Foto der Konsole Magnavox Odyssey (Quelle: artin Goldberg /Electronic Entertainment Museum (E2M))
veröffentlicht von Martin Lorber am 09. September 2016

Heute vor 50 Jahren: Die Idee zur ersten Spielekonsole der Welt

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August 1966: Videospiele wurden zwar schon auf Supercomputern in Universitäten und Forschungsreinrichtungen gespielt, die wirkliche digitale Unterhaltungsrevolution konnte aber erst durch eine geniale Idee so richtig in Schwung kommen. Der Ingenieur Ralph Baer machte Videospiele für Familien zugänglich, indem er sie auf dem heimischen Fernseher – und somit im Wohnzimmer – spielbar machte. Die von ihm entwickelte Konsole Magnavox Odyssey ebnete den Weg für den späteren Siegeszug digitaler Spiele.

Trotz aller Widerstände: Bahnbrechende Erfindung bereitete Videospielen den Weg

Der 1924 in Deutschland geborene und vor den Nazis in die USA geflohene Tüftler Ralph Baer Baer war beim Militärzulieferer Sanders Associates angestellt und entwickelte quasi als privates Nebenprojekt, einen Prototypen, der später als Magnavox Odyssey in den Handel kommen sollte. Von seinem Arbeitgeber als Zeitverschwendung abgetan wurde das Projekt jedoch von Bill Rush, Ralph Baer und Bill Harrison weiter vorangetrieben. Diese stellten ein Spiel für zwei Spieler fertig, bei dem ein Spieler einen anderen durch ein Labyrinth jagte. Letztendlich entwickelte sich daraus jedoch eine Ping-Pong-Simulation. Zunächst wollte kein Unternehmen das Produkt vertreiben, bis sie Magnavox überzeugten. Das Unternehmen vertrieb die Erfindung ab 1972 als Magnavox Odyssey für 100 US Dollar. Immerhin wurden rund 100.000 Stück verkauft – für damalige Verhältnisse ein respektabler Wert. Dieser Erfolg bereitete dem Nachfolgegerät Odyssey 2 und somit auch allen heutigen Spielkonsolen den Weg.

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„Brown Box“ – Der Prototyp der Odyssey

“Digitales Spiel” als Kulturgut

Baer wurde 2006 von US-Präsident Bush für seine Leistung im Bereich der Videospiele unter anderem mit der höchsten US-Auszeichnung im Bereich Wissenschaft und Technik geehrt, dem Orden National Medal of Technology. Ralph Bear verstarb am 06.12.2014 im Alter von 92 Jahren. Das Smithsonian “Lemelson Center for the Study of Invention and Innovation” arbeitete seit 2003 mit Baer zusammen. Im Zuge dieser Zusammenarbeit präsentierte das Museum seine “Brown Box”, die als erstes Heimvideospielsystem gilt. 2014 erwarb das Museum auch Baers Hobbykeller und stellt ihn nun am Eingang zu dem Innvoations-Flügel des Museums aus. Dies zeigt, wie wichtig es ist, die Erhaltung des Kulturguts “digitales Spiel” weiter voranzutreiben, trotz aller Schwierigkeiten, die bei der Archivierung auftreten können. Die spannende Geschichte der Videospiele habe ich in einer lesenswerten Beitragsreihe aufgearbeitet.

Pioniergeist ließ ganze Branche und dazugehörige Kultur entstehen

Dank Ralph Baers Kreativität und Leidenschaft konnte nicht nur eine ganze Videospielindustrie entstehen. Auch das Phänomen der digitalen Spielkultur wäre ohne einen solchen Pioniergeist heute nicht vorstellbar. In einem Interview mit Matthew Hankins von Gamasutra äußerste sich Baer schon 2006 positiv über die zunehmende Einordnung von Videospielen als Kunstgegenstände. Über sich selbst und seine Mitstreiter sagte er an jener Stelle:

“I’m first and foremost an inventor. But what we created was indeed art.”

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