2014 besuchten rund 335.000 Menschen aller Altersklassen die gamescom. Für den Jugendschutz sorgt die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Quelle: gamescom
veröffentlicht von Martin Lorber am 01. Januar 2016

Jugendmedienschutz: USK Studie zur Einstellung von Eltern

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Beim Jugendmedienschutz schauen alle Beteiligten meist zuerst auf Einstellungen und Verhalten von Kindern und Jugendlichen. Viele Studien, wie miniKIM, KIM und JIM zeigen ein recht umfängliches Bild auf. Der reine Blick auf Kinder und Jugendliche greift allerdings ein wenig zu kurz. Fast genauso wichtig sind die Eltern. Denn Jugendmedienschutz funktioniert nur, wenn alle Beteiligten zusammenarbeiten. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) führte jüngst eine Studie durch, welche die Einstellung von Eltern zu Jugendschutzthemen erhebt.

USK bekannt und geschätzt

Zunächst einmal die erfreuliche Nachricht, dass Eltern die USK kennen und deren Urteil bei der Wahl der Spiele und Apps mit einbeziehen. Gerade bei Bewertungen von Apps ist das keine Selbstverständlichkeit. War es jahrelang doch schwierig, diese Anwendungen mit einem Alterskennzeichen auszustatten. Die schiere Masse an neuen digitalen Inhalten war mit dem alten System nicht zu bewältigen. Nun, da sich ein Großteil der wichtigsten Anbieter (Google Play Store, Microsoft Windows Store oder Nintendo eShop) dem neuen IARC-System angeschlossen hat, ist dies ein Problem der Vergangenheit. Sehr gut kommen die zusätzlichen Informationen zu den Bewertungsgründen an. Wer sich genauer zu IARC informieren möchte, kann dies in einem ausführlichen Beitrag (hier) oder einem Interview mit Felix Falk von der USK (hier) tun.

Jugendschutzsysteme bekannt – aber nicht genutzt

Etwas ambivalenter empfinde ich die Antworten der Eltern zu vorinstallierten Jugendschutzsystemen, die Inhalte für Kinder filtern können. Obwohl dies 80 Prozent der Eltern bekannt ist, nutzt sie nur rund die Hälfte der Befragten. Die Mehrheit der Nichtnutzer sieht schlicht keinen eigenen Bedarf für Jugendschutzsysteme, da sie gerade jüngere Kinder bei der Mediennutzung begleiten. Dies ist zwar richtig und gut, jedoch kein guter Grund, auf die Jugendschutzsysteme zu verzichten. Man kann nicht sicher sein, immer dabei zu sein, wenn das Kind auf das Gerät zugreift. Zusätzlich muss man die Kinder zur Entwicklung der eigenen Medienkompetenz auch mal alleine lassen. Das gehört dazu. Warum auf einen einfach nutzbaren und gut funktionierenden Zusatzschutz, wie ihn auch JusProg anbietet, verzichten? Schaden tut‘s sicher nicht und helfen allemal!

Kommentare
  1. Mike sagt:

    „Die Mehrheit der Nichtnutzer sieht schlicht keinen eigenen Bedarf für Jugendschutzsysteme, da sie gerade jüngere Kinder bei der Mediennutzung begleiten.“ Das halte ich mal für mehr als ein Gerücht. Die sind schlicht zu faul dazu. Wenn man bedenkt wieviele Stunden Kinder heute im Schnitt online und offline am zocken/Medien nutzen sind, kann man sich kaum vorstellen, dass die Eltern da wirklich dahinter stehen, wenn die Kinder aktiv sind.

    1. Also ich kenne aus meinem persönlichen Umfeld beides. Aber gerade, wenn man nicht immer dabei ist, sind – vor allem für die Kleineren – Jugendschutzsysteme sehr sinnvoll, finde ich. Sie entlasten die Eltern und die Kinder können in geschützten Räumen ihre Erfahrungen machen.

  2. Den Einsatz von Jugendschutzprogrammen sehe ich kritisch. Die JuS Programme sind ja per Definition ein Zensurwerkzeug, womit leider immer mal wieder auch politische Seiten gefiltert werden. Außerdem verbreitet es die Akzeptanz dieser und ähnlicher Zensur-Werkzeuge wie z.B. die Webzensur im vereinigten Königreich. Zudem verpackt es Kinder in eine heile mit Watte gepolsterte Welt und eines Tages sind die Filter dann weg und ein Umgang mit nicht gefilterten Inhalten wurde nie erlernt.
    Wir haben heute schon genug unselbstständige Kinder, die von Helikopter-Eltern selbst bis im Studium verhätschelt werden.

    1. Das sehe ich anders. Bei Jugendschutzprogrammen geht es wirklich darum, dass Kinder und Jugendliche die Inhalte, die für sie nicht geeignet sind – und davon gibt es im Internet fraglos viele, vor allem Gewalt und Sex –, diese nicht sehen. Das heißt ja nicht, dass man die Kinder in Watte packt und sie dann mit 18 Jahren alleine auf die Welt loslässt. Natürlich sollte man den Umgang mit den Medien und auch mit den problematischen Inhalten lernen. Das ist ähnlich wie im Straßenverkehr: Klar sollen die Kinder lernen, alleine zur Schule zu gehen. Aber man lässt sie ja nicht gleich am ersten Schultag alleine über die gefährlichsten Straßen ohne Ampel oder Zebrastreifen gehen. Da begleitet man sie und die gefährlichen Straßen vermeidet man am Anfang.

  3. Marcus Lüpke sagt:

    Aus meiner täglichen Arbeit weiß ich, dass vielen Eltern gängige Hilfesysteme nicht bekannt sind. Zu viele Bäume im Wald………
    Zum Anderen greift das System der USK oft nicht, weil Kinder das System mit älteren Bekannten umgehen, Eltern gar nicht wissen, was die bunten Dinger auf den Verpackungen bedeuten. Für jüngere Kinder ist das System JUSCHUTZprog. gut geeignet um einen sicheren Weg anzubahnen. Danach muss man Jugendliche zu sozialer Kompetenz verhelfen, somit dann auch zu Medienkompetenz. In diesem Alter greifen technische Sperren oder Einschränkungen i.d.R. nicht mehr und den Technikwettlauf mit der Jugend brauchen sich Erwachsene nicht antun – am Ende verliert man.

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