Seit 2001 in Köln: Electronic Arts
veröffentlicht von Martin Lorber am 08. August 2016

Köln als Epizentrum der Spieleindustrie? Studie von Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow

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Während der gamescom sprechen alle von Köln gerne als “Spielehauptstadt”. Zu Recht? Diese Frage stellt und beantwortet Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow in seiner Studie “Cologne Games Project” im Auftrag der Stadt Köln.

Köln während der gamescom unbestrittene Hauptstadt der Games

Fast eine halbe Million Menschen reisen zur gamescom nach Köln, um Computer- und Videospiele in ihrer ganzen Bandbreite zu erleben. Die Leute spielen und sprechen über die neuesten Entwicklungen, Angebote, Plattformen und natürlich über die Games-Industrie an sich. Experten reisen von überall her an, um an Entwicklerkonferenzen, wie GDC oder Respawn, teilzunehmen und das bunte Programm drumherum mit Kulturfesten, Kongressen und anderen Fachveranstaltungen zum Thema Games zu genießen. Die gamescom als globales Event, über das die Medien weltweit berichten.

Spieleindustrie in Köln: Eine Studie

Doch wenn all die Publisher, Entwickler, Journalisten und Spielefans wieder abziehen, wie sieht es dann aus? Eine Studie von Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow im Auftrag der Stadt Köln sieht hier noch Handlungsbedarf. Gleichzeitig entwickelt Lietzkow klare Handlungsempfehlungen für einen erfolgreichen Ausbau des Games-Standortes Köln. Auch ich habe an dieser Stelle schon letztes Jahr darauf hingewiesen, dass die Förderung der Computerspielbranche in Köln wichtig ist. Von daher begrüße ich die vorgeschlagenen Maßnahmen ausdrücklich. Schon 2012 führte ich ein Interview mit Müller-Lietzkow zur Gründung eines Kompetenzzentrums für Game Studies. Er sprach damals mit mir über seine Hoffnungen, die Zukunft der deutschen Gamesindustrie und die Hürden im deutschen System.

Spieleindustrie in Deutschland: Anreize für die Spieleindustrie sind auch anderswo groß

Mit einer eigenen Niederlassung sind wir von Electronic Arts seit 2001 in Köln stark vertreten. Auch die ESL hat ihr zu Hause in der NRW-Metropole gefunden und bietet eSport-Events wie die ESL ONE. Aber andere Städte sowie Bundeslänger ziehen mittlerweile davon. Insbesondere bei der internationalen Bedeutung von Unternehmen, ragen hier viel mehr die Produktionsstandorte Hamburg, Berlin, München und Frankfurt heraus.

“Ein durchaus nüchternes Gesamtbild“ zeichnet Müller-Lietzkow in seinem Fazit zu Köln als Spielestandort. Die Anzahl an Entwicklungsstudios ist aus seiner Sicht ebenso überschaubar (21) wie deren Bedeutung im Gesamtmarkt.

 

Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow
Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow

Köln bietet Potential – Virtual Reality als Motor

Potential sei allerdings vorhanden – und genau dies gilt es mit Hilfe der vorgeschlagenen Strategie auch auszuschöpfen. Ein Dachprogramm, ein starkes Regionalnetzwerk und besondere Akzente sollten dazu beitragen, für Köln eine maßgeschneiderte Industrie zu entwickeln. Die vorgeschlagenen Maßnahmen schlagen mit knapp 250.000 Euro im Jahr zu Buche, sind aber aus der Sicht des Autors durchaus als moderat zu verstehen.

CGP – Cologne Games Project

Das erste in der Studie vorgeschlagene Maßnahmenpaket trägt den Namen „Cologne Games Project“ (CGP). Ziel: Bestehende Industrieunternehmen nach Köln locken als auch die Gründung von Startups vorantreiben. Als Koordinierungsstelle würde dabei das CGP fungieren. Zusätzlich soll mit dem Cologne Games Hub (CGH) ein Startup-Inkubator geschaffen werden. Aufgabe des CGH sei es dann beispielsweise Co-Working-Flächen für junge und kleine Unternehmen anzubieten. Ebenso möchte man durch das CGH die Ansiedlung von Niederlassungen größerer Entwicklerstudios aus dem (asiatischen) Ausland kolportieren- ähnlich wie in Berlin mit Riot, King oder Epic Games. Ziel dabei: Die Entstehung neuer nationaler Publishers oder aber die Verlagerung der Sitze von bereits bestehenden Unternehmen nach Köln.

CGE – Cologne Games Events

Dieses Paket aus Handlungsempfehlungen bezieht sich auf die Positionierung der Games-Industrie in Köln und die Events (wobei sich die bestehenden Events nicht kannibalisieren sollen). Investorenkonferenzen oder eine auf das aktuelle Thema Virtual Reality ausgerichtete Konferenz sollen die Games-Industrie in Köln verankern, andere Industrien als Partner anlocken und das Image von Köln als “Medienstadt” stärken. Auch die Ausweitung der eigenen Präsenz des Standorts Köln auf internationalen Messen und Events stünde im Rahmen eines Gesamtkommunikationskonzepts des CGP im Mittelpunkt.

CGL – Cologne Game Lab

Die TH Köln und das Cologne Game Lab (CGL) müssten ihrer starken Ausgangsbasis noch mehr gerecht werden. Dazu notwendig wäre ein stringenter Ausbau in Richtung internationaler Wettbewerbsfähigkeit und klarer Industrieorientierung. Vor allem auch das Thema Virtual Reality könnte dazu beitragen, das CGL als Flaggschiff der Ausbildung in Köln zu positionieren. Dazu gehört auch eine “Gamescom-Gastprofessur”, die einen Forschungs- und Lehrauftrag innehaben soll.

Cologne Games Project: Nicht ohne Risiko, trotzdem notwendig

Ich bin definitiv gespannt, wie Politik, Wirtschaft und Bildungsträger auf die Empfehlungen der Studie reagieren. Müller-Lietzkow ist sich des Risikos – aber auch der Notwendigkeit der von ihm vorgeschlagenen Maßnahmen bewusst:

“Es bedarf des Mutes diesen Weg zu gehen, auch wenn ein Restrisiko des Scheiterns wie bei jedem StartUp bleibt. Ziel des Cologne Games Project (CGP) muss es sein, dass spätestens 2021, wenn es bei den großen Konferenzen und bei Unternehmensentscheidungen um die Wahl eines Standorts geht, Köln als eine herausragende Alternative gesehen wird – dann erst werden aus 8 Tagen jährlich 365(+1) Tage, an denen man zu Recht sagt: Köln ist Europas Hauptstadt der Games.”

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