Games-Branche in Deutschland: Verstärkte Förderung der Spieleindustrie sinnvoll
veröffentlicht von Martin Lorber am 02. Februar 2017

Games-Branche in Deutschland: Verstärkte Förderung der Spieleindustrie sinnvoll

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Einige Beobachter sprechen in letzter Zeit von einer sich verschärfenden Krise der einst so dynamischen Games-Branche in Deutschland. Tatsächlich ist die Rekrutierungsrate des letzten Quartals im Vergleich zum Vorjahr an allen wichtigen deutschen Gaming-Standorten zurückgegangen – mit der Ausnahme Frankfurts am Main. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Metajobsuchmaschine Joblift. Eines zeigt diese Auswertung sicherlich auf:  Umfangreiche Förderprogramme wären sinnvoll, um der Spieleindustrie in Deutschland neuen Aufschwung zu geben. Orientieren könnte man sich dabei an Programmen, die in anderen Zweigen der Kreativwirtschaft üblich und etabliert sind.

Spieleentwicklung: Relevante Berufserfahrung wichtig

Arbeiten in der Gamesbranche gilt für viele weiterhin als Traumberuf. Eine gute Orientierung für interessierte Einsteiger bietet der Ausbildungskompass Games, der vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) zusammengestellt wurde. Laut Joblift schrieb die deutsche Games-Branche in den letzten zwölf Monaten 6.205 Jobs aus. Der größte Teil richtete sich an Spieleentwickler (1.214 Stellenanzeigen) und Designer (641 Ausschreibungen). Darauf folgten Mitarbeiter in der Kundenberatung und -betreuung (486 Vakanzen), Angestellte im Marketing (426 Stellen) sowie im Sales (239 veröffentlichte Jobs). Auffällig jedoch: Nur etwa die Hälfte der Stellenanzeigen (3.099) beinhalteten konkrete Angaben zur gewünschten Ausbildung. So scheint der Fokus weniger auf einem bestimmten Zertifikat als auf umfangreichen Fachkenntnissen zu liegen.

Deutsche Spielebranche: Frankfurt wächst

Berlin führt das Ranking der im vergangenen Jahr ausgeschriebenen Stellen mit 24 % knapp vor Hamburg (23 %) an. München folgt etwas weiter abgeschlagen – hier wurden 11 % der deutschen Gaming-Ausschreibungen veröffentlicht. Auf Platz vier folgen gemeinsam Frankfurt am Main, Köln und Karlsruhe (4 %), auf Platz fünf kommt Düsseldorf mit 2 %. Vergleicht man die im vierten Quartal 2016 veröffentlichten Jobanzeigen mit denen desselben Zeitraums 2015, so verzeichnete allerdings lediglich Frankfurt am Main ein positives Stellenwachstum. Die Vakanzen stiegen dort um satte 30 % an, während sie in Karlsruhe um 10 %, in München um 22 %, in Berlin um 46 %, in Düsseldorf um 54 %, in Köln um 62 % und in Hamburg um 73 % abnahmen. Insgesamt verlor die Branche im Jahresvergleich 838 publizierte Stellen, was ein Minus von 39 % ausmacht.

Was könnte den Stellenmarkt in Deutschland beflügeln?

Unzureichende Rahmenbedingungen machen es deutschen Spielefirmen schwer, im internationalen Vergleich mithalten zu können. Durch eine strategische und konsequente Unterstützung der Gamesbranche sind andere Länder wie Frankreich oder Großbritannien in den letzten Jahren immer weiter davongezogen. Und obwohl laut BIU / Statista der Umsatz mit Spielen in Deutschland genauso hoch ist wie der mit Filmen (2,8 Milliarden € im Jahr 2015), wird die Games-Branche tatsächlich weniger stark unterstützt. Dies spiegelt sich konsequenterweise auch in der Rekrutierung wider: So fragte die Filmbranche im vergangen Jahr ca. 21 % mehr Mitarbeiter nach als die Spieleindustrie. Die gesamte Analyse von Joblift zur Spielebranche in Deutschland findet sich hier.

Was nötig wäre, um die richtigen Voraussetzungen für die Gamesbranche in Deutschland zu schaffen, erläuterte ich jüngst in einem Audiokommentar zur Games-Förderung. Auch der BIU setzte kürzlich mit einem Appell ein Ausrufezeichen: Er veröffentlichte einen Forderungskatalog zur Bundestagswahl 2017 mit 10 Maßnahmen zur Förderung der deutschen Games-Branche an die Politik.

 

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