:

“The continued demands on improved visual fidelity in games makes some new demands on AI. AI in games traditionally has been about finding the best action to take. New developments in AI, especially with humanoid AI actors, are focused on making them feel more real. AI has begun to control their animations and reactions in order to enable them to appear more realistic. A smart decision with a stiff animation will stand out in today’s High Definition gaming environment, and AI technology connected in systems like EA’s Frostbite allow game developers to have fluid movement that is demanded from players.”

KI – Ein wichtiges Rad im großen Getriebe

Eine gute – also zur Mechanik des Spiels passende – KI ist einer der wichtigsten Bausteine bei der Entwicklung eines Computerspiels. So entsteht beispielsweise im Zusammenspiel mit einer nachvollziehbaren Physik-Engine, einer passenden Spielumgebung, einer stimmungsvollen Sound-Kulisse (Geräusche, Musik, Sprache, …) und einer ausgeklügelten Spielmechanik eine dynamische Spielwelt, die den Spieler im besten Fall geradezu „einsaugen“ kann. Da auch der narrative Gehalt in vielen Spielen immer wichtiger wird, spielen auch gute Synchronsprecher oder Erzähler eine wichtige Rolle. Die Audio-Aufnahmen sollten optimaler Weise perfekt zur KI der virtuellen Charaktere bzw. zur jeweiligen Spielsituation passen und damit das Gefühl einer dynamischen und durch den Spieler beeinflussbaren Welt vermitteln.

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