Screenshot aus Mirror's Edge Catalyst
veröffentlicht von Martin Lorber am 09. September 2016

In-Game-Fotografie: Screenshots als Kunstform

Teilen auf:

Videospiele bieten mittlerweile beeindruckende virtuelle Welten. Nicht verwunderlich also, dass Computerspielästhetik und -konventionen Eingang in unser kollektives Gedächtnis finden. Folgerichtig verwenden nicht nur die Bereiche Design und Werbung die Bildsprache des Computerspiels, sondern auch Künstler verarbeiten sie. Mittlerweile findet auch die In-Game-Fotografie immer mehr Anklang.

Im richtigen Moment geknipst: Auch Action-Szenen können stilvoll festgehalten werden. Hier ein Beispiel aus Mirror's Edge Catalyst.
Im richtigen Moment geknipst: Auch Action-Szenen können stilvoll festgehalten werden. Hier ein Beispiel aus Mirror’s Edge Catalyst.

Fotografie in Spielen bietet großes Potential

Die Kunst des Screenshots ist zunehmend auf dem Vormarsch: Ausstellungen auf der ganzen Welt präsentieren Bilder von In-Game-Fotografen wie Duncan Harris und James Pollock. Leo Sang oder Iain Andrews liefern weitere Beispiele dafür, wie viel Potential in dieser Ausdrucksform steckt.

Der einzige Unterschied zur traditionellen Fotografie: Keine Kamera von Nöten

Interessanterweise unterscheidet sich In-Game-Fotografie gar nicht so sehr von traditioneller Fotokunst. Das Bild selbst steht für sich –  entkoppelt vom Kontext und dem dazugehörigen Spiel mit dem jeweiligen Hintergrund. Vom Stilleben bis hin zu Landschafts- und Charakterportraits knipsen In-Game-Fotografen alles. Die Bilder rütteln auf, regen zum Nachdenken an oder verbreiten einfach nur Spaß und Freude, wie traditionelle Fotografien auch. Sie sind mal bunt, mal düster, mal melancholisch, mal grell. Der In-Game-Fotograf braucht das Auge für Komposition und den perfekten Moment, die Fähigkeit aus einer schier endlosen Zahl an Motiven das passende auszuwählen und den optimalen Blickwinkel zu bestimmen. Auch er unterscheidet sich kaum von einem klassischen Fotografen, der beispielsweise Architektur in einem Foto festhälten möchte.

Mirror's Edge Catalyst
Auch Landschaften oder urbane Architektur lassen sich stimmungsvoll in Bildern festhalten.

Wie knipse ich richtig? – Spiele machen kreativ

Oftmals sind Cheats, Konsolenbefehle oder Mods nötig, um unerwünschte Dinge wie die eigene Spielfigur oder das Fadenkreuz aus dem Screenshot zu verbannen. Hier ist kreativer Erfindergeist gefragt – auch weil sich die Kamera oft nicht frei bewegen lässt, oder die Grafikeinstellungen nicht einfach so angepasst werden können. Spieleentwickler und Hardwarehersteller bieten aber mittlerweile auch tolle Lösungen an. So ist es beispielsweise in Mirror’s Edge Catalyst möglich, das In-Game-Kamera-Tool Ansel zu nutzen. Aktiviert man dieses Kamera-Werkzeug, pausiert das Spiel und erlaubt es die Kamera völlig frei zu bewegen. So lässt sich die eigentliche Spielszene verlassen und die Spielfigur oder die Landschaft aus allen Blickwinkeln einfangen. Die Szenen kann man außerdem bearbeiten: Anpassen lassen sich so ganz nach Wunsch Stimmung und Stil, dank einer Vielzahl von Filtern. Jedes Detail ist außerdem mit maximaler Auflösung abbildbar, auch wenn der eigene Monitor diese Auflösung im Spiel nicht unterstützt. Möglich sind auch beeindruckende 360° – Panorama-Aufnahmen, die sich mit Hilfe einer VR-Brille in voller Pracht bewundern lassen. Ein fantastisches 360° Bild aus Mirror’s Edge Catalyst ist beispielsweise hier zu sehen.

Spiele und Kunst – Eine begrüßenswerte Entwicklung

Es ist absolut beeindruckend, welches künstlerische Potential in In-Game-Fotografie steckt und welche tollen Bilder schon in den letzten Jahren entstanden. Ich denke, dass die Möglichkeit zu noch mehr freier Entfaltung die Kunstform Screenshot nach vorne bringt. Ein weiterer Beleg dafür, dass nicht nur Spiele Kunst sein können, sondern auch das Erleben im Spiel künstlerisches Potential besitzt.

Kommentare
  1. Hallo Martin,
    ich finde Screenshots sind eine Art Kunstform und sollten unbedingt geschützt sein
    Grüße
    Marc

  2. Screenshot sagt:

    Das Problem in Deutschland wird das Urheberrecht sein. Selbst einzelne Frames von Filmen sind ja verboten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *