Easter Eggs Videospiele
veröffentlicht von Martin Lorber am 02. Februar 2017

Easter Eggs in Videospielen: Herkunft und Funktion

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Die Suche nach Easter Eggs gehört bei aktuellen Games zum Spielerlebnis dazu. Der Begriff steht für eine versteckte Besonderheit in Medien. Dieses Verstecken kleiner Informationen zieht sich durch die Kunstgeschichte und ist seit der Renaissance nachgewiesen. Schon früh baute Alfred Hitchcock in seinen eigenen Filmen regelmäßig Cameo Auftritte seiner selbst ein. Mittlerweile verbindet man den Begriff Easter Egg aber vor allem mit Software – insbesondere Videospielen. In diesem Beitrag widme ich mich der Herkunft und der Funktion von Easter Eggs.

Ostereiersuche als echtes Abenteuer: Das erste Easter Egg in Games

Als Erfinder des modernen Easter Eggs in Videospielen gilt Warren Robinett, der 1978 seinen Namen in dem Action-Adventure “Adventure” für den Atari 2600 verewigte. Hier muss der Spieler in einem Labyrinth einen kaum sichtbaren Pixel finden. Sobald er diesen in einen bestimmten Raum mit einem bestimmten Gegenstand bringt, verschwindet die rechte Wand des Raums. So wird ein neuer Zugang zu einem weiteren Raum frei, in dem sich der Entwickler Warren Robinett mit einem Schriftzug verewigt hat. “Adventure” erfand damit nicht nur ein Spielprinzip, das unter anderem von The Legend of Zelda übernommen und weiterentwickelt wurde, sondern prägt durch die Implementierung des ersten durch Spieler gefundenen Easter Eggs die Videospielkultur bis heute.

Adventure Easter Egg
Warren Robinett’s Verewigung in seinem Spiel „Adventure“

 

Allerdings fanden findige Spürnasen 2004 ein noch älteres Easter Egg in dem Spiel Video Whizball, welches 1978 für das Fairchild Channel F System auf den Markt kam. Hier lässt sich der Nachname des Programmierers Brad Reid-Selth finden. Außerdem ergeben die letzten 5 Bytes des Codes den Namen der Tochter des Programmierers, nämlich Tracy.

Easter Egg im Spiel Video Whizball
Easter Egg im Spiel Video Whizball

 

Update: Am 22.03.2017 veröffentlichte Ed Fries auf seinem Blog einen spannenden Beitrag. Eigentlich sprach er mit dem ehemaligen Atari-Ingenieur Ron Milner über das 1974 erschienene Arcade-Rennspiel Gran Trak 10. Spontan berichtete ihm dieser jedoch über ein angebliches Easter Egg in dem 1977 veröffentlichten Weltraumspiel Starship 1. Fries beschreibt auf seinem Blog, wie er sich auf die Suche nach dem Easter Egg macht. Und siehe da: Mit einer bestimmten Button-Kombination während des Bootvorgangs ist es tatsächlich möglich dem Spieler 10 Extraleben zu gewähren. Außerdem erscheint der Schriftzug „Hi Ron!“. Somit ist der Beweis erbracht,  dass Starship 1 das erste Arcade-Spiel mit verstecktem Easter Egg war. Man darf gespannt sein, ob in Zukunft nicht noch mehr Geheimnisse aus der Frühphase der Videospielgeschichte aufgedeckt werden. Hier der Videobeweis:

Easter Eggs in Videospielen: Entwickler verewigen sich

Über Easter Eggs versuchten Programmierer und Designer sich heimlich innerhalb der Spielwelt und / oder des Programmcodes zu verewigen. Meist ohne das Wissen der Publisher oder der Produktionsfirma des jeweiligen Spiels. Für Spieler entstand ein Anreiz, diese versteckten Informationen ausfindig zu machen und darüber zu diskutieren. Bis heute existieren regelrechte Verschwörungstheorien zu Herkunft, Bedeutung bzw. der Existenz von diversen Easter Eggs.

Easter Eggs als “Fan-Service” in Videospielen

Oftmals betreiben Entwickler per Easter Egg in ihren Computerspielen  “Fan-Service”. So finden sich in den Lucas Arts Adventures beispielsweise Easter Eggs zum Star Wars Franchise von Lucasfilm. In Day of the Tentacle ist eine Version des Vorgängers Maniac Mansion spielbar. Viele Easter Eggs beziehen sich auf das eigene Schaffen der Entwickler, des dahinter stehenden Unternehmens oder verweisen ganz allgemein auf kulturelle Erzeugnisse aus Pop, Nerdkultur, Film, Musik, Literatur oder Wissenschaft. Nur Eingeweihte identifizieren Teile der Spielwelt als Easter Egg. Umso mehr steigt die Begeisterung bei Spielern und Fans anderer Franchises, wenn sie selbst solche Geheimnisse entdecken und offenlegen.

Easter Eggs erschließen alle Medienformen

Sprüche, Witziges, Minispiele, Fotos, Grüße, ein zusätzliches Level, Anspielungen und vieles mehr: Easter Eggs gibt es in den unterschiedlichsten Varianten und in jeder Art von Medium. Auch Anspielungen auf Videospiele finden sich mittlerweile in Literatur, Film, Musik oder anderer Software wieder. Schon in Microsoft’s Tabellenkalkulationsprogramm Excel findet sich in der Version 95 ein Minispiel namens “The Hall of Tortured Souls”, welches stark an den Spieleklassiker Doom erinnert. In Excel 97 versteckte sich ein Flugsimulator.

The Hall of Tortured Souls: Das Minispiel aus Microsoft Excel 95
The Hall of Tortured Souls: Das Minispiel aus Microsoft Excel 95

Easter Egg im Wohnzimmer

Zuletzt sorgte eine weitere Art von Easter Egg für große Resonanz. In Amazon Echo, einem vernetzten Lautsprecher, mit dem man über Sprachbefehle beispielsweise Einkäufe erledigen, Musik abspielen oder das Wetter abfragen kann, ist ein Easter Egg zum Bioware Titel Mass Effect 3 versteckt: Stellt man Echo die Frage „Does this unit have a soul?”, bekommt man die Antwort „Keelah se’lai, my friend.“ Eine klare Anspielung auf eine Szene aus Mass Effect 3, die wohl jedem der das Spiel gespielt hat, im Gedächtnis geblieben ist.

Mass Effect 3: Easter Eggs
Mass Effect 3: Das Science-Fiction-Rollenspiel bietet viele Easter Eggs.

Easter Eggs in Videospielen – Mittlerweile ein Muss?

Mittlerweile besteht bei Spielern fast schon die Erwartungshaltung, dass in Spielen Easter Eggs versteckt sein “müssen”.  In kommenden Beiträgen möchte ich ein paar der bekanntesten, witzigsten und schlauesten Easter Eggs der Spielegeschichte vorstellen und darauf eingehen, was der von Spielern hervorgebrachte “Anspruch” auf Easter Eggs aus Entwicklersicht bedeutet. Dabei werde ich insbesondere aufzeigen, wie viel Zeit, Kosten und Aufwand heute in die Entwicklung diverser Easter Eggs gesteckt wird.

Kommentare
  1. Melideas sagt:

    Ich finde nicht jedes Spiel muss Easter-Eggs beinhalten. Klar, es ist toll wenn man z.B. bei Skyrim ein „Schwert im Stein“ findet, was an Excalibur erinnert (war es doch, oder? Egal!) – aber ich finde sowas sollte auch eher eine nette Nebensache bleiben und nicht erzwungenes. Mir sind bei Darkest Dungeon z.B. jetzt auch keine Easter Eggs aufgefallen und trotzdem ist das Spiel ne Bombe.

    Wenn die Entwickler das so sehen, okay, aber ich persönlich finde es keine Notwendigkeit. Sie sind einfach nur eine schöne Beilage..so wie Pommes oder..naja, brauch ich jetzt kein Bild zu malen.

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